Die Wegwarte hat eine lange Tradition. Gerade in der Mystik und im Volksglauben. Der Aberglaube sagt, dass die Wegwarte ein im „Stich gelassenes“ Mädchen sei, das auf ihren Liebhaber am Wegesrand wartet. Im Mittelalter war sie ein magisches Kraut, das unheimliche Zauberkräfte besass. Wer eine Wegwarte bei sich trug, dem verfehlte jede Waffe. Sie wurde auch bei sich getragen, um vor allerlei Zauber geschützt zu sein. Der Botaniker Linne pflanzte sie in seiner Blumenuhr mit an. Die Wegwarte findet man auch im Schwedenbitter. Die Ringelblume wurde Anno dazumal, als männlicher Partner der Wegwarte angesehen.

Andere Namen :

Wegleuchte, Sonnenwende, wilde Endivie, Kaffeekraut, Zigeunerblume, Zichorie, Sonnenbraut

Volksheilkunde :

Diabetes, Appetitlosigkeit, Haarausfall, Verdauungsprobleme, Erschöpfungszustände, Gelbsucht, Leber- und Gallenbeschwerden, Rheuma, Gicht, Hämorrhoiden, Hautunreinheiten, Verstopfung, unreiner Haut, Rötungen der Gesichtshaut, Ekzeme, Augenentzündungen

Eigenschaften :

harntreibend, kräftigend, appetitanregend, verdauungsfördernd, schweisstreibend, entzündungshemmend, leicht abführend, zusammenziehend, blutreinigend, anregend, gallenflussanregend

Inhaltsstoffe :

ätherische Öle, Gerbstoffe, Harz, Cholin, Inulin, Bitterstoffe, Zichorien, Anthocyan (blauer Farbstoff), Zucker

Verwendung:

Ganze Pflanze samt Wurzeln

Darreichungsform :

Tee, Tinktur, Sirup, Wurzelpulver, Presssaft (Wurzel), Arzneiwein, Salben, Umschläge, Augenauflagen

Vorkommen :

Wiesen, Kiesgruben, Wegränder, Mauern, Ödland

Blütezeit :

Juli-September

Sammelzeit : 

April – November (Wurzeln)

Juli – September (Blüten+Kraut)

Verwechslung mit anderen Pflanzen :

Keine Verwechslung. Eventuell mit der Kornblume.

Naturschutz :

Nicht geschützt. Wobei ich denke das sie schützenswert ist, weil es durch die Landwirtschaft immer weniger freie Flächen gibt, wo diese Pflanze ungestört wachsen kann.

 

rosa wegwarte

(Weisse und rosa Blüten sind doch seltener bei der Wegwarte)

Anbau :

Die Wegwarte ist eine mehrjährige Pflanze, die einen nährstoffreichen Boden und die Sonne liebt. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat im Frühjahr. Sie besitzt eine Pfahlwurzel und ihre Wuchshöhe kann bis zu einem Meter betragen.

Ernte & Trocknung :

Die Ernte der Wurzeln erfolgt im 2ten Jahr. Sie werden gereinigt und in Scheiben geschnitten sehr schnell getrocknet. Das Kraut wird kopfüber in Bündeln aufgehängt. Einzelne Blüten werden luftig und dunkel getrocknet. Sie sollten öfters gewendet werden. Optimal ist es, die getrockneten Pflanzenteile in kleinen Leinen – oder Baumwollsäckchen aufzubewahren.

Geschmack & Geruch :

bitter, würzig & geruchlos

Verwendung in der Küche/Haushalt/Kosmetik/Tierhaltung:

Die Wegwarte kann für Kaffeeersatz genommen werden. Die Wurzeln werden in Scheiben geschnitten und bei 180 Grad, ohne Zugabe von Fett, geröstet. Danach werden sie gemahlen und wie herkömmlicher Kaffee aufgebrüht. Dieser Kaffeeersatz, auch Muckefuck genannt, ist wohl bekömmlich für Menschen die kein Koffein vertragen und er ist reichlich an Mineralsalzen. Wer den bitteren Geschmack nicht so gerne mag, kann die Wurzeln vor dem Rösten wässern. Man kann die Blüten und Blätter auch in Suppen, Salaten und auch als Gemüsebeilage nehmen. Eine kultivierte Form der Wegwarte ist der Chicorée. Als Salbe wird sie gerne bei Rötungen der Gesichtshaut verwendet.

Tee – Zubereitung:

  • 2 TL getrocknetes Wegwartenkraut
  • 1 Tasse Wasser ( ca. 250 ml )

Das kochende Wasser über das Kraut  giessen und ca. 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abfiltern. Vielleicht ein wenig mit Honig süssen. Bei Verstopfung können 2 – 3 Tassen am Tag getrunken werden. Dieser Tee ist leicht abführend.

Wegwartenwurzel – Wein:

Um eine Arzneiwein gegen Appetitlosigkeit herzustellen, benötigt ihr 50 g getrocknete und kleingeschnittene Wegwartenwurzel. Sie werden für 10 – 14 Tage in einem Wein ziehen gelassen. Dieser Wein wird danach nicht gefiltert. Es können bis zu 3 kleine Schnapsgläser vor dem Essen, über den Tag verteilt, davon getrunken werden.

Räucheranwendung & Volksglauben:

Eine Wegwarten-Räucherung lässt uns das Wahre erkennen, wenn wir geblendet, von Menschen oder unserem Umfeld, durch unser Leben gehen. Dieses Räucherwerk steigert unsere Selbstliebe.

Die weisse Blüte war besonders magisch. Sie wurde gepflückt und unters Kopfkissen gelegt. So sahen junge Mädchen ihren zukünftigen Ehemann im Traum.

In einem Kampf, sei es auch nur im Streit, soll die Pflanze unbesiegbar und auch unverwundbar machen. Sie wirkt schützend auf Geist und Seele.

Nebenwirkungen:

Keine bekannt. Wer eine Allergie gegen Korbblütler hat, sollte auf andere Heilpflanzen ausweichen. Bei Gallenbeschwerden muss es vor der Einnahme mit einem Arzt oder Heilpraktiker abgesprochen werden. Auch Schwangere und Stillende müssen es vor der Verwendung abklären lassen. Bitte beachtet, dass diese Vorstellung den Gang zu einem Arzt oder Heilpraktiker nicht ersetzt. Bitte auch meinen Hinweis vor einer möglichen Anwendung lesen!

wegwarte

(Wegwarte)


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6 Gedanken zu „Wegwarte – Ein Kraut voller Magie

  1. Es war einmal vor langer Zeit eine Prinzessin, die hatte sich in einen wunderschönen Ritter verliebt. Doch ihr Liebster musste fort, er nahm an einem Kreuzzug teil. Zum Abschied begleitete ihn die Prinzessin noch ein Stück des Weges. Er stieg auf sein Pferd, ritt gen Osten – und ward nicht mehr gesehen. Die Prinzessin war so traurig und wartete jeden Tag mit ihren Hofdamen vor dem Stadttor auf seine Rückkehr. Auch als die Hofdamen schon nicht mehr an eine Rückkehr des Ritters glaubten, weigerte sich die Prinzessin, die Hoffnung aufzugeben. Und so konnte man alle miteinander noch lange Tag für Tag vor dem Stadttor warten sehen. Schließlich hatte der Himmel ein Einsehen. Die Prinzessin wurde mit ihren Hofdamen in Wegwarten verwandelt, wobei die Hofdamen in blaue und die unglückliche Geliebte in eine weiße Wegwarte verwandelt wurden, damit sie dort immer Ausschau nach dem Ritter halten können. Da stehen sie nun am Wegesrand und schauen jeden frühen Morgen zur aufgehenden Sonne. Sie drehen sich mit dem Sonnenlauf und lassen nachmittags die Köpfchen enttäuscht hängen. Doch schon am nächsten Morgen schauen neue Blüten gen Osten in Erwartung des zurückkehrenden Ritters.

  2. Sie steht wohl aber nicht in allen Bundesländern unter Naturschutz. Wer sie pflanzen möchte, kann von der Loki Schmidt Stiftung ein Samentütchen bekommen.

  3. sehr nette Erläuterung, Tobias Fink – Danke 🙂
    in der Bachblüten-Verwendung steht sie für bedingungslose Liebe <3

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