Die Germanen kannten in frühchristlicher Zeit noch keinen bestimmten Jahresanfang. Im alten Rom begann das neue Jahr erst am 1. März, weil dann dort die höchsten Beamten ihr Amt antraten. Im Jahre 153 v. Chr. geschah es zum ersten Mal am 1. Januar und dadurch wurde dieser Tag Jahresanfang.

Der Jahreswechsel wurde oft mit einem Glückszauber verbunden. Um Mitternacht ertönten überall Kirchengeläut und Bauern klopften auf Bretter, um das alte Jahr herauszudreschen und das neue Jahr einzudreschen. Die Lautstärke war bedeutend für die Fruchtbarkeit der Felder für das kommende Jahr. Man sprang auch beim zwölften Glockenschlag von einem Tisch oder einen Stuhl herunter. Wer es nicht tat, der verzichtete auf das Glück im neuen Jahr. Mancherorts trug man eine hässliche Strohpuppe in einer Schneidelade durchs Dorf und versenkte sie in einem Dorfteich, sobald es 12 Uhr nachts schlug. Im Wechsel stieg ein schönes Dorfmädchen in die Schneidelade und wurde ins Dorf zurückgetragen. Sie verkörperte das neue Jahr. Die „Neujahrskönigin“ musste aber im selben Jahr heiraten, sonst stirbt sie als alte Jungfer. In den Wirtshäusern wurde das Licht vor Mitternacht heruntergedreht und mit dem Schlage 12 Uhr wieder angedreht. Es wurden auch in der ersten halbe Stunde im neuen Jahr alle Türen verschlossen, nur der Hintereingang blieb offen, weil dadurch der Segen hineinkomme. Alle Familienangehörige tranken beim Silvesterläuten aus einem Glas und warfen es danach aus dem Fenster. Dadurch blieb das Unglück aus dem Haus. Die Gemeinde, die zuerst den Glockenschlag um 12 Uhr nachts verübte, die hatte den ersten Brandfall. Sie glaubten sogar das Steine sich in der Neujahrsnacht umdrehten.

Selig neu jar

Es wurden auch Seelenfeste gefeiert. Man stellte für die Verstorbenen ihr Lieblingsessen auf dem Tisch. Es wurde mancherorts Brot mit einem Messer auf den Tisch gelegt, um die Hausgeister ruhig zustellen. Der Ofen wurde sehr stark beheizt, damit die Toten sich wärmen konnten. Man stellte eine Bank hinzu und fand am morgen ihre Spuren in der Asche. Die Menschen von damals glaubten daran, wenn am Silvesterabend jemand auf den Dachboden ging, das demjenigen der zuletzt Verstorbene erschien. Wenn niemand in dem Haus gestorben war, so kam der Teufel.

einsame kirche

Die Neujahrsnacht war eine Geisterzeit und auch Wotans wildes Heer brauste durch die Lüfte. Am Silvesterabend sassen die Hexen an einem Kreuzweg und lauerten darauf, jemanden einen Streich zu spielen. Es wurde in der Neujahrsnacht alles mit Kreuzen und Pentagrammen versehen, damit das Böse nirgends Zutritt bekam. Man scheute, sich das Haus zu verlassen. Zum Jahreswechsel wurde geschossen und Peitschen wurden geknallt, um die Geister auszutreiben. Je grösser der Lärm durch schiessen, Peitschen knallen, Geschrei und Geschepper war, um so fruchtbarer wurde das kommende Jahr. Man warf auch Töpfe und Flaschen gegen Türen und Fensterläden.

wilde jagd

Rief man beim Schlage 12 dreimal seinen eigenen Namen, so sah man sich selbst. Tat man das alleine, z. b. auf dem Kirchhof, so kam was Schreckliches. Verzog man zu dieser Stunde sein Gesicht, so blieb es stehen. Wünschelruten wurden auch in der Silvesternacht geschnitten. In dieser Nacht wurde der Reisig für die Besen ins Haus geholt, um im kommenden Jahr vor Behexung geschützt zu sein. Mit diesen Besen wurde in allen vier Ecken der Stube gekehrt. Denn damit kehrte man das Unglück hinaus. Es wurden vom Vater vier Pfähle in alle Himmelsrichtungen ums Haus gesteckt, denn damit war das Haus vor Feuer geschützt.

artikel_silvester

 

Es wurde in der Silvesternacht nackt auf den Friedhof gegangen, um das Moos von den alten Kreuzen zu kratzen. Es heile Gicht und andere Krankheiten. Eine Muskatnuss, heimlich gekauft und das ganze Jahr in der Tasche getragen, verhindere Stürze und Brüche. Wer in der Neujahrsnacht geboren wurde, der kann Geister und auch Vorzeichen für den Tod und der Geburt sehen. Er wird aber nicht alt.

alter friedhof

Hat man zu Neujahr Geld, so hatte man das ganze Jahr über Geld. Wer zu Neujahr viel Geld ausgab, der gab auch das kommende Jahr viel aus. Verlieh man Geld zu Neujahr, so verlieh man das kommende Jahr hindurch. Am Neujahrsmorgen musste früh aufgestanden werden, weil man dadurch das ganze Jahr nie verschläft. Wer spät aufstand, der tat es auch im neuen Jahr. Wer die Neujahrsnacht nicht schlief, der wird im kommenden Jahr nie gut schlafen. Wer am Neujahrstag seinen Kopf anschlägt und eine Beule bekam, der bekam Unglück für das ganze Jahr. Diebe mussten in der Neujahrsnacht stehlen und wenn sie nicht erwischt wurden, so hatten sie Glück fürs kommende Jahr und wurden auch dann nie erwischt. Es durfte auch keine Handarbeit am Neujahrstage ausgeübt werden. Genausowenig wurde nichts aus dem Haus gegeben oder sogar verkauft werden, weil man sonst sein Glück weggeben wird. Wer in der Nacht die Wäsche draussen lässt, der bekommt einen Toten im Haus. Überhaupt sollte man keine Arbeiten vom alten Jahr ins neue Jahr übernehmen.

artikel_silvester01

Die erste Begegnung am Neujahrstage war von grosser Bedeutung. Ein junger Knabe brachte Glück und eine alte Frau Unglück. Wenn eine Frau zuerst das Gute neue Jahr wünschte, so war das kommende Jahr segensreich. Es wurde zu Silvester sehr gut und reichhaltig gegessen. Die Fülle der Speisen war ein gutes Omen. Am letzten Tag des Jahres mussten alle Tische voll mit Speisen und Getränke bereitstehen, denn das gab Fruchtbarkeit fürs neuen Jahr. Dieser Brauch war schon im alten Rom und in Alexandria bekannt. Die vollen Tische dienten den geisterhaften Wesen die dafür sorgten, das die Felder fruchtbar werden. Es wurde auch Brot und Salz ins Tischtuch gerollt, um Nahrungsmangel fernzuhalten. Wer in dieser Nacht gut isst, der ist das ganze Jahr hindurch wohlauf. In manchen Gegenden wurde es Stippabend genannt. Sämtliche Hausbewohner sassen auf Stühlen um das Herdfeuer. Jeder bekam einen Teller mit Fettbrühe, Fleisch, Speck und Mettwurst auf den Schoss und mussten ihr Brot in die Brühe tunken und sich satt essen. Wenn jemand zuerst vom Tisch aufstand, der stirbt im kommenden Jahr. Wer zuletzt mit seinem Essen fertig war, der kam zu spät in den Himmel. Bestimmte Speisen hatten besondere Kräfte. Weisskraut zum Beispiel, liess das Geld nicht ausgehen. Süssigkeiten machten das ganze Jahr über süss. Es wurde auch Lebkuchen angebrannt und in Branntwein getunkt gegessen, es sollte vor Sodbrennen schützen. Erbsensuppe am Neujahrstag schützte vor Fieber. Knödel und Heringe schützte vor der Frau Holle, die sonst die Bäuche aufschnitt. Eine Hagebutte wurde roh gegessen, ohne ein Wort zu reden. So blieb man im neuen Jahr gesund. Nach Mitternacht musste heftig getrunken werden, Bier und Wein, so blieb man im kommenden Jahr gesund. So feierten auch schon die alten Römer den Jahreswechsel. Von den Speisen musste was fürs neue Jahr aufbewahrt werden. So hatte man auch im neuen Jahr immer genug zu essen.

panierter tofu

Es wurde zu Silvester auch fleissig gebacken. Feines, weisses Brot wurde zu Kringel oder zu einem Kranz gebacken. Tierfiguren waren auch häufig. Diese Tierfiguren wurden unter einem Deckenbalken nahe am Herdfeuer aufbewahrt. Nach Ablauf des Jahres wurden sie verbrannt und durch Neue ersetzt. Es wurde soviel gebacken, das man bis zum 13. Januar kein Brot mehr kaufen oder backen musste. Es kam auch ein ganzes Schwarzbrot und ein ganzes Weissbrot auf den Tisch. Mit Fröhlichkeit muss das neue Jahr begannen werden. Glückwünsche waren nicht nur Höflichkeit, sondern ein wirksamer Zauber. Es wurden sogar das Vieh und die Obstbäume mit Glückwünschen überhäuft. Der Glückwunsch entspricht das Geschenk als gutes Omen. Im alten Rom war es üblich kleine Geschenke zu machen. Im Mittelalter tat man das nur unter Erwachsenen.

mürbeteigschiffchen

Wahrsagen und Orakel waren in dieser Nacht sehr beliebt. So glaubte man, wenn man einen Kreis zwischen 11-12 Uhr nachts um sich zog, so konnte man sein Schicksal fürs kommende Jahr erfahren. Auch durchs Gucken in den Schornstein erhielt man Auskunft. Man konnte auch in der Silvesternacht auf einen Kreuzweg gehen oder durch ein Schlüsselloch in eine Kirche schauen, um sein Schicksal zu erfahren. Es wurde in jeder Ecke eine Kaffeetasse gestellt, eine davon umgestülpt. Um 12 Uhr nachts musste man sie umdrehen, so sah man einen Ring, einen Kranz oder einen Sarg. Bleigiessen wurde teilweise mit Wachs oder mit rohen Eiern (Eiweiss) in heissen Wasser ersetzt. Was man in der Silvesternacht träumt, das geht einem in Erfüllung.

bleigiessen

Schüttelt ein junges Mädchen in der Silvesternacht ein Tischtuch auf einem Kreuzweg aus, so begegnet sie dem, der sie mal heiratet. Wenn das Mädchen in der Neujahrsnacht wäscht, so bringt der Zukünftige ihr die Seife. Wenn jemand in der Neujahrsnacht im Hause stirbt, so sterben gleich drei andere Menschen im kommenden Jahr. Ein Begräbnis in der Neujahrsnacht, lässt 12 Ehepaare sterben. Wenn ein Tier in der Neujahrsnacht im Haus oder im Stall erfriert, so stirbt ein Mensch im kommenden Jahr. Das Vieh konnte in der Neujahrsnacht reden, aber wer es hörte, der starb. Ein Sternschnuppe in der Neujahrsnacht brachte den Tod oder eine schwere Krankheit.

sternschnuppe

Wie das Wetter in der Neujahrsnacht war, so wurde auch das neue Jahr. Mit einer Zwiebel konnte die Regenmenge des kommenden Jahres bestimmt werden. War es in der Neujahrsnacht windig, so gibt es viel Obst. Wenn es schneite, gab es viele Bienenschwärme.

panierter tofu

 

Ich wünsche euch ein gesundes und glückliches neues Jahr,

eure Katuschka


Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, würde ich mich über einen kleinen Beitrag zu meiner Arbeit sehr freuen!
Celticgarden unterstützen:


 

 

 

 

 

6 Gedanken zu „Brauchtum und Aberglauben rund um Silvester und Neujahr

  1. Der Brauch mit dem aufs Holz klopfen ist hier in der Gegend noch verbreitet, wird hier „Bökern“ genannt.
    Hat sich „Schluckbökern“ draus entwickelt, wer klopft, kriegt einen. 😉

  2. Dankeschön
    Mich hat deine toll gestaltete InfoSeite ein wenig an unsre ersten Geschichtsstunden erinnert☺
    vieles vergißt man und manches ist mir wieder eingefallen.

Kommentar verfassen