Wollen wir uns mal mit der heutigen Burgenromantik befassen, die uns Jahr für Jahr von den Medien vorgegaukelt wird. Da ich selber auf einer Burg gelebt habe, eher gesagt in einem Torhaus auf einer Burg, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß das Burgleben wenig mit Romantik zu tun hatte.

Es war für die damaligen Burgbewohner bestimmt nicht romantisch und schön, sondern immer ein Überlebenskampf. Im Winter war es zugig, feucht und eiskalt. Die Fenster wurden notdürftig mit Tierhäuten oder geölten Leinentüchern verhängt, damit wenigstens ein bisschen die Nässe und Kälte draussen blieb. Viele Lieder aus dem Mittelalter besingen den Frühling, weil er jedes Jahr aufs Neue herbeigesehnt wurde.

Geschlafen haben die Burgbewohner in ihren Kleidern, die sie auch am Tag trugen. Kurz gesagt, so wie sie eingeschlafen sind, so sind sie auch wieder aufgestanden. Um sich ein bisschen Wärme ins Bett zu holen, schliefen sie mit mehreren Personen in einem Bett und als Matratze diente ein Sack, der entweder mit Stroh, Tier- oder Frauenhaaren, Federn oder Laub gefüllt war. Es gab in den Burgen nur einen Raum mit einem Kamin, das war die Kemenate. Dieser Raum wurde meistens von den Frauen, Kindern und ihren Ammen bewohnt.

Es herrschte immer eine Dunkelheit in den Burgen, weil die Öffnungen so klein wie möglich gehalten wurden, um die Kälte nicht in die Räume ziehen zu lassen. Gelüftet wurde kaum. Darum hat es sehr gestunken in den Burgen. Erstunken ist noch niemand, aber erfroren :). Ca. 1400-1500 n.Chr. kam Fensterglas auf, was aber zum Anfang nur in den Kirchen zu finden war.

Wer seinen natürlichen Bedürfnissen nachgehen musste, benutzte den meist steinernen Abort. Der in luftiger Höhe kalt und einsam irgendwo auf der Burg war. Man muss sich das vorstellen mit Spinnen und sonst was für ein Getier und wenn es dann im Winter eiskalt und windig war. Ich denke mal Blasenentzündungen waren sehr oft.

abort_hornberg

Die Burgen waren bei Tag und bei Nacht sehr dunkel, deshalb wurde versucht mit Fackeln und Kienspan die Räume ein wenig zu erleuchten. Sie verbreiteten eine Menge Russ und es stank erbärmlich. Unschlittlampen rochen sehr streng, weil Tierfett darin verbrannt wurde. Wachskerzen waren sehr teuer zu damaliger Zeit und nur wenige Burgbesitzer hatten dafür die nötigen Taler.

Kurz gesagt, Burgen waren Wehrbauten und keine Wohnhäuser im üblichen Sinne. Eine Privatsphäre war ein Fremdwort zu damaliger Zeit. Es war ein Zufluchtspunkt für die umliegenden Bauern und Bewohner, die zu dem Gebiet der Burg gehörten. Das Wort Bürger kommt von dem Wort Burg !

4 Gedanken zu „Burgenromantik

  1. Oooh, bitte Katja, sag das mal meinem Freund mit der Kälte und der Feuchtigkeit. Er träumt sooo davon, so ’ne alte Burg zu haben… ohne mich, mich friert’s da zu Tode!

    Ach, und ich war der festen Überzeugung, „Bürger“ kommt von „bürgen“ (für den Staat/den Regenten). Ehrlich gesagt glaub ich das immer noch.

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