Es wird vermutet das Schwertperlen, als Amulett oder als Talisman an einem Schwert getragen wurden. Funde geben bis heute Rätsel auf, ob es zu Lebzeiten getragene Amulette waren oder Grabbeigaben.

Der erste Fund war 1926 in Alt-Weimar. In einer Grabung wurde ein Langschwert zusammen mit einer dunkelgrünen Steinperle von ca. 3 cm Durchmesser gefunden. Das Grab stammt von den spätsarmatischen Kurganen.

Schwertperle an der Scheide der Goldgriffspatha aus Villingendorf

Schwertperle an der Scheide der Goldgriffspatha aus Villingendorf

Laut Funden haben die Steinperlen, die stets in der Nähe des Schwertgriffs lagen, keinerlei zweckgebundene Funktion. Der Brauch der Schwertanhänger lässt sich in einem Zeitraum von 800 Jahren verfolgen. Ein anderer Fund stammt aus dem 1. Jh. v. Chr. Es wurde neben einem Eisendolch eine grosse blaue Glasperle mit farbigen Einlagen gefunden. Ebenfalls aus der Zeit wurden an der Wolga 4 Ringschwerter mit grossen Glasperlen gefunden, sowie 3 weitere Schwertanhänger. Nicht nur bei den Alanen und Sarmaten trug man perlenartige Schwertanhänger, sondern auch in desungarischen Alföld. Diese Tradition war nicht nur in der östlichen Steppe, sondern bei allen Sarmaten zwischen Orenburg und Budapest verbreitet.

Prunkschwert mit Schwertperle, 6. Jahrhundert.

Prunkschwert mit Schwertperle, 6. Jahrhundert.

1953 wurde auf den Bahrain-Inseln ein zum Teil schon geplündertes Grab untersucht, indem ein Ringdolch gefunden wurde und neben seinem Griff eine grüne Glasperle. Diese Perle steht als Beweis, dass diese Tradition, am Schwertgriff Perlenanhänger anzubringen, von den Parthern und den Sarmaten gemeinsam ausgeführt wurde.

Leider ist es bis heute unerforscht, wann diese Tradition der Schwertanhänger bei den Bewohnern der Griechenstädte anfing. Vermutet wird, dass es schon in der älteren Kaiserzeit der Fall gewesen sein müsste.

schwertperle

Schwertperle

Die Bewohner von Olbia trugen ebenfalls Perlen zu ihren Langschwertern.

Seit dem 5. Jh. werden die Funde der Schwertperlen reicher und zwar bei den Alanen. Die Schwertperlen wurden mit Goldknöpfen verziert oder mit einem Metallstift, der in die Mitte der Perle eingeführt wurde.

Desweiteren wurde ein Grabfund mit einem Langschwert und einer Schwertperle in Mainz-Kostheim gefunden. Eine besondere Perle wurde in den Gräbern von Gotland entdeckt. Sie stammt aus der Atillazeit und war wohl ein Importstück.

In den Fürstengräbern von Blucina wurde eine scheibenförmige Schwertperle gefunden. Es wurden weitere scheibenförmige Schwertperlen in Angeln, Thorsberg, Porskjaernas und in Vimose gefunden.

Ab 480-550 n.Chr. häufen sich die Funde der Schwertperlen in germanischen Gräbern. Das Grab von Mauer a.d. Url ist vermutlich langobardisch. Dort wurde eine sehr grosse Schwertperle aus Bernstein gefunden. Am häufigsten wurden in dieser Zeit Schwertperlen in den Gräbern der Thüringer, Alamannen und den Franken gefunden. In dem Grab des Frankenkönigs Childerich wurde eine grosse Schwertperle aus Bergkristall entdeckt.

schwertperle mit schwert

Schwertperle mit Schwert

Aus Gräbern des 6. Jh. waren Schwertprlen ebenfalls gefunden wurden. Es waren Fürstengräber in Gültigen, Rommersheim, Planig, Entrigen, Klein-Hünigen, Flonheim und in Lavoye. In Chaouilley ist eine Schwertperle an einem Ringknaufschwert aus dem 6. Jh. gefunden wurden. Über ein Vorkommen in Nordfrankreich und Belgien führt es in angelsächsische England. Bei den Alannen und den Angelsachsen war diese Tradition der Schwertperlen gleichermassen bis ins 7.Jh. vertreten.

Archäologen sind sich sicher, das der iranische Brauch der Schwertperlen über die Ausdehnung der Hunnen nach Mitteleuropa kam. Die Tradition der Schwertperlen wurde so von den Gepiden, Nordgermanen, Thüringern, Alannen, Franken und den Angelsachsen um 500 n. Chr. aufgenommen und weit bis ins 7. Jh. fortgeführt.

Über die Tragweise der Schwertperlen gibt es leider keine Überlieferungen. Überwiegend lagen die von den 19 Schwertperlenfunden immer in der Nähe des Schwertgriffs. So wird vermutet, das sie am Bereich des Schwertgriffs angebracht wurden. Sie waren Ausdrucks eines Brauchs und dienten keiner Zweckbestimmung. Die These des tieferen Sinnes der Schwertperlen besagt, das sie vielleicht eine Art Zeichen der Freundschaft zwischen 2 Krieger war, wie z. B. die germanischen Ringknaufschwerter. Die bis jetzt einzige logische Erklärung der Schwertperlen ist die, dass sie als Amulett dienten. Zum Schutze des Kriegers und seinem Schwert. Vielleicht wurde auch bei voriger Anbringung ein Zauber ausgesprochen. Wir wissen es nicht.

Das Material der gefundenen Schwertperlen war vielseitig. Es wurden Perlen gefunden aus: Glas, Chalcedon, Nephrit, Bergkristall, Bernstein, Muschelkalk, Meerschaum und Knochen.

Die Bedeutung der magischen Schwertanhänger bleibt uns bis heute ein Rätsel!

schwertperle

Schwertperle

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