Im Mittelalter versuchte man mit Amuletten, Zaubersprüchen, Lochsteinen und auch Pflanzen dem bösen Zauber der Hexen zu umgehen. Der mittelalterliche Volksglauben besagte, wenn Hexen mit Pflanzen zaubern können, so muss es auch Pflanzen geben, die vor der Zauberei schützen. Auch bestand der Glaube, das man schon angehextes Übel mit gewissen Pflanzen wieder von sich wenden kann.

Unter Berufen oder Beschreien verstand man Neid, Verleumdung und falsche Freundlichkeit. Gerade bei kleinen Kindern war die Sorge gross, das sie diesen Übeln ausgesetzt waren und so wurden sie in Beruf – und Beschreikräutern gebadet, weil damit der angehexte Zauber fortgespült wurde. Die Kräuter nahm man in einer ungeraden Zahl.

Es wurden allerlei Kräuter in den Häusern aufgehängt, um diese Verzauberung zu umgehen. Der Beifuss war wohl das wirksamste Kraut. Er war in der Lage den Hexenzauber, sowie auch den bösen Blick abzuwenden. Die Blüten der meisten Beschrei -und Berufkräuter haben lila oder gelbe Blüten. Die Farben des Neids und der Gelbsucht. Das bekannteste Kraut ist das Berufkraut, das bis heute seinen Namen behalten hat. Der Gundermann, Baldrian, Liebstöckel, Knoblauch und der Bärlapp wirkten auch gegen Verzauberung.

berufkraut

(Berufkraut)

Kindern die in der Nacht durch Albträume laut aufschrien, wurden Berufkräuter mit ins Bett gelegt. Zum Beispiel der Frauenflachs, die Schafgarbe und die Kohlkratzdistel, aber auch das Johanniskraut zählte zu diesen Kräutern. Dadurch waren sie vor den Hexen und dessen Alpdrücken und ihren bösen Blick sicher.

Paracelsus empfahl zu damaliger Zeit gegen das Berufen und Beschreien, das Johanniskraut, den Farn und den Andorn in vor Sonnenaufgang geschöpftes Wasser zu sieden und die Kranken 9 Tage lang nacheinander darin zu baden. Diese 9 Tage darf der Kranke mit seinen Füssen nicht die Erde berühren, sondern nur mit Hausschuhen oder Strassenschuhen herumlaufen, nach jedem Bad. Danach müssen seine Fusssohlen abgeschabt werden und die Abschabung muss aufbewahrt werden. Nach den 9 Tagen muss die abgeschabte Haut in einem jungen Eichenbaum versiegelt werden und nach jedem Bad muss man sich einsalben mit Misteln, die auf einer Linde wachsen. So wird er in kürzester Zeit wieder gesund. (Paracelsus 1608 Jhr.)

paracelsus

(Paracelsus 1493-1541 Jhr.)

 

Von diesem Aberglauben kommt auch unser „auf Holz klopfen“. Rühmendes Hervorheben von Gesundheit, Glück oder Schönheit brachte Unheil über denjenigen und um das von sich abzuwenden musste auf Holz geklopft werden und das Wort „unberufen“ hinzugefügt werden, was wir heute als Toi, toi, toi kennen. Denn damit konnte der Schadenzauber umgangen werden. In manchen Gegenden von Deutschland wurde der Heilziest unter der Türschwelle vergraben, um gegen die Verhexung geschützt zu sein. Im Mittelalter waren plötzlich auftretende Gichtschmerzen, Lähmungen und Schwäche ein Zeichen dafür, das derjenige berufen oder beschrien wurde und dagegen half der Heilziest. Man verwendete ihn dann als Räucherung, Waschung und als Bad. Er wurde auch als Schutzamulett in der Hosentasche getragen.

sumpfziest

(Sumpfziest)

 

Wenn sich Gesundheit in Krankheit verwandelt, das Gute in Böse und das Glück in Unglück wandelt, dann handelt es sich nach mittelalterlichen Aberglauben, das der Mensch beschrieen oder berufen wurde. Man hat den bösen Blick auf sich gezogen. Die Seele wurde durch Neid, Zorn, Eifersucht, etc… verdorben. Um von dieser Verhexung los zu kommen, mussten Amulette getragen werden oder es wurde viel geräuchert mit den Kräuter, die ich weiter oben aufgeschreieben habe. Kinder wurden in einem Absud von neunerlei Kräutern gebadet. Dieses Bad beinhaltete Brennesseln, Sauerklee, Raute, Gundermann, Holunder, Salbei, Sauerampfer, Beinwell und Löwenzahn.

sauerklee

(Sauerklee)

 

Für eine Räucherung bei Verhexung nahm man im Mittelalter Teufelsdreck, Allermannsharnischwurzel, Gewöhnlicher Andorn, Teufelsabbisswurzel und schwarzen Kümmel. Ca. 3 Messerspitzen von jedem Kraut. Eine weitere Räucherung bestand aus: Weihrauch, Johanniskraut, Schafgarbe, Farn, Ysop, Steinsame, Majoran, Raute, Sadebaum, Immergrün, Teufelsabbiss, Waldmeister und Asche vom Aschermittwoch. Es wurde aber auch mit Walchoder eine Schadenzauber-Räucherung gegen das Berufen oder Beschreien vorgenommen.

teufelsdreck

(Teufelsdreck)

 

Die Beschrei – und Berufkräuter wurden nach ihren Aussehen ausgewählt. Irgendeine auffallende Besonderheit der Pflanze, z. B. der Geruch, ihre Giftwirkung, ihr auffallender Geschmack, ihre natürlichen Schutzwirkungen wie Dornen, Stacheln und dergleichen war ein Beweis, das sie gegen das Berufen oder Beschreien Wirkung zeigten. Zweige vom Lorbeer, Knoblauch, Raute oder der Zwiebel wurden über die Türen angehängt, um den bösen Blick abzuwenden. Ferne nahm man das Hexenkraut, Kreuzkraut, Dill, Tausendgüldenkraut, Löwenzahn, Königskerze, Wermuth, Eisenkraut, Meerzwiebel, Mistel, Alraunwurzel. Dem Beschrieenden wurde auch mit einem frisch geschnittenen Fichtenzweig über Gesicht und Stirn gewischt.

alchemist

Im Mittelalter legte man in die Wiege eines beschrieenden Jungens ein Rasenstück vom Grabe eines jungen Mädchens. War der Beschrieende ein Mädchen, so war es ein Rasenstück vom Grabe eines Jungens. Beräuchert wurden die Kinder mit Peterskrautwurtzel, 1 Loth, Meisterwurtzel, Angelicawurtzel, 1 halb Loth Dorant, anderthalb Quintl. Gülden, Wiederthon, 1 Quintlein, Eisenkraut, 4 Scrupel, Johanniskrautbiumen,3 und einhalb Quintlein, Rheinfarn, 2 Loth, diese Stücke sollen alle wohl untereinander gemischet, und mit diesem Pulver so wohl das Kind selber, als sein Bett, Tücher, Windeln, Kleider und alles, was ihm zugehöret, beräuchert werden.


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5 Gedanken zu „Beruf – und Beschreikräuter

  1. Ich habe mir Griechischen Tee als Berufkraut bestellt. So wurde er mir empfohlen. Kann ich diesen genauso verwenden wie die anderen Berufkräuter oder hat er eine andere Wrkung? Er wirkt jedenfalls sehr entspannend auf mich und meine Katze. 😉
    LG Christiane H.

  2. Hallo Ingrid,

    vielen lieben Dank für dein Feedback. Ich freue mich sehr, das ich mit meinen Artikeln viele interessierte Leser erreiche.

    Viele Grüsse
    Katja

  3. Bedanke mich bei Dir Liebe Katja Kröger hab schon länger nach diesen Themen gesucht. V. or allem das auch Bild material dabei ist wie die Kräuter aussehen. Vielen Dank und wünsche Dir weiterhin Erfolg mit denier Web seite von Ingrid Gemmer

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