Heute möchte sich Anja von Welt der Legenden durch einen Gastbeitrag vorstellen. Über einen Besuch auf ihrem Blog würde sie sich sehr freuen.

Andere Namen:  Weissweide, Trauerweide, Fieberweide, Korbweide, Bruchweide, Reifweide, Wicke, Wigge, Weißfelber

Weidengewächse sind stets von einer Aura des Magischen und Geheimnisvollen umgeben. Die tief nach unten hängenden Zweige einer alten Trauerweide hinterlassen einen regelrecht unglücklichen Eindruck. Nach dem Glauben unserer germanischen Vorfahren könnte dies daran liegen, dass der Todesgott Vidharr sein Zuhause in einer Weide hatte. Der Umstand, dass die Scharfrichter des Mittelalters Weidengerten zum Erdrosseln ihrer Delinquenten benutzten, verstärkte die tragische Rolle der wunderschönen Bäume noch zusätzlich. Bejahrte Weiden sind dazu meist noch innen hohl, was wiederum darauf zurückzuführen sein soll, dass der verräterische Judas sich an einem Weidenbaum erhängte.
Für meinen Blog Welt der Legenden forsche ich viel in Büchern über traditionelles Brauchtum und alten Volkssagen nach. Es dauerte nicht lange, bis ich darauf stieß, dass die Weide früher oftmals als Hexenbaum verschrien war. Schließlich eigneten sich ihre langen, bis auf die Erde hinunterhängenden Äste perfekt dafür, um darunter heimliche Treffen mit dem Teufel abhalten zu können. Allerdings sollen Weidenruten den bösen Zauberinnen nicht nur als erstklassiges Material für ihre Hexenbesen gedient haben, zudem war es mit ihrer Hilfe möglich, Karfreitags in der Kirche die Hexenbiester erfolgreich zu enttarnen. Angeblich reichte es aus, wenn ein gottesfürchtiger Mensch die Zweige zu diesem Zweck Gründonnerstag um Mitternacht von einer Weide entfernte, und sich mit ihnen bewaffnet am nächsten Tag zum Gottesdienst begab.
Nun, in unserer heutigen aufgeklärten Zeit wissen wir inzwischen, dass die als Hexen verrufenen, heilkundigen Frauen eher deswegen bei Weiden anzutreffen waren, da sie die nützliche Kraft, die deren Rinde innewohnt, schon damals kannten. Mit einem aus Weidenrinde zubereiteten Tee senkten sie Fieber, linderten Schmerzen und heilten Gichtkranke sowie Rheumapatienten. Nachweislich enthält Weidenrinde den Wirkstoff Salicin, welcher der im Aspirin enthaltenen Salicylsäure unheimlich nahe kommt. Salicin befreit jedoch nicht nur nachhaltig von üblen Schmerzen. Darüber hinaus hilft er auch hartnäckige Hornhaut aufzulösen und befreit somit den Körper von lästigen Hühneraugen und sogar Warzen.

Volksheilkunde:

Fieber, Gicht, Gelenkrheumatismus, Halsweh, Zahnschmerzen, Hornschwielenbildung, Epithel-Geschwulste, Nasenbluten, entzündliche Darmkrankheiten, Wurmbefall

Eigenschaften :

Die Weide wirkt fiebersenkend, desinfizierend, schmerzlindernd und antirheumatisch.

Inhaltsstoffe:

Salicin, Pflanzensäure, Gerbstoffe, Flavonoide

Verwendung:

Rinde

Darreichungsform:

Tee, Extrakt, Tinktur

Vorkommen:

in der Nähe von Gewässern, auf vorwiegend feuchtem Boden

Blütezeit:

März – Juni

Sammelzeit:

März – April (Rinde zwei- bis dreijähriger Zweige)

Verwechslung mit anderen Pflanzen:

mit anderen Weidenarten

Naturschutz:

Nicht geschützt, allerdings sollte beachtet werden, dass die Weide im Frühjahr eine der wichtigsten Nahrungsquellen für Bienenvölker darstellt.

trauerweide Thomas Max Müller  / pixelio.de

(Trauerweide Thomas Max Müller / pixelio.de )

Anbau:

Weiden vermehren sich entweder durch Samen oder auch vegetativ. Abgebrochene Zweige werden durchs Wasser an naheliegende Uferbereiche geschwemmt und wurzeln sich dort fest.

Ernte und Trocknung:

Die Rinde wird mit einem scharfen Messer von den Weidenzweigen geschält. Die Trocknung kann bei etwa 40 Grad im Backofen erfolgen. Eine Lagerung der Rindenstücke sollte möglichst dunkel und in widerverschließbaren Schraubgläsern erfolgen.

Geschmack und Geruch:

bitter und sanft

Verwendung in der Küche/Haushalt/Kosmetik/Tierhaltung:

Weidenzweige eignen sich bestens zur Erzeugung von haltbarem Flechtwerk und wurden daher schon in früherer Zeit von Korbmachern verwendet. Im April bei Neumond geerntete Weidenzweige sollen besonders stabiles Material ergeben.

korbmacher korky  / pixelio.de

(Korbmacher korky / pixelio.de)

Tee – Zubereitung:

Zwei Teelöffel fein geschnittene Weidenrinde werden mit einer Tasse heißem Wasser übergossen und müssen danach ca. zehn Minuten ziehen. Bei Bedarf sind 1 bis 3 Tassen am Tag angeraten.

Räucheranwendung und Mystik:

Eine Räucherung mit der Rinde des Weidenbaumes fördert die Erdverbundenheit und hat eine stark reinigende Wirkung.

Nebenwirkungen:

Da in der Weidenrinde Gerbstoffe enthalten sind, kann der Teegenuss vereinzelt Magenschmerzen und Übelkeit verursachen.

silberweide berggeist007  / pixelio.de

(Silberweide berggeist007 / pixelio.de)

 

Kommentar verfassen