Es sind Pflanzen, speziell Kräuter die sich frisch und fröhlich um alte Burgruinen vermehren und wachsen. Es gibt schon Vereine, die sich diesen Pflanzen angenommen haben. Als Stinsenpflanzen werden Zier- und Nutzpflanzen benannt, deren Vorkommen eine Bindung an alten Gärten aufweisen. Schade, das wir hier oben im Norden mit Burgen nicht gut bestückt sind, aber ich habe mal auf einer Burg gewohnt, in Baden-Württemberg. War schon ein aufregendes Erlebnis dort oben auf dem Berg zu leben. Nur Sohnemann fand es nicht lustig, weil er den Berg erstmal herunterkraxeln musste, um zu Freunden zu kommen. Und für die Schule kam extra ein Schulauto den Berg hochgefahren, um ihn jeden Morgen abzuholen ;). Es war die Burg Hornberg in Neckarzimmern. Bekannt durch Götz von Berlichingen. Ich hatte mir dort zu damaliger Zeit das Torhaus angemietet. Ich hatte dazu auch mal einen Artikel geschrieben.

Nun aber zurück zu den Stinsenpflanzen. Diese Stinsenpflanzen konnten sich so gut ausbreiten, weil auf Burgen reges Leben war und jeder Besucher die Samen von A nach B trug. Zum Beispiel wächst die Deutsche Schwertlilie ( Iris germanica) vermehrt bei Burgruinen, weil die Menschen sie als Zauberpflanze auf den Burgfelsen pflanzten. Bei Burgbelagungen gruben die Belagerer diese Schwertlilien aus und pflanzten sie wieder an ihre Burg. So kreuzten sich die Schwertlilien wild durcheinander.

(Deutsche Schwertlilie/Iris germanica)

(Deutsche Schwertlilie/Iris germanica)

Ich denke der Efeu ist wohl das bekannteste Gewächs auf einer Burg. Er ist aber auch der Feind bei der Denkmalpflege, weil der Efeu sich ins Gemäuer hineinfrisst und alles zerstört. Manche Burgen sind regelrecht umrankt von ihnen.

efeu

Das schwarze Bilsenkraut wächst auch sehr häufig an Burgruinen. Bis heute kann man sich nicht erklären warum.

bilsenkraut

Schwarzes Bilsenkraut

Die Katzenminze ist seit 800 nach unserer Zeitrechnung in Gärten vorgeschrieben. Darum weiss man, das sie ein Gartenflüchtling der Kräutergärten auf Burgen ist.

(Katzenminze)

(Katzenminze)

Das Schöllkraut ist auch ein häufiger Vertreter auf Burghügel. Es wurde früher oft als Heilpflanze genommen.

schöllkraut

(Schöllkraut)

Viele seltene oder gar vom Aussterben bedrohte Arten siedeln dort. Zum Beispiel:

  • Feld-Beifuss
  • Edle Schafgarbe
  • Rispen Flockenblume
  • Feld-Mannstreu
  • Sichelklee
  • Wilder Majoran
  • Steinbrech-Felsennelke
  • Weisse Fetthenne
  • Aufrechter Ziest
  • Niederliegender Ehrenpreis

 

Eingewanderte Pflanzen spielen an Burgruinen auch eine grosse Rolle und das interessante ist dabei, das sich bei Burgruinen die vor Anno 1500 verlassen wurden, diese Pflanzen nicht wachsen. Zum Beispiel:

  • Flieder
  • Bockshorn
  • Robinie
  • Zimbelkraut

Die grüne Nieswurz ist uns heute als giftige Pflanze ein Begriff. Zu mittelalterlichen Zeit wurde sie als Arzneipflanze für Mensch und Tier in die Kräutergärten gepflanzt.

(Grüne Nieswurz)

(Grüne Nieswurz)

In den Burggärten waren aber auch andere Pflanzen von grosser Bedeutung. Zum Beispiel:

  • Ysop
  • Mutterkraut
  • Färberkamille
  • Färberwaid

Die Weinraute durfte auch nicht fehlen, nach der Verordnung von Karl der Grosse.

(Weinraute)

(Weinraute)

Jedenfalls hat es mich sehr gefreut, über alte Burggärten und ihre Pflanzen mehr zu lernen und ich wollte auch dieses Wissen nicht vorenthalten. Ich weiss jetzt was mein weiterer Gartenteil beinhaltet ;). Ein Burggarten!

Eure Katuschka )o(


Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, würde ich mich über einen kleinen Beitrag zu meiner Arbeit sehr freuen!
Celticgarden unterstützen:


 

 

 

3 Gedanken zu „Alte Burgruinen haben ihre eigenen Pflanzen – Stinsenpflanzen

  1. Hallo Mathias,

    die Gärten wurden damals nach der Vorschrift Karl der Grosse bepflanzt und die Katzenminze wurde zu seiner Zeit als sehr heilkräftige Pflanze angesehen. Deshalb durfte sie in keinem Garten fehlen. Das mit dem Bilsenkraut könnte sehr gut hinkommen, aber soweit ich weiss war das „Bierbrauen“ eher den Klöstern vorbehalten und seltener auf Burgen oder auf dem Lande verbreitet. Und ich denke die berühmten Dünnbiere die dann auf dem Land oder in der Stadt gebraut wurden, die zu der Zeit von grosser Bedeutung waren, wurden eher mit Salbei, Waldmeister, Lavendel, etc…vermischt, um einen besseren geschmack zu erhalten.

    Liebe Grüsse
    Katuschka

  2. Hallo Katuschka,
    Zwei Fragen:
    1. Warum war die Katzenminze in deutschen Gärten vorgeschrieben?
    2. Warum ist das mit dem Bilsenkraut nicht geklärt? Da auf den Burgen meist Bier gebraut wurde benutzte man es als Bierschärfe
    (Haltbarkeit ohne Hopfen und berauschender)
    😉

Kommentar verfassen