Eine Geschichte zu Ostara

Diese Geschichte hat mein lieber Freund das „Rumpentrumpen“ für euch zu Ostara geschrieben. Er liest es heute abend bei einem Lagerfeuer vielen geöffneten Ohren vor!. Hört genau hin…….

 

Die dreizehnte Fee

Pssst, ganz leise, nicht sprechen noch flüstern, nur lauschen, sonst verliert sich des Heilwassers

Zauberkraft.

Geschöpft vor dem Sonnenaufgang ist ihm die Kraft des beginnenden fruchtbaren Jahres inne –

halten wir inne, wenn wir es schöpfen, fließt uns die Kraft der aufgehenden Sonne zu.

Im Osten leuchtet die Lebensbringende noch unter dem Horizont, drei Schwäne starten in den

Morgenhimmel über dem Mund der Trave, drei verzauberten Jungfrauen gleich.

Sonnenstrahlen vergolden die Wellenkronen und diese rauschen ein machtvoll‘ Lied:

Wenn Ihr mich nach meinem Namen fragt, nenne ich Euch derer viele – so viele, wie Mütter Kinder

haben. Der Sonne bin ich verwandt – Hüterin geborenen und ungeborenen Lebens zu sein, meine

große Aufgabe – erscheine ich Euch als der Großen Mutter Ebenbild.

 

Gar des Verteufelten Mutter, Großmutter, werde ich gerufen, mit ihm seit Menschengedenken dem,

was Menschen denken, Nahrung und Vorbild gewesen.

Ich war es, die im Zwist mit dem Gehörnten das mäandernde Bett der Trave in den Boden pflügte,

hin – und herschlagend den Boden teilte und dem Wasser das Bett schuf. Ich nehme Euch mit vom

Mund der Trave bis an den Born.

Seen, Teiche und Quellen – WasserOrt dort, wo ich mich wohl fühle und Ihr mich zu fühlen

verMögt. Viel der Brunnen künden von weißen Frauen, von Ururalten.

Schaut Ihr hinein in das Wasser, erblickt Ihr im Spiegel der Seele Wesen und taucht Ihr hinein in

die Tiefe findet Ihr Eure Wahl im Schicksalslauf.

 

Manches Mal begegnen Euch meine Töchter, die drei Elschen vom Elschenbek, die Schwanenjungfrauen

der Wakenitz, zu künden, von dem was war, was wird werden und dem, was ist. Noch

haben sie überlebt als Feen und Elven in Euren Herzen, manchmal als schützender Engel auch.

Und doch nur ein Rinnsal ErInnerung fließt – verdurste ich, wenn Ihr mich vergeßt. Befreit mich

verschrumpelte Ururalte aus Lübecker Kirchen, tragt mich zum Wasser, laßt trinken mich und auf’s

neu wachsen in Euren Seelensee’n, helft mir, vertraut Eurem eigenen Schwanengefieder.

 

Schwanenflug

 

Auf der Wakenitz Wogen landen rauschend drei Schwanenjungfrauen, gefangengesetzt im

Aberglauben, ich mache mich klein, warte ab des Jahreslaufs heimliche Kräfte, den Zauber zu

lösen, mich dem mich jene gebunden.

Beginnendes Leben, das frühe Jahr regt sich, die Guten Holden entfliehen den Fesseln Lüb’scher

Beichtstrafen, Vögel die Nester bauen , der Kuckuck guckt und noch bringen Füchse die Ostereier.

Schlangen und Kröten sitzen unter Hollunderbüschen, Schlangenköniginnen gar helfen den

Kindern, die ihnen von Herzen zugetan.

 

Ostermand – Lichtmond – das frühe Jahr ruft, die letzten Eiskristalle schüttle ich ab.

Schwant uns, wie’s Land zwischen Stormarn und Femarn einst dort das Licht im Osten begrüßte?

Die Wittfruen in Wagrien, die Waldfrauen, die Gelben Wiever aus Krummesse, sie überlieferten

Euch das Wissen um mich, Eure Große Mutter – pssssst, ganz leise, nur mit dem Herzen

lauschen, dann mögt Ihr spüren, wie ich an Dravena, Suentine und jedem klaren Wasserlauf

durchs Unterholz spähe, Ausschau halte, ob der Menschen Kinder mich noch brauchen, wie der

Brauch es sagt.

 

Nur eine schwangere Frau bin ich, mit der Sonne bekleidet, dem Mond unter den Füßen und um

das Haupt einen Kranz von 12 Sternen.

NaReke – das slawische Dorf am Fluß – überfliegen wir im Steigflug, mag sein, Ihr habt mich als

Abbild des Lebens geschaffen, mag sein, ich lebe in Euch als das, wo Ihr herkommt. Moschuka –

die feuchte Mutter Erde rufen mich hier die Slaven, in den Höhlen Eurer Ahnen habt Ihr mich

gefunden, mit Euch teile ich Pflanzenwelt und Getier, ich gebäre Euch und in meinen Schoß kehrt

Ihr zurück

 

Klein-Schenkenberg tief unterm Schwanenflügel liegt, klein nur die Pfütze, verschwindend die

weiße Frau an der Mühl‘.

Drei Elschen am Elschenbek spinnen der Nornen Fäden, beachten uns nicht, verstrickt in der

Menschen Geschick.

Am Zufluß der Trave ein Grabhügel zeugt, von Zauber, von Heil’gem, von alten Bräuchen. Den

Weihnachtsmann gable ich auf, zum Teufel mit ihm, abgestürzt die traurig‘ Gestalt, mir ist nach

Aufmuntern und gemeinsamer Wärme. Lang ist’s her, daß wir beide die Wälder unsicher machten,

mit den Menschen spielten, sie narrten und beschenkten, einig und eins in Gestalt und Gestalten.

Wieder hinan jagt mein Schwanengespann, vom Brenner Moor winken die letzten Jäger und

Sammler. Sie glauben an mich, ich weiß es, denn sie tragen Bilder – Tränen der Götter – von mir

um den Hals und im Herzen.

 

Dort eine Travenbrück, ein ganzes Grabhügelfeld, um ein Steingrab herum. Die Unnerirschen, die

Zwerge und Riesen leben hier, Hollunder und Schlangengetier ehren sie um meinet Willen.

Ein Wasserfall spricht mit sich selbst, erzählt immer wieder die gleichen Geschichten, von Wasser,

von Eis, von Regen und Durst, von Leben, von dem, was ich atme und dem, was ich bin.

Nahe der Sigisburg, ein großer Stein, wirbelnd drei Frauen im Mondschein, tanzend mit bunten

Stöcken ums Feuer, zeigen auf mich – rufen den Stern, der vom Himmel fällt. Sie finden das

Glückskleeblatt und folgen dem kleinen weißen Vogel. Fru Rumpentrumpen rufen Sie mich und

fast sind sie mir Töchtern gleich. Witte Wiever und Elven werdet Ihr später sie rufen, zu Engeln

und Drachen sie suchen zu bannen.

 

Dabei bin ich nur eine schwangere Frau, mit der Sonne bekleidet, mit dem Mond unter den Füßen

und um das Haupt einen Kranz von 12 Sternen.

Müdigkeit verspüre ich, wir gleiten hinab, auszuruhen auf dem Hollenhoop, dem Teufelsberg, nicht

weit ist’s zur Quelle. Hier kämpfte ich eins mit dem Gehörnten, dem, der glaubte, der Stärkere von

uns beiden zu sein. Was älter ist? Die Höhle oder das Höhlenfeuer?

 

Meine Quelle hab ich gefunden, von Dravenas Mund bis an den Born flogen wir, dort stamme ich

her, dort schöpft Ihr das Osterwasser und macht Ihr das weiterhin, kann ich mich schlafen legen.

Gebt acht, drei Freudensprünge die Sonne macht zur Osterzeit. Eine Erle wächst hier, wurzelnd

ins Feuchte, aus ihrem Holz wirkt der Bauer sich ein Samengefäß. Ein Erlenstab mit Schlangen-

Kraft wird in den Acker gesteckt.

 

Himmelzelt

 

Sagenhaft, wenn Frau Herke, Hertha, Frau Frigg oder Freyja – uns mitnimmt auf ihrem

Schwanenflug, hoch hinauf ans Himmelzelt.

Mühelos ziehen die drei Schwanenjungfrau’n ihr Gefährt vorbei am Siebengestirn, der

Gluckhenne, die sich jetzt schon auf ihren Abstieg hinter den Horizont vorbereitet, am Rokken der

Frigg, an ihrer Spindel verheddern wir uns kurz, um zu verstehen, daß in Friesland das zu

Marirök, Maria’s Spindel umgemodelt ward. Maria, die mit dem Marienkäfer und dem Mariengras,

dem Frauenkäfer und Hexengras wohl versucht hat, ihre Herkunft zu tarnen – als Gottes Mutter

und des Gehörnten Große Mutter. Geschickt mal eben den Heiligenschein aufgesetzt und sich so

der Dämonisierung entzogen, Hutmode als Gegenzauber, Respekt.

 

Mopst ihr den Heiligenschein, denn sie war nur eine schwangere Frau, mit der Sonne bekleidet,

mit dem Mond unter den Füßen und um das Haupt einen Kranz von 12 Sternen – zwölf ist die Zahl

und dreizehn der Fee’en Wirken. Vom Schlafdorn geschwängert, den 13. Mond nicht geachtet

schläft die Erinn’rung an die letzte der Feen, an die Ausgeladene, Verschmähte.

Dabei ist sie uralt – die Alte, die Weise, die um die Geheimnisse des Mondes weiß von Anbeginn

der Zeit. Seltsam vertraut und unbekannt ist sie uns – sie war schon da, bevor die Menschen sich

in alle Winde zerstreuten.

 

Ladet sie ein, tut Abbitte für’s Schmähen, laßt sie ein, die Frau im Mond, schaut sie Euch an, die

zwölf Sternbilder und spürt den vom Himmel gefallenenen dreizehnten Sternenmond nach.

Findet Ihr ihn in Euch, erweckt Ihr die schlafende Kraft der dreizehnten Fee.

Kuckuck, seid Ihr noch da…

 

(@Rumpentrumpen)

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