Die Traubenkirsche: Hexenholz & Schutzbaum zur Walpurgisnacht

Traubenkirsche

Die Traubenkirsche: Wächterin der Schwellenzeit

Wenn Ende April der süßliche, schwere Duft der Traubenkirsche durch die Auenwälder zieht, wussten unsere Ahnen: Die Walpurgisnacht steht vor der Tür. In der alten Überlieferung galt das Holz der Traubenkirsche, als außerordentlich kräftig.

Durch ihren eigentümlichen, fast betäubenden Geruch und ihre Blütezeit genau zum Hexenfest, wurde sie als „abwehrender Baum“ verehrt. Sie sollte alles vertreiben, was man damals als „Unholde“ fürchtete.

🌿 Von Elfenbeere bis Tintenbeere: Die Namen

Die Ehrfurcht vor diesem Baum zeigt sich in den vielen volkstümlichen Namen, die ihm unsere Vorfahren gaben. Sie erzählen von Magie und Nutzen:

  • Elsenbeere oder Elfenbeere

  • Sumpfkirsche

  • St. Lucienholz

  • Hexenholz

  • Tintenbeere (wegen der färbenden Früchte)

  • Maibaum & Alpkirsche

Altes Wissen & Schutzmagie: Das Holz der Unsichtbarkeit

In der Überlieferung heißt es, dass ein Kreuz aus dem Holz der Traubenkirsche alles Böse von einem fernhält und den Träger vor schlechtem Einfluss quasi „unsichtbar“ macht. Doch das Brauchtum kennt noch mehr Facetten:

  • Der Blick in die Anderswelt: Wer sich einen kleinen Ast abschnitt und ihn mit in den Wald nahm, so hieß es, könne die „Hexen“ (oder Naturgeister) sehen, die dem bloßen Auge sonst verborgen blieben.

  • Schutz für Haus & Hof: An Walpurgis wurden im ehemaligen Böhmen kleine Zweige an Türen und Fenster gehängt, um vor den „Truden“ (Druckgeistern) geschützt zu sein.

  • Die nordische Sicht: Auch die nordischen Völker vertrauten darauf, dass der Baum jene Wesen verscheuche, die in Haus und Stall ihr Unwesen trieben.

Ein Blick in die Geschichte: Dass dieses Wissen tief verwurzelt (und manchmal gefürchtet) war, zeigt ein Hexenprozess in der Steiermark aus dem 17. Jahrhundert. Ein Mann wurde dort der Zauberei angeklagt. Der Vorwurf: Er soll die Zweige der Traubenkirsche benutzt haben, um anderen Menschen Krankheiten „anzuzaubern“. Dies zeigt, wie mächtig man die Wirkung dieses Holzes einschätzte.

🐮 Brauchtum im Stall: Kränze gegen den Bösen Blick

Besonders das Vieh, das kostbarste Gut unserer bäuerlichen Ahnen, wurde mit der Traubenkirsche geschützt.

🔥 Räucherwerk & Ritual: Reinigung für Hof & Haus

Unsere Urgroßeltern nutzten nicht nur die Zweige, sondern auch die getrockneten Blüten. Das Holz und die getrockneten Blüten dienten als starke Schutzräucherung.

Meist wurde dieses Räucherwerk im Stall entzündet, während man gleichzeitig einen Absud aus der Rinde versprengte, um den Schutz zu besiegeln. Heutzutage können wir unser Haus mit diesem Räucherwerk reinigen, um uns vor bösartigen oder schweren Energien zu schützen und eine klare Atmosphäre zu schaffen.

(Tipp: Wie ihr eure Räucherzutaten richtig verwendet, erzähle ich euch ausführlich in diesem Artikel: Grundlagen des Räucherns: So räucherst du richtig).

🌳 Der botanische Blick: Heimisch oder Einwanderer?

Wenn ihr den ganzen „Zauber“ der Traubenkirsche spüren und selber sammeln möchtet, achtet bitte gut darauf, die Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) zu finden.

Es wächst bei uns nämlich auch die Späte Traubenkirsche (Prunus serotina), die hier ursprünglich nicht heimisch ist. So unterscheidest du sie:

  • Die Heimische (Prunus padus): Sie blüht früher (April/Mai) und ihre Blätter sind eher matt und fühlen sich leicht runzelig an.

  • Die Späte (Prunus serotina): Sie blüht erst im Mai/Juni. Ihre Blätter sind auffällig ledrig, glänzend und fester.

Veröffentlicht von Katja

Wächterfigur aus Stroh vor lodernden Flammen unter violettem Abendhimmel – Ein Sinnbild für Pflanzengeister und Naturmagie.
„Hier schreibt Katja – eine Suchende zwischen den Welten. In stillen Nächten berge ich fast vergessenes Ahnenwissen aus alten Schriften und verbinde es mit der lebendigen Naturmagie meines Gartens. Hier im Celticgarden teile ich die Essenz dieser alten Pfade und das Flüstern der Pflanzenseelen mit dir.“