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Scharbockskraut: Der leuchtende Frühlingsbringer
Das Scharbockskraut ist eines der ersten Kräuter, das sich im Frühjahr aus dem Boden erhebt. Der Name „Scharbock“ kommt von Skorbut, einer Krankheit, die durch einen Vitaminmangel entsteht.
- Der botanische Name: Ficaria verna.
- Die Bedeutung: Ficaria bedeutet Feige (wegen der Form der Wurzelknöllchen) und verna bedeutet Frühling.

Ein Hauch von Geschichte: Warum dieses Kraut Leben rettete
Bevor wir uns die Wirkung ansehen, lass mich dich kurz mit ins Jahr 1748 nehmen. In meinen alten Familienunterlagen, tief in den vergilbten Seiten der Kirchenbücher, fand ich einen Eintrag, der mich nachdenken ließ. De Todesursache Skorbut liest man doch recht selten in en alten Büchern.
Ein Verwandter, aus meiner Nebenlinie, starb in jenem Jahr – und als Todesursache ist in geschwungener alter Schrift „Scorbut“ vermerkt. Damals noch mit „c“ geschrieben.
Für uns ist das heute kaum vorstellbar, aber damals war der Winter nicht nur eine Jahreszeit, sondern eine echte Prüfung. Wenn die Vorräte zur Neige gingen und das frische Grün fehlte, schwand die Kraft. Dieser Eintrag erinnert mich jedes Jahr daran, warum unsere Ahnen das erste Aufblitzen des Scharbockskraut wie ein Wunder begrüßten.
Es war nicht nur ein „Unkraut“. Es war die erste grüne Hoffnung. Die erste Medizin. Das Scharbockskraut (vom alten Wort für Skorbut) brachte das lebenswichtige Vitamin C zurück in die ausgezehrten Körper.

Ahnenwissen für die Küche
Für unsere Vorfahren war das Scharbockskraut eines der ersten gesunden Kräuter nach dem langen und harten Winter. Man nutzte es vielfältig:
- Man verzehrte die Blätter in Suppen sowie in Salaten.
- Eine Kräuterbutter, die mit Salz vermischt war, wurde mit klein geschnittenen Blättern zubereitet.
- Früher wurden die Blüten für eine Gelbfärbung der Butter verwendet.
Wichtig zu wissen: Die Giftigkeit des Scharbockskrauts sollte nicht überbewertet, aber auch nicht vergessen werden. Wer es dezent verwendet, wird keine Vergiftungserscheinungen bekommen. Eine Faustregel sagt, dass bis zu 10 Blätter in einem Frühlingssalat vollkommen ausreichend sind. (Hinweis: Sobald die Pflanze blüht, steigt der Gehalt an Protoanemonin, dann sollte man sie nicht mehr essen).

Der Platz im Jahreskreis & Garten
Das niedliche Scharbockskraut gehört zu den Zeigerpflanzen der 10 Jahreszeiten, denn es zeigt den phänologischen Erstfrühling an. Seine hübschen kleinen Blüten, die wie kleine Sonnen leuchten, erscheinen von März bis April.
Es liebt sonnige Standorte, aber auch den Schatten. In meinem Wildgarten hat es sich verschiedene Stellen selber ausgesucht:
- Dort, wo es sich fleißig vermehrt: unter der Sträucherecke, wo die Forsythie und Blutjohannisbeere wachsen.
- An einem Platz, wo wir im Sommer unser Lagerfeuer machen.
- Vereinzelt in Töpfen.
Diese Wildpflanze ist ein guter Frühlings-Bodendecker. Ab Ende April zieht sie sich jedoch wieder in das Erdreich zurück, um Kraft zu sammeln. Man hat leider nicht ganz soviel von dieser hübschen Wildpflanze. Das Scharbockskraut ist ein reiner Frühlings-Bringer.

Altes Wissen & Brauchtum: Von Abwehrmagie und Himmelsbrot
Früher wurde das Scharbockskraut verräuchert bei Kindern, die dem Bösen Blick erlegen waren. Doch besonders spannend ist die Geschichte um die sogenannten Brutknöllchen.
Aus den abgefallenen und vom Regen freigespülten Brutknöllchen deutete man früher die Korn- und Kartoffelernte. Diese Knöllchen waren damals auch die Ursache für die berühmte Legende vom Getreideregen, der 1550 in Thüringen und 1580 in Brandenburg auftrat:
- Nach starken Regenfällen waren die Felder mit „Getreidekörnern“ bedeckt, und die Menschen glaubten, diese seien vom Himmel gefallen.
- Als es 1857 erneut zu einem solchen Phänomen kam und die Menschen die Körner aufsammelten, um daraus Brot zu backen, bat ein alter Botaniker um Proben dieses Brotes.
- Seine Untersuchung ergab, dass es sich bei den Körnchen um die Brutknollen des Scharbockskrauts handelte.
Diese Brutknöllchen wurden durch die heftigen Regenfälle an den Feldrändern herausgespült, landeten auf den Feldern und wurden fälschlicherweise für vom Himmel gefallene Getreidekörner gehalten. Daher stammt auch der volkstümliche Name: die Erdgerste.

