Waldmagie & Pilzgeister

Hüterin im Heiligen Hain: Die Naturmagie der Esche

Es wurde höchste Zeit, dass ich über die Esche schreibe, denn gleich drei von ihnen sind schon vor längerer Zeit in meinem Garten aufgegangen. Sie alle stammen von der großen Mutteresche ab, die am Ende meines kleinen Heiligen Hains wächst und wacht.

Die Esche erreicht eigentlich kein sehr hohes Alter; nur selten findet man einen Baum, der über 200 Jahre alt ist. Doch ihr Mythos ist gewaltig, denn nach den Erzählungen unserer Urahnen wurde aus ihr einst der erste Mensch geschaffen. Ihre Hauptverbreitung hat die Esche im mittleren und nördlichen Europa. Vielleicht war sie sogar der prägende Charakterbaum in der Urheimat der Indogermanen, auch wenn sie zur Steinzeit im hohen Norden Europas noch recht selten zu finden war.

Wurzeln & Namen: Vom Speerholz zum heilenden Wundbaum

Ihr Botanischer Name lautet: Fráxinus excélsior. Im Althochdeutschen rief man sie ask oder asche, im Mittelhochdeutschen esch.

Das Wort Phraxis bedeutet so viel wie Baum oder Grenze, was darauf hinweist, dass ihr festes Holz seit jeher gute Pfähle und schützende Zäune lieferte. Excelsus steht für hervorragend. Unser deutscher Name enthält zudem die uralte Wurzel as, was werfen bedeutet. Da das alte Wort ask gleichzeitig auch für Schiff und Speer stand, verrät uns schon die Sprache, dass dieses besondere Holz von unseren Vorfahren für den Schiffsbau und für kräftige Speere genutzt wurde.

Im Elsass trug die Esche den geheimnisvollen Namen Wundbaum. Dies erklärt sich aus der alten Überlieferung, dass ihr Holz, wenn es unter Zaubersprüchen in der magischen Johannisnacht geschnitten wurde, Wunden heilen und das Blut stillen könne. Auch der Saft der Esche galt den Alten als kraftvolles Mittel gegen Schlangenbisse. Sie glaubten fest daran, dass allein schon das herabgefallene Laub und selbst der kühle Schatten des Baumes dem kriechenden Getier zutiefst unangenehm wären.

Ein kleiner Hinweis zur Wortbedeutung: Obwohl das Wort im modernen Sprachgefühl, besonders im Englischen ash, stark an die Asche des Feuers erinnert, hat es sprachgeschichtlich nichts mit der Asche von Totenverbrennungen zu tun. Es bezieht sich ganz rein auf den alten Baumnamen der Esche.

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Yggdrasil & die Nornen: Der Weltenbaum der Nordmänner

In der nordischen Überlieferung ist die Esche der zuerst entstandene und wichtigste aller Bäume. Als Weltenbaum Yggdrasill verband sie die Erde mit dem weiten Himmel und der dunklen Unterwelt. Ihre mächtigen Äste wuchsen durch die gesamte Welt, und von ihren drei tiefen Wurzeln trieb die eine nach Asgard zu den Asen, die zweite ins Reich der Riesen und die dritte hinab in die Unterwelt.

Unter jeder dieser drei Wurzeln entsprang eine heilige Quelle:

  • Der Urdbrunnen: Das Wasser der ersten Quelle war so heilig, dass alles, was damit benetzt wurde, augenblicklich eine eisweiße Farbe annahm. Am Urdbrunnen saßen die weisen Nornen. Sie begossen fürsorglich die Wurzeln der Weltenesche und hielten Gericht. In ihrem Schoße lagen die Lose, die das Geschick der Menschen bestimmten.
  • Der Minnequell: Die zweite, im Riesenreich liegende Quelle besaß die wundersame Eigenschaft, dass jeder, der aus ihr trank, voller tiefer Weisheit wurde und die gesamte Zukunft erschaute. Doch niemand, weder Gott noch Mensch, durfte einfach aus ihr trinken. Nur Allvater Wodan hatte einst gegen die Verpfändung seines eigenen Auges einen Trunk getan, daher war er allweise und allwissend.
  • Die Quelle in Hels Reich: Aus der dritten Quelle in der dunklen Unterwelt entsprangen die urweltlichen Ströme. Hier unten hauste der Drache Nidhöggr, der unablässig an den Wurzeln des Weltenbaumes nagte. Wenn er diese eines Tages gänzlich zerbeißt, so heißt es, fällt die Esche und mit ihr die ganze Welt.

Diesem tiefen Weltbild folgten die Germanen übrigens auch beim Bau ihrer eigenen Häuser, indem sie ihre Wohnstätten rund um einen lebenden Baum errichteten. Dieser Baum im Zentrum war für die Festigkeit der heimischen Behausung von derselben heiligen Wichtigkeit, wie die Weltenesche für das gesamte Weltall.

Eschenblatt | ©CG


Aus Eschenholz geschaffen: Erste Menschen & der Wetterbaum

Als die junge Erde einst nur von den Göttern und Riesen bewohnt war, fanden drei der Unsterblichen am Ufer des Meeres zwei angespülte Stämme: eine Esche und eine Erle. Aus der Esche formten sie den ersten Mann (Ask) und aus der Erle die erste Frau (Embla). Wobei man sich heute nicht ganz sicher ist, ob es bei der Frau nicht vielleicht doch die Ulme gewesen sein könnte. Ich persönlich denke, dass es die Erle war. Weil sie später einer von den Bäumen war, in denen die Hexen wohnen. Sowie, es auch der Esche, ab Mittelalter geschehen ist, wie wir es weiter unten im Text nachlesen können.

Damit nun auch die ersten Menschen ihren göttlichen Schöpfern gleichen waren, beschenkten sie die beiden mit herrlichen Gaben: Sie erhielten eine Seele, Verstand und die Kraft zur Bewegung, dazu ein blühendes Aussehen und ein kluges Reden.

Diesem ersten Paar entstammen alle Menschen. Noch im alten Amelungenlied ruft Hildebrand dem stolzen Dietrich von Bern, der sich rühmt, direkt von den Göttern abzustammen, mahnend zu:

„Du hast schon recht vernommen;

nur sei nicht ahnenstolz,

uns schufte Wodan alle zuletzt aus Eschenholz.“

In der Deutung dieser alten Überlieferungen vermutete man später, dass die Lehre vom Weltenbaum möglicherweise aus der Naturbeobachtung von Wolkenbildungen entstanden sei. Besonders nach Sonnenuntergang nehmen Wolken am Horizont oft die imposante Gestalt eines Baumes mit weit ausgebreiteten Zweigen an. In Norddeutschland nannten die Bauern solche Formationen einen Wetterbaum und sprachen von seiner Blüte, die auf nahenden Regen hinweist. In einigen Gegenden nannte man dieses Himmelsbild auch den Adamsbaum. Eine Bezeichnung, die vielleicht aus dem alten Namen Odins- oder Wodansbaum entstanden ist, wie der Weltenbaum ebenfalls gerufen wurde.

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Die Aschemannen: Herrschaft, Schiffe & Donars Erbe

Spannend ist auch ein Blick auf die Wikinger, die im Frühmittelalter als Aschemannen bekannt waren. Während man manchmal liest, sie hätten sich selbst so genannt, war dieser Begriff vor allem eine Bezeichnung, die von germanischen Stämmen und Chronisten auf dem europäischen Festland, wie im Frankenreich oder in Norddeutschland, verwendet wurde.

Das Wort leitet sich direkt von der Esche ab und bedeutet übersetzt schlicht Eschenmänner. Ein Großteil der ihrer Langschiffe, insbesondere die kleineren, wendigen Kriegsschiffe, die sogenannten Asken, wurden ganz oder teilweise aus dem elastischen und extrem widerstandsfähigen Holz der Esche gefertigt. Für die Menschen an den überfallenen Küsten waren die Wikinger also die Männer auf den Eschenschiffen.

Nach all dem ist es nur natürlich, dass die Esche bei den nordischen Völkern die höchste Verehrung genoss. Unter ihrer Krone versammelte man sich und hielt Gericht ab. Da die Esche in Skandinavien und Großbritannien viel weiter nach Norden vordringt als die Eiche, lieferte sie den Nordmännern das wertvolle Holz zum Schiffsbau, für Streitäxte und Speerschäfte. Neugeborene Säuglinge erhielten dort als allererste Nahrung oft ein wenig Eschensaft.

Sehr wahrscheinlich war die hohe Esche ursprünglich auch der dem Donnergott Donar geweihte Baum und gar nicht die Eberesche. Der Grund für diese Verschiebung liegt auf Island. Dort, wo die Edda einst niedergeschrieben wurde, kommt die hohe Esche von Natur aus nicht vor, weshalb der Verfasser ihr kurzerhand die ihm vertraute Eberesche unterschob.

Eine Winterknospe der Esche | ©CG


Wetterzauber & Schlangenbann: Die Esche im Wandel der Zeit

Im Mittelalter, als die alten Götter gefallen und zu nächtlichen Spukgestalten erklärt worden waren, sank auch das leuchtende Ansehen der Esche. In den Händen dunkler Geister sollte sie nun Unheil über die Menschen bringen. Ein Eschenzweig galt plötzlich als der Zauberstab, mit dem Hexen schwere Unwetter und Krankheiten auf die Felder und Dörfer herabsandten.

Dazu erzählt man sich in Tirol eine Geschichte:

Einst hob ein Mädchen nichtsahnend einen solchen Eschenzweig vom Boden auf und schlug damit spielerisch in eine Pfütze. Sofort rollte schwerer Donner über das Tal und ein furchtbarer Hagelschlag verwüstete die Felder. Erschrocken merkte das Mädchen, dass der Zweig zuvor in den Händen einer Wetterhexe gelegen hatte, und vernichtete ihn. Noch lange Zeit danach wagte in jener Gegend kein Mensch mehr, einen liegenden Eschenast aufzuheben.

Dennoch blieb das alte Wissen lebendig. So erzählen die Tiroler auch, dass nicht etwa der Storch die kleinen Kinder bringt, sondern dass sie aus einer großen, hohlen Esche geholt werden. Zudem glaubte man noch vor gar nicht langer Zeit an geheimnisvolle Waldfrauen, deren eigenes Lebensgeschick untrennbar vom Bestehen bestimmter Bäume, namentlich der Eichen und der Eschen, abhängig war.

Auch im anderen europäischen Brauchtum hinterließ der Baum tiefe Spuren:

  • Ackersegen & Hausglück: Bei den Slowenen wurde am Johannistag ein grüner Eschenzweig zum Schutz auf den Acker gesteckt, während die Spanier am Johannisabend Eschenzweige im Haus aufhingen, die das Glück einladen sollten.
  • Schutz auf Reisen: Die Slowaken nahmen auf weiten, einsamen Wanderungen stets einen Eschenstock mit, um sich gegen böse Geister, Gespenster, Kobolde und Hexen zu schützen.
  • Wetterzeichen & Blitz: Blühen die Eschen im Frühjahr besonders stark, so kündigt dies im alten Wissen viel Hagel an. Nach altem englischen Glauben sollte die Esche den Blitz geradezu anziehen, während man andernorts fest darauf vertraute, dass sie den Blitz vom Hause abhält.
  • Sitz der Trude: Mancherorts galt die Esche als unheimlicher Baum, unter dem Hexen wohnten oder ihre nächtlichen Zusammenkünfte abhielten. Auch die nächtliche Trude setzte sich mit Vorliebe in das Geäst von Eschen.

Vor allem aber wohnten der Esche übernatürliche Schutzkräfte gegen Schlangen inne. Es hieß, Schlangen würden eher direkt ins lodernde Feuer springen, als auch nur in die Nähe eines Eschenbaums zu kriechen. Dieses tiefe Wissen um die Abneigung der Schlangen gegen die Esche hielt sich bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. Eine im Jahr 1715 erschienene Schrift versuchte diese Naturmagie sogar wissenschaftlich und astrologisch zu begründen. Es heißt darin wörtlich:

„Die Antipathie besteht in dem, dass der Eschbaum unter dem Einfluß der Sonne und des Jupiters steht, die Schlange hingegen dem Saturn und Merkur unterworfen ist, deren Ausflüsse von den Sonnenstrahlen überwältigt werden. Die Sonne ist das Licht, Saturn die Finsternis, die Sonne himmlisch, der Saturn irdisch, die Sonne klar und rein, der Saturn grob und morastig.“

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Das blinde Weib & alte Sagen: Von Estland bis Holstein

In Estland hatte die Esche im Laufe der Zeit noch mehr an Ansehen verloren. Dort sah man in ihr ein altes, blindes und lahmes Weib. Im Frühling, wenn die muntere Birke längst grünt und auch all die anderen Bäume in ihrem Sommerkleid erscheinen und sich des Lebens freuen, steht die Esche noch tief in ihren dunklen Winterpelz gehüllt da, als läge noch immer Schnee auf dem Feld. Sie erwacht erst ganz spät, wenn sie den vollen Regen und das laute Leben des Frühlings vernimmt, das Rauschen der Bäche, das Säuseln des Windes im Laub und das Gesumme der tausend Insekten. Im Herbst wiederum ist die Esche die erste, die verzweifelt. Kaum spürt sie Anfang September ein raues Lüftchen, glaubt sie schon, der strenge Winter nahe, lässt eilig ihre Blätter fallen und bereitet sich auf den Winterschlaf vor.

Die Sage von der letzten Schlacht aus Holstein

An die Esche knüpft sich, ganz ähnlich wie an den alten Birnbaum, die mystische Sage von der großen Schlacht am Ende aller Dinge. Mitten in Holstein, auf dem Kirchhof zu Nortorf, wuchs jedes Jahr ein kleiner Eschenspross heran. In jeder Neujahrsnacht kam ein weißer Reiter auf einem Schimmel herangeritten, um den jungen Trieb abzuhauen. Zur gleichen Zeit nahte jedoch auf einem dunklen Rappen ein schwarzer Ritter, der genau dies zu verhindern suchte.

Bis jetzt ist der weiße Reiter stets Sieger geblieben. Einst wird das aber nicht mehr der Fall sein, und die junge Esche wird mächtig emporwachsen. Ist sie schließlich so stark geworden, dass man ein Pferd an ihren Stamm binden kann, so kommt der König und wird das letzte Gericht halten, als Weltrichter am Ende der Welt.

Wie die Traueresche entstand

Die Eschen mit den sanft niederhängenden Zweigen nennen wir Trauereschen. Über ihre Entstehung erzählt die Überlieferung eine traurige Geschichte. Ein hartherziger Bauer wollte die Zwerge, die friedlich auf seinem Acker lebten, vertreiben und drohte ihnen mit Prügel. Die kleinen Wichtel steckten daraufhin, um ihn zu verhöhnen, überall kleine Eschenzweige in den Boden und riefen ihm zu, er möge sich doch dieser Ruten bedienen. Endlich erwischte der Bauer eines der Zwerglein und tötete es in seiner blinden Wut. Da zogen die kleinen Männlein wehklagend für immer von dannen und aus den von ihnen gepflanzten Zweigen wuchsen die gebeugten Trauereschen.

Als weiser Witterungsprophet ist uns die Esche zudem in diesem bekannten Spruch erhalten geblieben:

„Treibt die Esche vor der Eiche,
Holt der Sommer große Bleiche.
Treibt die Eiche vor der Esche,
Gibt’s im Sommer große Wäsche.
„

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Die Esche bei den Kelten, Slawen & Balten

Wie aber blickten unsere europäischen Nachbarvölker auf diesen besonderen Baum? Es zeigt sich, dass die Esche zwar überall präsent und hoch respektiert war, aber nur bei den Kelten und Germanen wirklich jene weltenverbindende, schöpfungsmythische Kraft besaß.

Kelten: Heilige Quellen & Druidenstäbe

Bei den Kelten, besonders im irisch-gälischen und britischen Raum, war die Esche (irisch fuinseog, walisisch onnen, im Ogham-Alphabet Nuin oder Nion) ausgesprochen bedeutend. Ihre Verehrung war hier deutlich stärker als bei den Slawen und Balten und glich in vielem der germanischen Tradition:

  • Heilige Schutzbäume: Von den fünf legendären heiligen Bäumen Irlands waren allein drei mächtige Eschen. Sie galten als lebendige Garanten für das Wohlergehen des ganzen Landes. Ihr Fällen wurde als schweres Unheil angesehen.
  • Quellwächter & Magie: Die Esche wuchs oft an heiligen Quellen und Brunnen. Dort war sie nach der Eiche der zweithäufigste Baum. Ihr Holz und ihre Zweige schützten vor Feen, Hexen sowie dunklen Mächten, und auf der Isle of Man bewahrte sie die Reinheit der Quellen.
  • Alte Heilkunst: Wie im hohen Norden gab man auch hier Neugeborenen Eschensaft als erstes Stärkungsmittel. Kranke Kinder zog man in einem Ritual nackt durch einen Spalt in einem Eschenstamm. Zudem war ihr Holz das bevorzugte Material für kraftvolle Zauberstäbe und Hexenbesen.
  • Kriegerisch & druidisch: Das zähe, elastische Holz lieferte die besten Speerschäfte. In der Naturmagie gehörte sie zum heiligen Dreierbund Eiche–Esche–Weißdorn. Im Baumalphabet Ogham steht Nuin für Stärke, Frieden, die Verbindung zwischen den Welten, Heilung und Schicksal. Selbst der walisische Zauberer-Gott Gwydion trug einen Stab aus Eschenholz.
  • Feuer & Schöpfung: Sie stand für Männlichkeit, Wiedergeburt, Balance und das Feuer. Denn ihr Holz brennt selbst im frischen Zustand gut und wurde zu Beltane den Flammen übergeben. In manchen keltischen Überlieferungen wurde zudem der Mann aus der Esche und die Frau aus der Eberesche geformt, eine wunderbare Parallele zur nordischen Sage von Ask und Embla.

Slawen: Schlangenschutz & zähes Holz

Bei den slawischen Völkern (wo sie jasenъ oder asenъ, russisch jasen’, polnisch jesion und tschechisch jasan heißt) stand die Esche deutlich weniger im mythischen Zentrum. Der eigentliche Weltenbaum der slawischen Kosmologie ist die mächtige Eiche, dem Donnergott Perun heilig, oder manchmal auch die Birke.

  • Handwerk & Brauchtum: Die Esche war hier vor allem ein geschätzter, nützlicher und magisch-schützender Baum. Ihr zähes, elastisches Holz diente für Werkzeuge, Waffen und später für stabile Wagen.
  • Bann gegen Dämonen: Genau wie bei Germanen und Kelten wusste man auch hier, dass Schlangen den Schatten und die Nähe der Esche meiden. Zu Johannis oder an Pfingsten steckte man Eschenzweige und Blätter in die Hauswände, um Schlangen und Dämonen fernzuhalten.
  • Überlieferte Heilkunde: Rinde, Blätter und Saft hatten ihren festen Platz in der alten Heilkunde. In manchen Regionen wurde sie mit Waldgeistern oder heilendem Wasser in Verbindung gebracht, trat im Mythos jedoch hinter Eiche, Birke, Eberesche und Espe zurück. Ihr Name ist dabei ein uraltes indoeuropäisches Erbe, das sie sich eng mit den baltischen Sprachen teilt.

Balten: Der Baum der Gerechtigkeit

Auch bei den Balten (den Litauern, Letten und Altpreußen) thront die Eiche als Weltenbaum des Donnergottes Perkūnas, oder auch Pērkons genannt. Die Esche (litauisch úosis, lettisch uôsis, altpreußisch woasis) trägt jedoch ganz eigene, faszinierende Züge.

  • Der Gerechtigkeitsbaum: In der litauischen Überlieferung wird sie manchmal ehrfürchtig als Gerechtigkeitsbaum (Teisybės medis) bezeichnet. Eine alte Sage erzählt von einem weisen Mann namens Tiesius, der nach seinem Tod von den Göttern in eine Esche verwandelt wurde. Es heißt, der Baum helfe den Menschen dabei, die eigene Bestimmung zu erkennen und in die Zukunft zu schauen.
  • Legendäre Baumriesen: Es gibt bis heute berühmte geschichtsträchtige Exemplare, wie etwa die Hexen-Esche (Raganos uosis) im litauischen Plateliai. Ein gewaltiger, mehrstämmiger Baum, um den sich zahllose Hexen- und Teufelsgeschichten ranken.
  • Die blinde Esche: Ganz ähnlich wie im estnischen und germanischen Raum fiel den Menschen auch hier ihr spätes Austreiben und das frühe Fallenlassen der Blätter auf. Eine alte Ursprungssage erklärt dies damit, dass die Esche einst blind geworden sei und nun im Frühjahr und Herbst stets die anderen Bäume nach der Zeit fragen müsse. Auch ihre Zweige dienten dem Schutz vor bösen Geistern, wenngleich Eiche und Linde im Alltag noch häufiger gerufen wurden.

So, wir sind am Ende angekommen. Der Artikel ist lang geworden, aber in einer Kurzform ging es nicht, um dem gerecht zu werden, was es über die Esche zu schreiben gibt. Wie wir sehen ist die Esche ein ziemlich mächtiger Baum für unsere Urahnen gewesen, bis mal wieder die Kirche kam. Ich sehe jetzt vor allem meine Eschen im Garten und die Wächter-Esche am Ende meines kleinen Heiligen Haines mit anderen Augen an.

Die drei Nornen

Sie sind drei mächtige Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie, die unter der Weltenesche Yggdrasil wohnen. Sie bestimmen das Lebensschicksal von Menschen und Göttern, weben Schicksalsfäden und pflegen den Weltenbaum. Die drei Hauptnornen sind Urd (Vergangenheit), Verdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft). Sie werden als weise Jungfrauen, Riesen oder schicksalsbestimmende Frauen beschrieben, die sowohl Unheil als auch Wohlstand bringen können.

  • Urd (Urðr): Das Gewordene / Vergangenheit.
  • Verdandi (Verðandi): Das Werdende / Gegenwart.
  • Skuld (Skuld): Das Werdensollende / Zukunft.

Neben den drei Hauptnornen gibt es laut Mythologie auch andere, mindere Nornen, die den Menschen bei der Geburt zusprachen, ob sie ein gutes oder schlechtes Schicksal haben.


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Hier schreibt Katja – eine Suchende zwischen den Welten. In stillen Nächten berge ich fast vergessenes Ahnenwissen aus alten Schriften und verbinde es mit der lebendigen Naturmagie meines Gartens. Hier im Celticgarden teile ich die Essenz dieser alten Pfade und das Raunen der Pflanzenseelen mit dir.