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Vogelbeere

Die Vogelbeere war ein mächtiger Baum

    Die Vogelbeere war unseren alten Vorfahren heilig, wie wir es von dem Schwarzen Holunder und der Hasel kennen. Sie lieferte ihnen Nahrung und Gesundheit. Und natürlich spielte sie im Zauberglauben eine sehr grosse Rolle. Sorbus aucuparia ist ihr Botanischer Name. Meistens kennen wir die Vogelbeere unter ihrem volkstümlichen Namen Eberesche. Dieser Name soll von der damaligen Schweinemast herkommen. Ihre Beeren wurden früher auch für den Vogelfang verwendet. Im 2ten Weltkrieg bekam die Vogelbeere den Namen „Zitrone des Nordens“, wegen ihrem reichlichen Vitamin C Gehalt.

    Die Vogelbeere in der Natur

    Die Vogelbeere wächst meistens in Wäldern und blüht von Mai bis Juni. Dieser mittelgrosse Baum hat gefiederte Blätter und filzige Knospen. Die kleinen weissen Blüten kommen in Doldentrauben hervor. Die Früchte sind korallenrot und haben die Grösse einer Erbse. Rehe und Hirsche mögen diese Beeren sehr gerne, aber auch Drosseln, Amseln, Raben und der Eichelhäher. Die Raupen des Trauermantels (Tagfalter) ernähren sich von diesem Baum. Die Vogelbeere steht nicht unter Naturschutz.

     

    Trauermantel

    Trauermantel | ©CG

    Die Vogelbeere im Garten

    Die Vogelbeere kann auch in Gärten kultiviert werden, wenn der Platz dafür da ist. Durch Samen kann die Vogelbeere ganz leicht selber gezogen werden. Die Samen sollten im Herbst gesät werden, um das im Früh-Sommer die Saat aufgeht. Auf diesem Baum sollen auch Äpfel und Birnen gepropft werden können.

    Im Phänologischen Kalender ist dieser Baum eine Zeigerpflanze. Sie zeigt mit ihren Beeren den Spätsommer an.

    Sammeln, trocknen und aufbewahren

    Wie bei allen anderen Pflanzen auch, sollten die Beeren bei trockenem Wetter gesammelt werden. Sie können frisch oder getrocknet verwendet werden. Wer sie trocknen möchte, sollte die Beeren von ihren kleinen Ästchen abpflücken und grossflächig auslegen. Am besten und schnell geht es in der prallen Sonne, Dörrautomat oder bei 50° C im Backofen. Die Sammelzeit der Beeren ist von August bis Oktober. Die Blütendolden können, wie beim Mädesüss, mit Wäscheklammern auf einer kleinen Leine kopfüber aufgehangen werden.

    Wenn ihr die Beeren einmachen möchte, sollte der erste Frost abgewartet werden, wie wir das von den Schlehen kennen. Eine Verwechslung beim Sammeln könnte mit den Beeren des Weissdorns oder des Feuerdorns vorkommen.

    Die Vogelbeere…

    …in der Küche

    In früheren Zeiten machte man aus den Beeren Branntwein, Essig und Trockenobst. Aus ihnen kann Tee, Mus, Marmelade, Gelee oder auch ein Fruchtsaft zubereitet werden. Aus den Samen kann eine Art Kaffee zubereitet werden. Wenn ihr die Beeren roh verzehren möchte, so sollte auf die Menge geachtet werden, weil, wenn es zuviel wird, kann Erbrechen und Übelkeit vorkommen, wie bei den Holunderbeeren. Im gekochten Zustand ist das dann nicht mehr. Aus den Blüten und Blättern kann auch ein Tee zubereitet werden. Sie eignen sich für eine eigene Haustee-Mischung. Aus den getrockneten Beeren kann man Mehl zubereiten und damit Brot backen.

    Weil die Beeren doch reichlich bitter schmecken, können sie vor einer Zubereitung in einer Mischung aus 1/3 Apfelessig und 2/3 Wasser für 24 Stunden „entbittert“ werden.

    Ebereschen-Essig

    Für diesen Essig müsst ihr die Beeren zermatschen und mit 5 Teilen Weinessig übergiessen. Dieses Gemisch lasst ihr für 5 bis 7 Tage ruhen. Danach abfiltern und 100 g Zucker auf 500 ml des Gemisch hinzugeben und kurz aufkochen lassen. Wenn es abgekühlt ist, könnt ihr es in eine Flasche umfüllen und kühl lagern. Dieser Ebereschen-Essig kann in Salate hinzugefügt werden oder man mischt ihn mit Mineralwasser, als Erfrischungsgetränk.

    Ebereschen-Sirup

    500 g Ebereschenbeeren
    500 ml Wasser
    250 g Zucker

    Zuerst müsst ihr alle Beeren zerdrücken und mit dem Wasser für ca. 30 Minuten leicht kochen lassen. Diesen Mus streicht ihr durch ein feinmaschiges Sieb und fügt dann der Flüssigkeit den Zucker hinzu und dann nochmals für 30 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen.

    …im Haushalt

    Die Blätter gehören zu den Färberpflanzen. Sie ergeben ein sattes Grün. Aus den jungen Ästen können sogenannte Bastpfeifen hergestellt werden.

    …in der Tierhaltung

    Gegen Durchfall bei Hühner im Winter kann man ihnen getrocknete Vogelbeeren geben. Dafür sollte man sie vorher in Wasser aufquellen lassen.

    Die Eberesche

    Eberesche in der Volksheilkunde | ©CG

    Die Vogelbeere in der Volksheilkunde

    Unsere sehr alten Vorfahren fertigten einen Kranz aus den Ebereschenästen an und legten ihre verzauberten Arme oder Beine in diesen. Danach musste dieser Kranz an einen Pfahl gebunden werden. So wurde man von der angezauberten Krankheit gefreit. So suchte man auch eine grosse Eberesche an einem Ort auf, wo man glaubte, dass die Unterirdischen in ihr wohnen. Diese Eberesche spaltete man mit Keilen in zwei Teile und zog diese soweit auseinander, dass man ein Kind durchstecken konnte. Drei Donnerstagsabende hintereinander brachte man das Kind dorthin. Zwei Personen mussten dabei sein, die eine steckte das Kind rückwärts durch die Spalte, die andere nahm es entgegen. Diese Vorgehensweise wurde bei absolutem Schweigen dreimal wiederholt. Der Donnerstag war wichtig, weil dieser Tag nach dem Gott Thor (Donar) benannt wurde und die Vogelbeere diesem Gott geweiht war.

    In der Volksheilkunde wurden gerade die Blätter und Blüten verwendet. Dafür wurden sie getrocknet und gegen Erkältungen als Tee eingenommen. Die gekochten Beeren wurden gegen Durchfall gegessen. Den Saft hat man früher gegen die Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut getrunken. In den früheren Apotheken nahm man die Rinde, als Ersatz für die Tamariskenrinde.

    Vogelbeeren-Tee

    Dieser Tee kann gegen Appetitlosigkeit getrunken werden. Dafür nimmt man einen Teelöffel grob zerstossene getrocknete Beeren und übergiesst sie mit einer grossen Tasse siedendem Wasser. 10 Minuten ziehen lassen und abfiltern. Von diesem Tee können 3 bis 4 mal täglich jeweils einen Esslöffel davon eingenommen werden.

    Nebenwirkungen

    Wie schon vorher geschrieben, können die rohen Beeren Übelkeit, Durchfall und Erbrechen hervorrufen. Bitte immer VOR einer Einnahme den Arzt, Heilpraktiker oder in einer Apotheke vorsprechen. Auch Heilpflanzen können schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Dazu bitte auch meinen Hinweis lesen.

    Eberesche

    Eberesche | ©Anastasia Doran/pixabay.de

    Leben unserer Vorfahren

    Volkstümliche Namen

    Eberesche, Aberesche, Vogelbeerbaum, Moosbeerbaum, Drudenbaum, Drachenbaum, Wolkenbaum

    Volksglaube

    Halsketten und Armbänder fertigten die Kinder aus den korallenroten Beeren. Ich bin der Meinung, aus dem gleichen Sinn, wie es damals Korallenketten für kleine Kinder im Volksglauben gab. Die roten Korallen waren magisch im Glauben unserer Vorfahren. Sie wehrten alles Böse von dem Kind ab und gaben dem Kind Gesundheit. Meine Mutter, Jahrgang 1951, hatte sogar noch solch eine Kette.

    In England zog man kranke Kinder durch Baumlöcher der Eberesche; wie ich weiter oben schon beschrieben hatte. In Jütland heilte man ein Kind von gewissen Krankheiten auf folgende Weise. Man spaltete einen Ebereschenzweig bis etwa zur Mitte und zog das Kind dreimal gegen die Sonne und rückwärts durch den Spalt, ohne dass es die Erde berührte. Währenddessen betete man ununterbrochen das Vaterunser. Dann war das Kind geheilt.

    Wer vor Sonnenaufgang den Ast einer Eberesche ergreift und einen gewissen Segensspruch dazu murmelt, der wird von einer anhaftenden Krankheit befreit.

    Am Niederrhein pflanzte man die Vogelbeere vor die Stalltür, meistens in der Mainacht, um Drachen und anderen Ungeheuer abzuwehren. Darum auch ihr volkstümlicher Name Drachenbaum.

    Das Stierjoch und den Dung besteckte man im skandinavischen Norden mit Ebereschenzweigen, um zu befruchten und böse Geister abzuwehren.

    Das Laub wird am Fronleichnam gegen den Durchschnitt angewandt. Man windet dasselbe zu Kränzen, welches geweiht und dann zerrissen wurde, um gegen einen Feldschaden, Durchschnitt genannt, aufs F’eld gestreut zu werden. Nicht nur Drachen (siehe oben), sondern auch Schlangen wehrt die Eberesche ab. Darum umgibt man in Oldenburg und im Norden Ställe und Misthaufen mit Ebereschen.

    Im skandinavischen Norden verwendet man das Holz der Eberesche wegen seiner roten Farbe, als Mittel gegen den bösen Blick. Am Johannistag brechen die Hexen die Zweige der Eberesche; damit hängt die Benennung Trudenbaum zusammen.

    Unordentlichen Mädchen setzte man, anstatt der Birke, eine Eberesche vors Haus. In Island herrschte ein Verbot, das Vieh mit einem Ebereschenzweig zu schlagen.

    Im Jahre 1760 gestand ein alter Schneider in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, dass seine Tochter einem Jungen, welcher einen Ebereschenbusch in die Stadt gebracht, ein Zweiglein abgenommen und ihren Bruder damit gequitzet (geschlagen) habe. Vor dreissig Jahren, erzählte er weiter, hätten die Kinder seines damaligen Meisters denselben auch geschlagen, worauf dieser gesagt, er wisse schon, was sie wollten, und habe ihnen drei Schillinge gegeben. Darauf seien sie auch zu ihm gekommen. Mit dem Zweig einer Eberesche schlägt man also im Frühling nicht nur das Vieh, sondern auch die Menschen. Tiefer dringen wir in den Sinn dieses Brauches, wenn wir hören, dass die Braut vor der Trauung ebenfalls mit einem Ebereschenzweig geschlagen wird. Das Schlagen mit der Ebereschenrute und das Pflanzen derselben als Maibaum haben im letzten Grunde dieselbe Bedeutung: Es ist die Lebensrute mit ihren befruchtenden Wunderkräften; ein uralter, weit verbreiteter Glaube offenbart sich hier.

    Vieh und Menschen stehen so in unendlich vielen und innigen Verbindungen mit der Eberesche, die dem Thor (Donar) geheiligt ist. Namentlich der am Maitag zur Verwendung gelangende Ebereschenzweig wurde zur Wünschelrute. Sie zeigte nicht bloss Schätze an, sondern sie machte auch alle Wünsche wahr. Auch dieser Wünschelrute gab man gern, wie der Alraune, menschliche Gestalt und taufte und benannte sie, indem man drei Kreuze darüber schlug.

    Der Hauptwohnplatz der Naturdämonen ist das Luftreich, eine Himmelslandschaft. In den Mittelpunkt dieser Landschaft stellten die alten Germanen einen riesigen Wolkenbaum. In Skandinavien galt die Esche als dieser Wolkenbaum, ebenso in Island. Die Kräfte der Wolkenesche sind gleich wie auf die Eberesche, daher kommt ihre heilende, befruchtende, die Böse abwehrende Kraft.

    Als Baumseele hielt man den Vogelbeerbaum bei den Nordgermanen für heilig. Man durfte diesen Baum nie als Nutzholz verwenden. Wirft man ihn ins Feuer, so entsteht Streit unter denen, die um das Feuer standen, auch wenn sie die besten Freunde waren. Als Nutzholz verwendet, verursacht er, dass Frauen ihre Kinder nicht gebären können, und dasselbe galt auch für das Vieh im Haus. Wird der Vogelbeerbaum zu Schiffholz benutzt, geht das Schiff unter, wenn nicht Wacholder mit im Schiffrumpf sich befindet, und hat man nur an der einen Seite des Bootes das Gestell für die Ruder von diesem Holz, kippt das Boot um.

    Dem Donar war die Eberesche wie kaum ein anderer Baum heilig. Nachklänge dieses Glaubens und der Verehrung der Eberesche hatten sich in Deutschland noch lange erhalten. Sein Attribut ist später durch das Kreuz oder der Wolfgangs-Axt ersetzt worden. Die mystische Neunzahl bietet uns hier eine besondere Handhabe. Späterhin galten dann neun Paternoster in Deutschland wie im alten England für besonders heilkräftig. Bei der ersten Aussaat sprach der hessische Bauer an drei Ecken seines Ackers eine Säeformel gegen die Würmer und das Wild, indem er auf jeder Ecke drei Hände voll Frucht neunmal auswarf.

    Wenn die Eberesche zu blühen beginnt, muss auch mit der Gersten- und Hafersaat begonnen werden und natürlich darf der Neunerlei-Glauben nicht fehlen, denn auch dort hatte das Holz der Eberesche grossen Stellenwert.


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