
Familienname Broers: Friesisches Erbe in Holstein
Inhaltsverzeichnis
Der Name Broers, der in den alten Kirchenbüchern oft im selben Atemzug auch als Broders oder Broors geschrieben wird, trägt den unverwechselbaren Klang der rauen Nordseeküste in sich. Es ist im Ursprung ein stolzer, friesischer und niederdeutscher Name, der tief im alten Sippenbewusstsein wurzelt.
Ein alter Rufname (Brôder): Im alten Friesland und im Küstenraum war Broder, oder friesisch weich verschliffen zu Broer / Broor, schon im Mittelalter ein beliebter, eigenständiger männlicher Vorname. Er entstammt dem altfriesischen Wort brōther und dem altsächsischen brōthar, für Bruder.
Sohn des Broder (Patronym): Nach altem friesischem Brauchtum erhielten die Kinder den Vornamen des Vaters mit einem angehängten -s (für „Sohn des…“). Ein Broers oder Broders war also wörtlich der Sohn des Broder. Weil im Friesischen das d zwischen zwei Vokalen beim Sprechen oft sanft verschluckt wurde, wandelte sich Broders ganz natürlich zu Broors und Broers. Deshalb tauchen alle drei Schreibweisen oft bei ein und derselben Familie auf!
Der treue Sippengefährte: In der alten Überlieferung des Nordens war der Name zugleich ein Wunsch- und Schutzname. Der Träger sollte ein verlässlicher Bruder, ein Schildgefährte und Beschützer seiner Sippe sein, aber auch jemand, der einer geistlichen Bruderschaft (einer alten Gilde) angehörte.
Sturmfluten & Neue Scholle: Warum die Friesen nach Holstein zogen
Viele Friesen sind damals nach Holstein eingewandert und dass sich meine Familie Broers bereits um 1620 tief im holsteinischen Binnenland rund um Heiderfeld, Leezen, Todesfelde, Krems I und Fehrenbötel (im Kirchspiel Leezen und Segeberg) findet, hat handfeste historische Gründe.
Der Blanker Hans und die großen Fluten: Das 16. und 17. Jahrhundert war an der Nordseeküste (von Ostfriesland über die Elbmarsch bis nach Nordfriesland) eine Zeit verheerender Naturkatastrophen. Besonders die Zweite Marcellusflut, die Allerheiligenflut (1570) und schließlich die vernichtende Burchardiflut von 1634 rissen ganze Dörfer, fruchtbares Marschland und abertausende Menschen ins Meer. Viele überlebende friesische Bauern verloren ihre Heimat und suchten Schutz auf dem sicheren, höher gelegenen Geestland im Inneren Holsteins.
Gesuchte Siedler & Deichbauer: Gleichzeitig lagen im Amt Segeberg und rund um den Neversdorfer See nach Seuchenzügen und den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, besonders nach dem Durchzug der kaiserlichen Truppen unter Wallenstein 1627–1629, viele Hufen wüst und verlassen da. Die Landesherren und Güter riefen gezielt fleißige, freie Bauern ins Land.
Freiheitsstolz im Gepäck: Die Friesen brachten ihre zähe Arbeitskraft, ihr Wissen über Tierzucht und Wasserwirtschaft, aber auch ihr stolzes Selbstbewusstsein mit. Kein Wunder also, dass viele Broers-Vorfahren in Heiderfeld und Krems I schnell zu angesehenen Hufnern (Vollbauern) und Bauernvögten aufstiegen.

Duft von Kardamom & Anis: Das lebendige Brauchtum der Neujahrsküchlein
Manchmal überdauert das Ahnenwissen einer fernen Heimat nicht in staubigen Urkunden, sondern im warmen Duft einer Küche und in den Händen derer, die wir lieben.
Von Mutter zu Tochter, von der Großmutter zum Großvater: Mein Großvater hat immer in der Vorweihnachtszeit dünne Neujahrsküchlein gebacken in einem alten Waffeleisen. Er hat es nach dem Tod meiner Großmutter liebevoll von ihr übernommen. Sie wiederum hat es gelernt von ihrer Mutter Martha Maria Broers.
Ein friesisches Erbstück: Dieser schöne Brauch ist in unserer Familie direkt von der friesischen Familie Broers hereingekommen. Im friesischen und norddeutschen Raum werden diese Küchlein häufig bezeichnet als Krüllkuchen, Krullerkes oder Rullekes (vom niederdeutschen krüllen/rullen = rollen).
Flach statt gerollt – unsere eigene Familientradition: Die Bezeichnung Kuchen ist jedoch nicht ganz passend, denn es handelt sich bei den Neujahrskuchen vielmehr um hauchdünn ausgebackene, knusprige Waffeln, die normalerweise noch heiß um einen Holzstab zu einer Waffelrolle zusammengerollt werden. Aber meine Großeltern haben sie nie gerollt, sondern immer flach im Ganzen gelassen.
Der Zauber der Gewürze: Nach friesischer Art geben Kandiszucker, Kardamom, Zimt und vor allem Anis den Küchlein ihren sehr leckeren Geschmack.
Segenszeichen im Alten Glauben: Nach altem Brauchtum buk man dieses besondere Gebäck in der dunklen Zeit zwischen den Jahren zum Jahreswechsel. Die alten schmiedeeisernen Waffeleisen trugen im Inneren oft Schutzsymbole, Lebensbäume, Sonnenräder oder die Hausmarken der Familie. Mit jedem Küchlein buk man so symbolisch das wiederkehrende Licht, Glück und Segen für das neue Jahr ein.

Wenn die Ahnenlinie sich im Kreis dreht: Das Geflecht von Heiderfeld
Bei meiner Ahnentafel muss man genau hinschauen, weil sie sich in diesem Zweig auf wundersame Weise im Kreis dreht. Was uns heute wie ein verschlungenes Labyrinth erscheint, war in den alten Dörfern rund um Heiderfeld, Todesfelde und Krems I gelebtes Brauchtum: Man heiratete innerhalb des eigenen Standes und der vertrauten Nachbarhöfe, der sogenannte Ahnenschwund, wie er in der Ahnenforschung genannt wird.
Und so schließt sich der Kreis meiner Broers-Ahnen gleich mehrfach wie ein kunstvoll geflochtener Knoten:
Schon am Anfang kreuzen sich die Wege: Mein früher Ahnherr Claus Broers (1650–1738) aus Heiderfeld heiratete Anna Broders (Tochter des Hans Broders aus Fehrenbötel). Hier verbanden sich gleich zwei Zweige desselben friesischen Namens.
Zwei Brüder als doppelte Stammväter: Von ihren Söhnen, dem Bauernvogt Claus Broers (1685) und seinem Bruder Hans Broers (1687), stammen verästelte Linien ab, die über die Familien Teegen und Holtorf Generationen später wieder direkt in meiner Hauptlinie zusammenfließen.
Der Kreis über die Familie Teegen: Im Zweig 2a heiratet Antje Broers (1745–1798) den Johann Teegen. Und im 1. Zweig heiratet Hinrich Broers (1775–1845) eine Anna Margaretha Teegen. Wodurch das Blut des zweiten Sohnes Hans wieder zurück in die Linie des ersten Sohnes Claus fließt.
Der Kreis über die Familie Holtorf: Ganz genauso geschieht es im Zweig 2b. Dort heiratet Catharina Margaretha Broers aus Krems I den Christian Holtorf. Und in meiner direkten Stammlinie (1. Sohn) nimmt Johann Peter Broers (1811–1886) die Anna Margaretha Holdorf zur Frau. Auch die Schwestern oder Cousinen Gretje Tonn und Trine Tonn wurden in den Zweigen 2a und 2b von den beiden Brüdern Hans und Claus Broers geheiratet.
Alle diese Fäden laufen schließlich in meiner Urgroßmutter Martha Maria Broers (1884–1928) zusammen.
🌾 Lebendiges Erbe: Meine verwobene Ahnenlinie Broers
🍂 Hinrich Broers 1620–1674 Heiderfeld ♾️ Trine N.N.
🍂 Claus Broers 1650–1738 Heiderfeld ♾️ Anna Broders (Vater: Hans Broders aus Fehrenbötel)
🌿 1. Sohn (Die direkte Stammlinie zu meiner Urgroßmutter Martha Maria Broers)
🍂 Claus Broers 1685–1733 Heiderfeld ♾️ Lenke Kock | Beruf: Bauernvogt
🍂 Hinrich Broers 1729–? Heiderfeld/Todesfelde ♾️ Anna Maria Gosch | Beruf: Instmann
🍂 Hinrich Broers 1775–1845 Todesfelde/Heiderfeld ♾️ Anna Margaretha Teegen (Hier schließt sich der Kreis zu Zweig 2a) | Beruf: Instmann und Eigenkätner
🍂 Johann Peter Broers 1811–1886 Heiderfeld ♾️ Anna Margaretha Holtorf (Hier schließt sich der Kreis zu Zweig 2b!) | Beruf: Weber u. Eigenkätner
🍂 Jacob Heinrich Broers 1847–1900 Heiderfeld/Leezen ♾️ Sophia Catharina Clasen | Beruf: Schuhmacher
🌾 Martha Maria Broers 1884–1928 Heiderfeld/Leezen ♾️ Gustav Lange
🌿 2. Sohn
🍂 Hans Broers 1687–1740 Heiderfeld ♾️ Antje Looft (von ihnen sind wieder zwei Söhne in meiner direkten Ahnentafel)
Zweig 2a. Sohn:
🍂 Hans Broers 1719–1746 Heiderfeld ♾️ Gretje Tonn | Beruf: Hufner
🍂 Antje Broers 1745–1798 Heiderfeld ♾️ Johann Teegen (Eltern der Anna Margaretha Teegen aus dem 1. Zweig)
Zweig 2b. Sohn:
🍂 Claus Broers 1720–1777 Todesfelde/Krems I ♾️ Trine Tonn | Beruf: Bauernvogt u. Hufner
🍂 Hans Broers 1758–1813 Krems I ♾️ Catharina Margaretha Möller | Beruf: Bauernvogt u. Hufner
🌾 Catharina Margaretha Broers Krems I ♾️ Christian Holtorf (Eltern der Anna Margaretha Holtorf aus dem 1. Zweig)
🌿 Eine andere Linie (Raum Segeberg)
🍂 Hinrich Broors 1630–?
🌾 Trine Broors 1665–? Klein Rönnau ♾️ Peter Jack
Wissenskästchen
Ahnenschwund & verwobene Wurzeln
Wenn sich eine Ahnenlinie wie bei der Familie Broers scheinbar im Kreis dreht, spricht man in der Familienforschung vom sogenannten Ahnenschwund (auch Ahnenverlust oder lateinisch Implex genannt)
- Das mathematische Rätsel der Generationen: Rein rechnerisch verdoppelt sich die Zahl unserer Vorfahren mit jedem Schritt in die Vergangenheit. Wir haben 2 Eltern, 4 Großeltern, 8 Urgroßeltern und vor rund 300 Jahren (in der 10. Generation) theoretisch bereits 1.024 Ahnen. Geht man noch weiter zurück, müsste man irgendwann mehr Vorfahren haben, als damals überhaupt Menschen im Land lebten.
- Wenn ein Vorfahr mehrfach auftaucht: In der Wirklichkeit schmilzt diese große Zahl jedoch zusammen, weil ein und dasselbe Stammelternpaar gleich auf mehreren Wegen in unserer Ahnentafel erscheint. Dadurch verschwinden theoretische Plätze im Stammbaum, weil sie von denselben Personen doppelt oder dreifach besetzt werden.
- Heirat im vertrauten Kirchspiel: Der Grund dafür liegt im ländlichen Leben und im alten Brauchtum unserer Vorfahren. Über Jahrhunderte hinweg blieben die Familien fest in ihren Dörfern verwurzelt. Man suchte seinen Ehepartner im selben Kirchspiel und innerhalb des gleichen Standes. Hufnerkinder heirateten auf benachbarte Hufen, Kätnerkinder blieben unter sich.
- Verwandtschaft über Generationen: So kam es ganz natürlich vor, dass sich nach zwei, drei oder vier Generationen die Nachkommen zweier Brüder (wie bei Claus und Hans Broers) wieder das Ja-Wort gaben. Oft wussten die Brautleute nach über hundert Jahren gar nicht mehr im Detail, dass sie über ihre Ururgroßeltern miteinander verwandt waren.
- Kein Verlust, sondern tiefe Verwurzelung: Auch wenn das Wort Ahnenschwund nach einem Mangel klingt, ist es für die Familiengeschichte ein besonderer Schatz. Es zeigt, wie eng eine Dorfgemeinschaft miteinander verwoben war.
🪔 Auf alten Pfaden weiterwandeln:


