NEU! Nomen es Omen

Familienname Raudszus: Ahnen aus der Elchniederung

Manche Namen klingen wie ein Echo aus tiefen Wäldern. In meiner ostpreußischen Ahnenlinie finden sich die Namen Raudszus und Raudies. Sie tragen ein altes, baltisches Erbe in sich: Die uralte Silbe raud-, die für die Farbe Rot steht. Wer diesen Namen trug, war gezeichnet vom Feuer, sei es durch leuchtend rotes Haar oder einen roten Bart. Es ist ein Name voller Lebenskraft.

Doch wenn wir tiefer in das alte Ahnenwissen von Ostpreußen eintauchen, offenbart diese Wurzel noch weitaus mehr als nur das äußere Flammenzeichen im Haar. In der sprachlichen Überlieferung der baltischen Völker verweben sich in diesem Klang die Seelenlandschaft des Menschen, das stille Wasser und ein ganz konkreter Hinweis auf bestimmte Vegetation am Wohnplatz unserer Vorfahren.

Tränen & Totenklage: Wenn die Röte von tiefer Schwermut erzählt

Wo das helle Feuer lodert, liegt oft auch der dunkle Schatten dicht daneben. In den alten baltischen Sprachen ist die Farbe Rot untrennbar mit dem Weinen, den vom Schmerz geröteten Augen und tiefe Schwermut verbunden.

Vielleicht trug der erste Ahnherr diesen Namen, weil ein schweres Schicksal auf seiner Seele lastete oder weil seine Familie das alte Brauchtum der rituellen Totenklage hütete:

  • Prußisch raudis: Bedeutet wörtlich Trauriger und beschreibt einen Menschen von schwermütigem, in sich gekehrtem Gemüt.
  • Röte & Blick rauda: Steht für die Röte sowie für rote Augen. Das sichtbare Zeichen nach Stunden des Weinens und der durchwachten Nächte.
  • Gesang der Ahnen rauda: Bezeichnet in der alten Überlieferung auch die Wehklage, das Klagelied, die Totenklage und den feierlichen Grabgesang, mit dem die Verstorbenen über die Schwelle begleitet wurden.
  • Lettisch raudas: Bewahrt bis heute genau denselben wehmütigen Klang und steht für Wehklagen, Weinen und Tränen.

Moorblüten & Wohlgemut

Unsere naturverbundenen Vorfahren benannten ihre Gehöfte und Familien oft nach den wilden Pflanzen, die rund um ihre Schwelle an Ufern, Waldrändern und Äckern wuchsen. Im Litauischen und Lettischen führt uns die Silbe raud- direkt in die rötlich und purpurn schimmernde Pflanzen- und Tierwelt Ostpreußens:

  • Litauisch raudis: Steht als Grundwort ebenfalls für die Röte. Jenes tiefe Purpurrot, das sich im Spätsommer über die ostpreußischen Wiesen legt.
  • Der Hüter der Ufer raudoklis: Bezeichnet den Blutweiderich. Wo diese stolze, blutrot blühende Heilpflanze wuchs, lag der Wohnplatz der Ahnen meist an feuchten Gräben, Mooren oder stillen Flussläufen.
  • Das Kraut der Felder raudona: Steht für den Ackerhohlzahn. Dessen purpurrote Blüten einst zwischen dem Korn der alten Äcker leuchteten.
  • Der Seelentröster raudolele: Beschreibt den Dost, sowie den Wasserdost.
  • Lettisch rauda: Verweist auf das Rotauge (Fisch). Jenen silbrig glänzenden Bewohner der ostpreußischen Seen und Flüsse, dessen leuchtend rote Iris und Flossen wie kleine Funken unter der Wasseroberfläche schimmern.

Die Elchniederung: Wurzeln im Nebelland

Meine Ahnenreihe der Raudszus führt uns tief in die Elchniederung. Eine wilde, wasserreiche und nebelverhangene Landschaft rund um die Memel. Hier, wo die Natur den Rhythmus des Lebens diktierte, lebten und liebten sie.

Lebendiges Erbe: Meine Ahnenlinie

Die Raudzsus lebten in der Elchniederung (Ostpreußen):

🍂 Ansas Raudszus 1715-? ♾️ Anna Catrine N.N.
🍂 Ansas Raudszus 1742-1817 Kryposen/Szillelischken ♾️ Enusze Kundra | Beruf: Wirt (Bauer)
🍂 Kristups Raudszus 1772-1855 Szillelishken/Wargutschen ♾️ Erdme Preikszas
🍂 Christoph Raudszus 1810-? Wargutschen ♾️ Madlyne Aukszlys
🍂 Friedrich Raudszus 1849-1931 Wargutschen/Uszballen ♾️ Wilhelmina Raudies | Beruf: Schneidermeister
🌾 Maria Wilhemina Raudszus 1878-1939 Uszballen/Königsberg ♾️ Carl Johann Nolde

Die Raudies lebten in Lucknojen in der Gegend von Labiau:

🍂 Georg Raudies 1820-? ♾️ Catharina Rippke
🌾 Wilhelmina Raudies 1853-1931 Lucknojen/Uszballen ♾️ Friedrich Raudszus


🪔 Auf alten Pfaden weiterwandeln:

Wächterfigur aus Stroh vor lodernden Flammen unter violettem Abendhimmel – Ein Sinnbild für Pflanzengeister und Naturmagie.

Hier schreibt Katja – eine Suchende zwischen den Welten. In stillen Nächten berge ich fast vergessenes Ahnenwissen aus alten Schriften und verbinde es mit der lebendigen Naturmagie meines Gartens. Hier im Celticgarden teile ich die Essenz dieser alten Pfade und das Raunen der Pflanzenseelen mit dir.