Der Heilziest: Schutz gegen Albträume & Seelen-Räucherung

 

Ähre der Apotheker: Botanik und alte Wunden

Der botanische Name des Heilziest heißt: Stachys officinalis. Stachys deutet auf seine Blüte hin und bedeutet „Ähre“. Officinalis bedeutet, dass diese Pflanze früher für Apotheken gesammelt und dort verarbeitet wurde.

Der Heilziest war, wie der Ehrenpreis und das Eisenkraut, eine hoch geachtete Wildpflanze, über die viel geschrieben wurde. Früher war er eine Zauberpflanze und gehörte zu den Beschreikräutern.

Den Heilziestblättern sagt man, durch ihren balsamischen Geruch, eine berauschende Eigenschaft nach. Auch gehört dieses Heilkraut zu den sehr alten Wundheilkräutern.

  • Wundversorgung: Der aus den frischen Blättern gepresste Saft wurde von den damaligen Wundärzten als Reinigungsmittel verschiedener Wunden verwendet. Die frischen Blätter wurden auch als Pflaster bei kleineren Wunden aufgelegt.
  • Alte Anwendung: Die getrockneten Blätter und die Wurzel nahm man als Niesmittel.

Gegen Albträume und Hexenschuss: Der Heilziest im Brauchtum

  • Schutz im Schlaf: Den Heilziest legte man unters Kopfkissen, so sollte er vor Albträumen bewahren.
  • Amulett gegen das Beschreien: Da er zu den Beschreikräutern gehört, wurde seine Wurzel um den Hals getragen, um vor dem Beschreien geschützt zu sein.
  • Reinigungsbad: Der Heilziest war eines der beliebtesten Beschreikräuter, in dessen Abkochung beschriene, verhexte und verzauberte Kinder und Haustiere gebadet wurden. Mit dem Badewasser wurde dann der böse Zauber weggeschüttet.
  • Sonnwendfeuer: Zur Sommersonnenwende wurde der getrocknete Heilziest ins Feuer geworfen und dann hindurchgesprungen, um jegliche Krankheiten abzustreifen und fürs kommende Jahr durch neue Krankheiten geschützt zu sein.
  • Schwellenzauber: Auch wurden getrocknete Blüten auf die Fensterbank oder auf die Türschwelle gestreut, damit das Übel draußen blieb und nicht ins Haus eindringen konnte.

Volkstümliche Namen: Echter Ziest, Betonie, Flohblume, Zehrkraut.

Rauch für die Seele: Heilung und Schutz

Eine Heilziest-Räucherung heilt unsere kranke und verletzte Seele. Sie bewahrt uns vor weiteren Enttäuschungen und reinigt unseren Geist. Der Heilziest wird auch in Schutzräucherungen beigemischt.

Historisch: In der alten Räucherkunde wurde bei einer vermehrten Speichelabsonderung der Rauch inhaliert. Dafür wurde das getrocknete Kraut (Blüten und Blätter) verwendet.

Achtsame Ernte und Mondzauber: Sammeln und Bewahren

Da der Heilziest auf der Vorwarnliste steht, sollten wir von einer Wildsammlung absehen.

  • Ernte: Geerntet werden die Blätter bei trockenem Wetter. Auch der morgendliche Tau sollte schon von den Blättern verschwunden sein, weil sie sonst dazu neigen, bräunlich zu werden.
  • Trocknung: Die Trocknung muss schattig, aber am besten in Zugluft sein. Die Blätter dürfen sich beim Trocknen nicht berühren, weil sie sehr schimmelanfällig sind. Die Blüten schneidet man am besten mit einem Stück Stängel und hängt sie gebündelt, kopfüber auf.

Magische Zeitpunkte:

  • Sammelzeit: Seine Sammelzeit ist der Spätsommer. Seine Eigenschaften sind vielfältig, wie stärkend, reinigend, schützend und liebend.
  • Wurzelgraben: In der Naturmagie wird im Mai oder Oktober bei Vollmond die Wurzel ausgegraben.