
Spinnrad & Geisterspuk: Die alte Tradition der Sperrnacht
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Der Mythos um die sogenannten Sperrnächte zieht im Internet unaufhaltsam seine Kreise. Daher möchte ich euch dieses alte Fest ein wenig näherbringen und mit den verkehrten Bräuchen aufräumen. Im Internet wird es die Dunkelnächte genannt und soll über Tage gehen und ein Zeichen des Loslassens sein. Diese Behauptungen kommen aus dem neuheidnischen Glauben und haben so gar nichts mit der wahren Sperrnacht unserer Vorfahren zu tun.
Es handelt sich bei dieser Überlieferung nämlich lediglich um einen einzigen Tag, weshalb das moderne Wort Sperrnächte völlig verkehrt ist. Es ist die Sperrnacht.
Geisterspuk & gesperrte Rädchen: Die wahre Sperrnacht
Dieses kleine, aber bedeutende Fest wurde im alten Brauchtum nur an einem Tag gefeiert: Entweder in der Thomasnacht oder an Silvester, der sogenannten Davidsnacht.
Der Name Sperrnacht rührt daher, dass das Spinnrad feierlich gesperrt bleiben sollte. In dieser Schwellenzeit, in der die Geister umgehen, fürchtete man, sie könnten die wertvollen, für das Überleben früher so wichtigen Spinnräder zerstören. Um die Arbeit ruhen zu lassen, wurden mitunter wirklich die Saiten an den Spinnrädern weggenommen oder rituell zerschnitten.

Von fliegenden Besen & Holzdieben: Das Brauchtum
Die Tradition dieses Tages stammt ursprünglich aus dem Elsass, sowie aus dem heutigen Baden-Württemberg. Man verbrachte diese dunkle Nacht bei gutem Essen, Tanz und Gesang. Unter den vielen Spielen und ausgelassenen Scherzen fand auch das Stehlen von Holz und Essen statt.
In Balzhofen gab es ein ganz besonderes Ritual: Dort mussten die Mädchen pünktlich um Mitternacht über den Besen springen.
Wenn es draußen an die Fenster klopfte, durfte niemand den Kopf hinausstrecken; denn im Alten Glauben spukte es in der Sperrnacht ganz besonders.
Den feierlichen Abschluss dieser Zeit, die mancherorts auch Durchspinnnacht genannt wurde, bildeten das laute Topfwerfen und das Zerbrechen alter Spinnräder.

Die Sperrnacht und das Bechten: Ein uraltes Erbe
Ich habe noch einen kleinen, wunderbaren Aufsatz über die Sperrnacht und das sogenannte Bechten (betteln/stehlen) gefunden, der uns tief in die elsässischen Überlieferungen blicken lässt:
Im Unterelsass, von Barr bis nach Weißenburg, wurde in den Dörfern am Christabend die Sperrnacht gehalten. Da wurden die Rädchen gesperrt, was bedeutet, dass das Spinnen über die Feiertage komplett eingestellt wurde.
Die jungen Leute versammelten sich, genau wie sie sich den ganzen Winter über in den warmen Kunkel- oder Maistuben (Mädchenstuben) zusammengefunden hatten. Man kam zusammen, um miteinander zu essen, sich auf verschiedene Art die Zeit zu vertreiben und gemeinsam Spaß zu haben.
Ein Hauptspaß bestand darin, dass sich die jungen Männer in die Küchen der mehr oder weniger bekannten Dorfbewohner schlichen, um an diesem Abend heimlich die Pfannen mit dem Essen zu stehlen.
Eine ältere Dame aus Barr erzählte dazu einmal, dass sie jedes Jahr in der Sperrnacht ein Essen auf dem Herd bereitstehen hatte, auch wenn sie gar keinen Besuch erwartete.
Dieser schöne Brauch zeigt uns, auch wenn er später leicht christlich angehaucht war, sehr deutlich den tief verwurzelten Alten Glauben unserer Vorfahren. Das warme Essen, das an diesem Tag ununterbrochen auf dem Herd stand, ist offenbar ein direktes Überbleibsel des uralten Dienstes für Frau Holle oder die Perchta (Bertha) und hat überhaupt nichts mit Dunkelnächten oder dem Loslassen zu tun!
🪔 Auf alten Pfaden weiterwandeln:

Geheimnisse der Wildpflanzen –
Uralte Pflanzenmagie
Die alten Überlieferungen unserer Vorfahren faszinierten uns schon immer. In diesem Buch habe ich all mein Wissen und meine Leidenschaft für unsere wilden Pflanzenseelen und vergessene Bräuche zusammengetragen.


