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In Norddeutschland ist der Wacholder (Juniperus communis) oftmals der Begleiter der wunderschönen Waldkiefer, mit deren Harz wir wunderbar räuchern können. Bei mir wächst eine Kiefer in meinem Naturgarten. Sie gab mir vor Kurzem, das erste mal ihr reines Harz. Es war nur ein kleiner Tropfen, aber sehr kostbar für mich.
Früher sagte man, wenn Wanderer bei einer Erschöpfung unter einem Wacholderbusch sich niedersetzten, um sich ein wenig auszuruhen, dass sie in kürzester Zeit wieder guten Mutes ihrer Wege gehen konnten.
Wacholder im Brauchtum: Schutz & Magie
Volkstümliche Namen
Die vielen Namen deuten auf seine magische Bedeutung hin:
- Kranewitt
- Weckholder
- Stechbaum
- Feuerbaum
- Weihrauchbaum
Schutz für Haus und Hof
- Ein Wacholderstrauch, rechts an der Haustür, gepflanzt, schützte vor Einbruch, übler Nachrede und Verhexung. Wer keinen Vorgarten hatte, hing sich die Wacholderzweige über die Haustür.
- Getrocknete Wacholderbeeren wurden auch unter Türschwellen gelegt, so erhielten bösgesinnte Menschen keinen Zutritt.
- In Norddeutschland war es lange Zeit Tradition, einen Wacholderstrauch beim Hausbau unter dem Grundstein mit einzugraben. Dadurch wurde das Haus vor bösen Geistern bewahrt.
- Amulette und persönlicher Schutz
- Für ein Amulett wurden die Wacholderbeeren getrocknet, als Kette aufgezogen und um den Hals getragen. Es bewahrte vor ansteckenden Krankheiten.
Verbindung zu Ahnen und Göttern
Bei unseren Urahnen, war der Wacholder eine hochgeschätzte Pflanze. Es wurde im Vorbeigehen der Hut gezogen, wie man es von dem Holunder kennt. Man glaubte, dass in dem Wacholder die Ahnen weiterlebten.
Im Heidentum, glaubte man, dass der Wacholder den Eingang in die Unterwelt kennzeichnete. Die Urgermanen nahmen das Wacholderholz auch, um ihre Toten zu verbrennen. Er soll sogar die Gabe haben, mit ihm in die Zukunft schauen zu können.
Abwehr von Hexen und Dämonen
Dem Wacholder wird nachgesagt, dass Hexen und Dämonen ihn für ihre Zauberei verwendeten. Dagegen hängte man Wacholderzweige, über die Eingänge, in Haus und Stall.
Der Wacholder als kraftvolles Räucherwerk
Man vermutet, dass in der Steinzeit schon mit Wacholder geräuchert wurde. Vielleicht haben die damaligen Menschen, für ein Lagerfeuer, Wacholderholz verbrannt und dabei bemerkt, dass es einen sehr intensiven Duft hat und dadurch magisch wurde in ihrer Vorstellung. Räuchern mit dem Wacholder hat eine lange Tradition. Sei es in vergangenen Pest-Epidemien oder auch zur Desinfizierung der mittelalterlichen Krankenzimmer. Wacholderbeeren auf glühenden Kohlen wurden in Räucherpfannen durch die Krankenzimmer getragen.
Eine Wacholder-Räucherung wehrt allerlei Böses ab. Symbolisch zeigt dieses Räucherwerk, herumirrenden Seelen, ihren Weg wieder zurück. Vor allem zu den Rauhnächten wird Wacholder in Räucherwerken genommen, um alles Schlechte abzuwenden. Er hält den Neid der Menschen fern und vertreibt Hexen und Dämonen und die daraus angezauberten Krankheiten und Verfluchungen. Seinen Zauber hat er bis heute behalten.
Moderne Räucherkunde
Der Wacholder schenkt uns Mut, um neue Dinge anzugehen. Er gibt Stärke und Zuversicht, hilft Emotionen loszulassen, die abhängig machen. Eine Räucherung mit Wacholderholz reinigt die Gefühlswelt, wenn man von anderen Menschen schlechte Schwingungen abbekommen hat.
Der Wacholder stärkt unsere Aufmerksamkeit. Er macht unseren Geist wach und soll sogar die Gabe der Prophezeiung verleihen. Wacholder-Räucherungen eignen sich besonders gut, um Menschen und Räume mit neuer Lebensenergie aufzuladen.
Zimmer ausräuchern
Da der Wacholderrauch eine sehr stark reinigende Eigenschaft besitzt, werden Räucherungen mit ihm bevorzugt verräuchert, um Räume oder Häuser zu reinigen. Sei es von Krankheiten oder negativen Energien.
Für eine Räucherung nehmt ihr:
- einen Esslöffel zerdrückte Wacholderbeeren
- und legt sie auf die glühende Räucherkohle
Das Rauchgefäß tragt ihr nun von Zimmer zu Zimmer, dabei nicht die Ecken vergessen, und räuchert die Zimmer aus. Es reinigt die Luft und ist gut gegen Erkältungskrankheiten. Den Rauch lasst ihr ein wenig im Raum seine Wirkung entfalten und dann könnt ihr ihn stoßweise aus dem Fenster entlassen. Diese Räucherung kann bis zu dreimal wöchentlich vollzogen werden, um negative Energien aus dem Haus zubekommen.
Empfehlung von mir
„Um euch oder euer Heim zu schützen, könnt ihr ein Wacholderwasser zubereiten. Indem ihr Zweiglein und Beeren in Wasser aufkocht und über Nacht ziehen lasst. Mit diesem Wacholderwasser besprenkelt ihr euch oder euer Heim, bevor ihr eine Räucherzeremonie mit dem Wacholder tätigt. So sei alles vor negativen Energien geschützt.“
Sammeln und mischen
Bevor ihr euch auf die Suche nach einem Wacholder macht, möchte ich euch schreiben, dass der Wacholder unter Naturschutz steht. Bitte kauft in einem Fachhandel eure Wacholderbeeren oder Wacholderholz; am besten natürlich in Bio-Qualität. Eventuell habt ihr ja einen Wacholder im eigenen Garten oder beim Nachbarn. Dann ist seine Sammelzeit in der Räucherkunde ist bei Sonnenaufgang Ende Juli, oder in den Wintermonaten, wie zur Wintersonnenwende und Rauhnächten.
Verwendet werden die Beeren, die Nadeln und Zweigspitzen. Alles muss vorher getrocknet werden. Es verströmt bei einer Räucherung einen stark warmen, aromatischen und harzigen Geruch. Wacholder lässt sich gut mit der Kiefer, Moos und der Eiche zu einem Räucherwerk mischen. Die Grundlagen, wie man richtig räuchert, erfahrt ihr in diesem Link.


