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Der Pestrauch | Räucherwerk unserer Urgrosseltern

    Räucherkräuter während der Pest und anderen Krankheiten

    Das Räuchern in Zeiten der Pest, mit Kräutern und Hölzern, war unseren Vorfahren sehr wichtig, aber auch gegen andere Krankheiten verwendeten sie Räucherkräuter. Die Pest wütete noch recht lange und war nicht nur eine Schreckenszeit des Mittelalters. Im ehemaligen Ostpreussen breitete sich diese schreckliche Krankheit noch Anfang des 18. Jahrhunderts aus, bis sie 1710/11 zum Erliegen kam. Weit über 200.000 Menschen sollen dort gestorben sein, was sehr viel war. In dieser schlimmen Zeit kamen meistens noch andere meist tödliche Krankheiten hinzu, wie zum Beipiel die Pocken, Rote Ruhr oder auch Fleckfieber. Es muss eine sehr grausame Zeit gewesen sein.

    In der Stadt Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern steht sogar ein Eintrag am Anfang des Kirchenbuchs (1611-1880), dass die Pest 1625 dort gewesen sei. Mein 8x Urgrossvater Daniell Demmin ist dort 1612 geboren und war zum Ausbruch der Pest ca. 13 Jahre alte und hat es gottseidank überlebt, sonst wäre ich heute nicht hier. Auch sie werden Kräuter geräuchert haben, weil es damals in diesen schlimmen Zeiten weit verbreitet war. Heute wissen wir, dass unsere Vorfahren Pflanzen verwendet haben, die desinfizieren und dadurch die Luft und den Menschen durch das Räuchern „reinigten“.

    In diesen Zeiten wurde nicht nur geräuchert, auch war der berühmte Pest-Essig sehr beliebt. Mit diesem räucherte man auch gegen Krankheiten. Dafür träufelte man ihn auf heisse Ziegelsteine oder auf den Holzofen. Essig war sehr wichtig in der alten Räucherkunde. Über ihn hatte ich mal einen eigenen Artikel geschrieben, den ihr unter den folgenden Link aufrufen könnt: https://www.celticgarden.de/pestessig/

     

    Pest Notiz in einem Kirchenbuch
    Pest Eintrag im Neubrandenburger Kirchenbuch | ©CG (bearbeitet)

    Eine kleine Geschichte aus Meggen in der Schweiz

    Eine verheerende Pest entvölkerte das Pfarrdorf Meggen. Es soll damals eine Stunde von Luzern gelegen haben. Dort sahen eines Tages in einem Wandloch die Bewohner, in einem alten Holzhaus am See, ein kleines blaues Räuchlein umherschweben und in eine kleine Spalte der Stubenwand hineinfahren. „Das ist die Pest“, sagte einer der Anwesenden, ging dorthin und trieb einen Holzkeil in diese Öffnung. Von der Stunde an hörte im Dorf das Übel auf. Nach vielen Jahren zog ein Mann der Familie in fremden Kriegsdienst. Als der Soldat einst wieder nach Hause kam, erinnerte er sich, wie sein Auge auf eben jene Stelle der Wand blickte, des Vorfalls und scherzend sprach er: „Will doch sehen, ob das Räuchlein noch da drinnen ist.“ Im gleichen Moment zog er, obwohl ihn eine Person dringend warnte, schnell den Holzkeil, und das blaue Räuchlein huschte hinaus. Die Pest, wieder befreit, streckte gleich den ehemaligen Soldat als erstes Opfer dahin, lies dann das ganze Haus aussterben und raffte noch viele Menschen im Dorfe hin.

    Alte Räuchermischungen, der sogenannte Pestrauch

    In der Stadt Glatz (Polen) schrieb man im Jahre 1680, dass jeder Hausherr zweimal täglich sein Haus und die Zimmer mit Wacholderholz und Beeren, Schwefel und Tabak ausräuchern soll. Danach muss alles noch mit Essig besprenkelt werden oder auch einen Ziegel erhitzen und auf ihn den Essig träufeln. Auch war befohlen, dass ein Feuer aus Holz vom Wacholder, Eichen, Buchen, Tannen oder Weide in einer Räucherpfanne von Zimmer zu Zimmer herumgetragen wurde. Feuer hatte schon immer eine reinigende Kraft. Siehe dazu auch meinen Artikel über das Notfeuer unserer Vorfahren.

    Als im Jahre 1679 die Pest in die Steiermark (Österreich) kam, wurde folgende Ordnung verschrieben: Man solle alle Lumpen, Betten, Decken, Kleider und anderes Gefetzwerk verbrennen. Das übrige aber, was sich waschen lässt, mit Weinrauten– oder Wacholder-Essig und scharfer Lauge gut auswaschen und lüften und dabei mit einem Pestrauch wohl beräuchern. Guter Pestrauch wird gemacht aus Wacholderbeeren, Schwefel, Myrrhe, Weihrauch, Kampher, alles grob zerstossen.

    1699 gab man zwei Rezepte des Pestrauchs in Österreich bekannt: Man soll Weinraute, Wermut, Sonnwend-Gürtel (Beifuss oder Johanniskraut) und Wacholderbeeren in gleicher Anzahl nehmen, pulverisieren und miteinander vermischen. Ein anderes Rezept sah wie folgt aus: Ein guter Rauch für die Pestilenz, Wacholderbeeren, Weinraute, Bockshorn, Alant, Eichenlaub, Myrrhe und Schwefel, kleingeschnitten oder im Mörser gestossen und wenn diese Krankheit regiert, soll man fleissig damit das „Haus rauchen“.

    In Nürnberg 1654 gab man folgende Zubereitung des Pestrauchs bekannt: Die Luft wird verbessert durch gründliches Räuchern mit diesen Räucherzutaten: Weinrauten- und Lavendelblüten, Liebstöckel-, Baldrian– und Schwalbenwurzwurzeln, Rosmarin, Eiche und der Flockenblume. Wenn alles gut getrocknet war, wurde es mit Essig beträufelt und wieder zum Trocknen ausgelegt. Diese Methode musste öfters wiederholt werden. So bereitete man das Rauchpulver während der Pest.

    Diese alte Räuchermischung, die ich euch hier aufschreiben möchte, ist etwas über 300 Jahre alt und wird Anno 1701 beschrieben. Sie wurde verräuchert in Zeiten von der Pest. Für diese Mischung nahm man Wermut, Beifuss, Weinraute und Wacholderbeeren und pulverisierte es, ausser die Wacholderbeeren, die man im Ganzen liess. Laut damaliger Anweisung für einen guten „Rauch“, sollte man soviel, wie man mit drei Finger nehmen konnte, auf die Glut legen, bevor man aus dem Haus ging. Wenn man wieder kam und der Rauch im Zimmer oben schwebte, war alles in Ordnung. Hing der Rauch aber in der Mitte des Zimmers, so war jemand im Haus an der Pest erkrankt.
    Man mag sich garnicht vorstellen, wie das unsere Vorfahren schockiert haben muss. Diese täglichen Ängste, das einem der Tod, in Form der Pest, ankündigt wird, muss grauenvoll gewesen sein,

    Katja


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