NEU! Nomen es Omen

Familienname Führer: Kohlenbrenner & Hüter der Flammen

Manche Familiennamen leuchten uns aus der Vergangenheit entgegen wie ein wärmendes Feuer in dunkler Nacht. Taucht man in die Chroniken der Ostschweiz ein, offenbart der Familienname Führer eine vielschichtige, kraftvolle Geschichte, die eng mit dem Element des Feuers und der rauen Bergwelt verbunden ist.

Walser Wurzeln & Erste Spuren: Laut der Sennwald-Chronik soll diese Familie Walser (Waliser) sein, also Nachfahren jenes freien, zähen Alpenvolkes, das im Mittelalter die höchsten Bergtäler besiedelte. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich bereits im Jahr 1442.

Die Füürer: Wächter der Hochwachten im Rheintal

Im alten Alemannischen und im Dialekt des St. Galler Rheintals wurde der Familienname oft Fürer geschrieben und wie Füürer (vom Wort Füür = Feuer) ausgesprochen. Die alte Herrschaft Sax-Forstegg, mit den Dörfern Sax, Sennwald, Salez und Frümsen, war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein enorm wichtiges Grenzland zwischen dem Rhein und den steilen Flanken des Alpsteins.

  • Das Netz der Signalfeuer: Hoch oben auf den Bergkuppen und Felsvorsprüngen, in direkter Sichtverbindung zu den Burgen Hohensax und Forstegg, unterhielten die Eidgenossen sogenannte Hochwachten (Wach- und Signalfeuerplätze).
  • Ein verantwortungsvolles Amt: Diese Feuerplätze durften nicht von irgendjemandem betreut werden. Es brauchte verlässliche, wetterfeste Einheimische, die bei Tag und Nacht Wache hielten, das geschichtete Holz trocken bewahrten und im Fall eines feindlichen Angriffs binnen Minuten die drei lodernden Flammen, oder bei Tag dichten Rauch, in den Himmel schickten, um das ganze Tal zu den Waffen zu rufen.
  • Vom Wächteramt zum Familienwappen: Dass das Wappen der Familie Führer aus Sax ausgerechnet drei rote Flammen auf einem grünen Dreiberg zeigt, bewahrt genau diese Erinnerung. In der Vorstellung und im Brauchtum der Sippe galten die Vorfahren als die Hüter des Feuers auf den Höhen. Ein Symbol für Wachsamkeit, Schutz und Licht in dunkler Zeit.

Die Fuhrer: Wegkundige Geleiter über die Alpenpässe

Die Sprachforscher und Chronisten der Schweiz kennen daneben noch eine zweite, ebenso alte Wurzel des Namens im Raum Sax, die mit dem ersten Bild wunderbar verschmolzen ist.

  • Geleiter durch die Wildnis: Im Mittelhochdeutschen bezeichnete der Vuorer (Führer oder Fuhrer) den Wegweiser, Säumer und sicheren Geleiter. Direkt hinter dem Dorf Sax führt mit der Saxerlücke ein alter, steiler Saumpfad hoch über das Gebirge nach Appenzell, und unten im Tal verlief die uralte Handelsstraße entlang des wilden, damals noch ungebändigten Rheins.
  • Herren über Saumpferde und Fuhrwerke: Die Familien dieses Namens stellten oft die ortskundigen Männer, die fremde Kaufleute, Warenzüge und Reisende sicher durch die gefährlichen Sümpfe der Rheinebene und über die schmalen Bergpfade führten und im Kriegsfall auch wussten, auf welchen geheimen Pfaden man zu den Hochwachten hinaufstieg.

Das Handwerk der Kohlenbrenner: Nach Überlieferung könnte der Familienname Führer auch von den Kohlenbrenner (Köhler) kommen, die tief in den Bergwäldern ihre rauchenden Meiler hüteten, um Holzkohle für die Schmieden und Schmelzöfen zu gewinnen.

Vom Feuer zum Schmied: Es finden sich in den alten Schriften auch gleichzeitig die Schreibweisen Forrer und Fauré. Zum Namen Fauré sagen die Franzosen: Fabre. Und zu Fabre steht, dass es Schmied bedeutet. Womit sich der Kreis zum glühenden Eisen und zur Holzkohle der Köhler wieder schließt.

Hauswappen der Familie Führer zu Sax Sennwald in der Schweiz

Drei Flammen auf grünem Berg: Schweizer Hauswappen der Familie Führer

Diese Familie trägt ein altes Hauswappen. Ihr Schweizer Hauswappen bildete einen Hügel mit Feuer ab. In der Schweiz war es normal, dass Familien ein Wappen besaßen: Anders als in vielen anderen Ländern Europas war ein Wappen in der alten Eidgenossenschaft kein Vorrecht des Adels, sondern ein stolzes Brauchtum freier Bauern, Handwerker und Richter, die damit ihre Urkunden siegelten, ihre Häuser kennzeichneten und ihre bunten Fensterscheiben schmückten.

In der Wappenkunde (Heraldik) zeigt der Schild der Familie Führer aus Sax in Silber (Weiß) auf einem grünen Dreiberg drei aufsteigende, gewellte rote Flammen, wovon die mittlere überhöht ist.

Darin verbergen sich gleich mehrere tiefgründige Bedeutungen: Ein „redendes Wappen“ (Führ = Feuer): Das Wappen übersetzt den Schweizer Dialektnamen Führer / Fürer (abgeleitet von Führ/Füür für Feuer) unmittelbar in ein sichtbares Bild.

Wächter der Signalfeuer (Hochwachten): Auf den Berggipfeln über Sax und Sennwald lagen früher die strategisch wichtigen Hochwachten (Signalfeuerplätze). Drohte dem Tal Gefahr, wurden dort oben mächtige Wachfeuer entzündet, um die Burgen (wie Hohensax und Forstegg) sowie die Talschaft zu warnen. Die drei roten Flammen auf dem Berg stehen in der Überlieferung auch für das ehrenvolle Amt jener Wächter, die auf den Höhen das Signalfeuer hüteten.

Das Feuer der Kohlenbrenner & Schmiede: Die drei Flammen auf dem grünen Hügel erinnern vielleicht an die glimmenden Erdhügel (Meiler) der Kohlenbrenner am Waldrand sowie an das Schmiedefeuer (Fauré / Fabre).

Der grüne Dreiberg: Die drei grünen Kuppen symbolisieren die heimische Alpenwelt rund um Sax, die freie eigene Scholle und die tiefe Verwurzelung des Geschlechts in seiner Bergheimat.

Der weite Weg nach Osten: Die starke Ahnmutter Burga Disch

Meine ostpreußischen Vorfahren namens Führer kommen aus Sax | Sennwald | St. Gallen in der Schweiz. Ein Großteil meiner Vorfahren ist alpenländisch. Meine Schweizer Vorfahren waren alle reformiert (siehe unten Wissenskästchen).

Aufbruch in eine ungewisse Ferne: Vor 310 Jahren ist meine 8x Urgroßmutter Burga Disch (ca. 1660 in Maienfeld, Graubünden, geboren) mit ihren letzten 4 Kindern von Sax (Sennwald) im Kanton St. Gallen in der Schweiz bis ins ehemalige Ostpreußen gegangen, um ihren Kindern eine bessere und sichere Zukunft zu bieten, aber wohl auch, weil ein Zweig der Familie Führer beschlossen hatte, nach Ostpreußen auszuwandern.

Abschied nach schwerer Zeit: Ihr Mann Michel Führer (1660–1706 in Sax) war zu dem Zeitpunkt schon verstorben. In seinem Sterbeeintrag war vermerkt, dass er schon sein ganzes Leben krank gewesen war. Ich denke, wäre sie in Sax geblieben, hätte sie ihre letzten Kinder nicht durchgebracht.

Eine unvorstellbare Reise: 1726 ist sie bei Gumbinnen im ehemaligen Ostpreußen verstorben. Was für eine starke Frau, auch wenn sie im Kreise ihrer angeheirateten Familie ausgewandert ist. Viele sind auf dieser Reise verstorben. Ich weiß gar nicht, wie viele Kilometer es waren; aus Salzburg (Österreich) waren es 1.800 km. Daher wird es wohl aus der Schweiz auch eine Strecke von ähnlich vielen Kilometern gewesen sein.

Lebendiges Erbe: Meine Ahnenlinie

Die ostpreußische Familie Führer kam aus Sax, Sennwald, St. Gallen, Schweiz. Sie waren deutsch-reformiert. Sie wanderten 1712 von der Schweiz nach Ostpreußen aus.

🍂 Hans Führer 1580–1641 Sax ♾️ Anna Appenzeller | Beruf: Gerichtsältester (Richter)
🍂 Hans Führer 1628–? Sax ♾️ Margret Rhyner
🍂 Michel Führer 1660–1706 Sax ♾️ Burga Disch
🍂 Michel Führer 1697–? Sax/Gumbinnen ♾️ Margarethe Adank
🍂 Johann Georg Führer 1731–? Tublauken ♾️ Anna Elisabeth Scheyner
🍂 Johann Ludwig Führer 1762–1834 Grischkehmen/Wannaginnen ♾️ Barbara Geffke
🍂 Johann Führer 1800–? Wannaginnen ♾️ Eleonore Kellermann | Beruf: Wirt (Bauer)
🌾 Anna Maria Führer 1840–1891 Wannaginnen/Regellen ♾️ Carl Moritz


Was bedeutet deutsch-reformiert in Ostpreußen?

Das Erbe Zwinglis und Calvins: Während die meisten Menschen im alten Ostpreußen und auch die später eingewanderten Salzburger Exulanten evangelisch-lutherisch waren, brachten die Einwanderer aus der Schweiz ab 1710/1712 ihren reformierten Glauben (geprägt durch die Schweizer Reformatoren Huldrych Zwingli und Johannes Calvin) mit in die neue Heimat.

Schlichte Kirchen & Eigene Gemeinden: Im reformierten Brauchtum waren die Gottesdienste besonders schlicht gehalten. Ohne Altarkerzen, Bilder oder Kreuze, ganz auf das gesprochene Wort und den Gesang der Psalmen ausgerichtet. Da auch das preußische Königshaus, die Hohenzollern, reformiert war, erhielten die Schweizer Kolonisten große Privilegien.

Warum deutsch-reformiert? In Städten wie Gumbinnen, Judtschen oder Insterburg gründeten die Schweizer eigene deutsch-reformierte Gemeinden und führten eigene Kirchenbücher. Man nannte sie deutsch-reformiert, um sie sprachlich von den französisch-reformierten Gemeinden der Hugenotten zu unterscheiden, die zur selben Zeit in Ostpreußen angesiedelt wurden.


🪔 Auf alten Pfaden weiterwandeln:

Wächterfigur aus Stroh vor lodernden Flammen unter violettem Abendhimmel – Ein Sinnbild für Pflanzengeister und Naturmagie.

Hier schreibt Katja – eine Suchende zwischen den Welten. In stillen Nächten berge ich fast vergessenes Ahnenwissen aus alten Schriften und verbinde es mit der lebendigen Naturmagie meines Gartens. Hier im Celticgarden teile ich die Essenz dieser alten Pfade und das Raunen der Pflanzenseelen mit dir.