NEU! Nomen es Omen

Familienname Kruse: Lockenkopf & Gut Rohlstorf

Der Familienname Kruse ist wie der Wind an der Küste: Er gehört in den Norden. Wer in Schleswig-Holstein oder Ostfriesland in die alten Bücher schaut, begegnet diesem Namen oft. Doch wie bei jedem Nomen est Omen steckt hinter den Buchstaben eine Geschichte oder besser gesagt ein Bild. In meiner Ahnentafel führt dieser Familienname in den Kreis Segeberg und zwar in die Dörfer Quaal und Warder.

Locken & Lehm: Die doppelte Wurzel

Die Sprache unserer Vorfahren war bildhaft und direkt. Der Name Kruse lässt sich auf zwei wunderschöne, sehr unterschiedliche Ursprünge zurückführen. Er ist entweder ein Spiegelbild des Äußeren oder ein Zeugnis des Handwerks:

  • Das krause Haar: Oft leitet sich der Name vom mittelniederdeutschen Wort krūs ab, was „gelockt“ oder „kraus“ bedeutet. Ein Vorfahre mit besonders wildem, lockigem Haar bekam diesen Beinamen, der schließlich zum Familiennamen wurde. Er ist also der „Krause“.
  • Der Herr der Krüge: Eine andere Deutung führt uns in die Werkstatt. Das mittelhochdeutsche kruse bezeichnet den Krug. Hier könnte der Name einen Töpfer meinen, der diese Gefäße formte, oder einen Krugwirt, der aus ihnen ausschenkte.

Eines ist sicher: Es ist ein Name der Erde und der Menschen, fest verwurzelt im niederdeutschen Raum und bis hinauf nach Dänemark verbreitet.

Vom Adel & der einfachen Linie

Bei der Forschung stößt man oft auf das uradelige mecklenburgische Geschlecht von Kruse. Ein klangvoller Name, der jedoch 1848 in Deutschland erlosch und nur im schwedischen Zweig Kruuse af Verchou fortbestand.

Hier ist es wichtig, die Pfade sauber zu trennen: Meine Linie ist nicht mit diesen, noch mit den vorpommerschen oder livländischen Adelsfamilien verwandt. Meine Kruse-Ahnen waren keine Herren auf hohen Rössern, sondern Menschen, die mit ihren Händen arbeiteten und manchmal, wie mein 7x Urgroßvater, ein tragisches Schicksal im Dienst der Herrschaft erlitten.

Der Schuss auf Gut Rohlstorf

Ein besonderes Augenmerk liegt auf meinen 7x Urgroßvater, Henrich Kruse. Er diente als Koch auf dem adligen Gut Rohlstorf. Man kann sich vorstellen, wie er in den rußigen Küchen des 18. Jahrhunderts für das Wohl der Herrschaft sorgte.

Doch sein Ende kam nicht am Herd, sondern im Wald. Der Eintrag im Sterbebuch von 1763 lässt einen erschaudern: Er hat sich bei der Jagd „unversehens“ selbst erschossen. Ein Unfall? Ein Stolpern im Unterholz? Die alten Schriften schweigen leider über das Wie.

Der Sterbeeintrag von Henrich Kruse von 1763 im Kirchenbuch von Warder | ©CG

Hier ist die direkte Linie meiner Kruse-Vorfahren, die in den Gemeinden um den Wardersee lebten und wirkten:

🍂 Tim Kruse 1620–1689 Quaal ♾️ N.N.

🍂 Jacob Kruse 1650–1717 Quaal ♾️ Anke Siemsen

🍂 Hans Kruse 1680–1761 Quaal ♾️ Greta N.N.

🍂 Henrich Kruse 1719–1763 Quaal/Warder ♾️ Sophia Schwartz | Beruf: Koch auf Gut Rohlstorf

🌾 Johanna Sophia Kruse 1751–1815 Warder ♾️ Marcus Daniel Wriedt

Der Tod aus dem langen Lauf

Man mag sich fragen: Wie kann man sich mit einem Gewehr von 1763 selbst erschießen? Diese Vorderlader waren oft über 1,50 Meter lang. Viel länger als ein Arm reichen kann. Doch genau diese Länge und die tückische Technik der damaligen Steinschlossgewehre machten sie so gefährlich, besonders für jemanden wie Henrich, der als Koch vielleicht kein geübter Schütze war.

Historiker kennen drei klassische Szenarien für das unversehene Ende:

  • Der Zaun-Tod: Der häufigste Unfall damals. Man kletterte über einen Zaun oder durch dichtes Unterholz und zog das lange Gewehr an der Mündung hinter sich her. Ein kleiner Zweig oder ein Knopf an der Jacke verfing sich im Abzug und da die Mündung auf den Körper gerichtet war, geschah das Unglück.
  • Die fehlende Sicherung: Gewehre des 18. Jahrhunderts hatten keine Sicherung wie heute. Das Schloss lag offen. Ein Stoß, ein Fall oder ein ausgeleierter Mechanismus reichten, damit der Hahn auf die Pfanne schlug und den Schuss löste.
  • Die Tücke des Ladens: Da man Pulver und Kugel von vorne in den Lauf stoßen musste, beugte man sich oft über die Mündung. Wenn noch ein glimmender Rest vom vorherigen Schuss im Lauf war, entzündete sich das neue Pulver sofort.

Henrichs Tod war also vermutlich kein Akt der Verzweiflung, sondern ein tragischer Moment der Unachtsamkeit in einer Zeit, in der Werkzeuge unberechenbar waren.


🪔 Auf alten Pfaden weiterwandeln:

Wächterfigur aus Stroh vor lodernden Flammen unter violettem Abendhimmel – Ein Sinnbild für Pflanzengeister und Naturmagie.

Hier schreibt Katja – eine Suchende zwischen den Welten. In stillen Nächten berge ich fast vergessenes Ahnenwissen aus alten Schriften und verbinde es mit der lebendigen Naturmagie meines Gartens. Hier im Celticgarden teile ich die Essenz dieser alten Pfade und das Raunen der Pflanzenseelen mit dir.