
Historische Rezepte mit der Schlehe
Inhaltsverzeichnis
Die dunklen Beeren der Schlehe tragen das Wissen des herannahenden Winters in sich. Geerntet werden die Früchte erst nach den ersten, klirrenden Nachtfrösten. Die eisige Kälte der Natur nimmt ihnen den herben, stark zusammenziehenden Geschmack und macht sie wunderbar mild.
Oft liest man den Ratschlag, die Schlehen einfach in den Gefrierschrank zu legen, um diesen Prozess künstlich nachzuahmen. Doch diese schnelle Methode funktioniert so nicht. Wenn der natürliche Frost einsetzt, verziehen sich die herben Stoffe der Pflanze zurück in die Äste des Strauches. Dieser tiefe, natürliche Rückzug der Säfte kann in einer künstlichen Eistruhe einfach nicht passieren.
Wer die Beeren nach der frostigen Ernte für den Winter bewahren möchte, kann sie wunderbar trocknen. Dafür eignen sich der Dörrautomat, der leicht geöffnete Backofen oder, wenn du das Glück hast, einen zu besitzen, ein wohliger, alter Holzofen. Um in der dunklen Jahreszeit die eigenen Abwehrkräfte zu stärken, schöpften unsere Vorfahren tief aus diesen Früchten und bereiteten daraus stärkende Marmeladen, Säfte, Sirup oder Mus zu.

Schlehdorn-Marmelade: Ein Löffel voller Kraft
Für diese tiefrote, leckere Marmelade benötigst du zunächst 500 g Schlehen. Die Früchte werden behutsam gewaschen, halbiert und in 250 ml Wasser über Nacht ruhen gelassen, damit sie sich öffnen können.
Am nächsten Tag wird diese dunkle Mischung einmal aufgekocht und anschließend durch ein feines Sieb gestrichen. Das entstandene, weiche Schlehenmus kochst du nun zusammen mit 500 ml Weißwein und 750 g Gelierzucker kräftig auf. Noch heiß wird es in sterilisierte Gläser abgefüllt. Diese Marmelade schmeckt nicht nur wunderbar eingerührt in Naturjoghurt, sondern birgt auch eine alte Eigenschaft in sich: Nimmt man vor einer Mahlzeit einen kleinen Löffel davon zu sich, wirkt sie auf ganz natürliche Weise appetitanregend.
Der wärmende Schlehenlikör
Für kalte Winterabende am Feuer ist dieser Likör eine wahre Köstlichkeit. Wasche ein Kilogramm Schlehen, lass sie gut abtropfen und zerdrücke sie leicht. Zusammen mit einem Liter Wodka, einer aufgeschlitzten, duftenden Vanilleschote und einer Zimtstange wandert alles in ein großes, verschließbares Gefäß.
Dieser Ansatz darf nun für vier bis sechs Wochen an einem dunklen Ort ruhen und reifen. Danach wird die Flüssigkeit sorgsam herausgefiltert. Um den herben Geschmack sanft abzurunden, löst du 250 g Zucker in einem Viertelliter heißem Wasser auf und vermählst dieses süße Wasser mit dem Schlehenansatz. Fülle deinen Likör in schöne Flaschen um und lagere ihn dunkel und kühl.

Kräftigender Schlehensirup im Schwarztee
Dieser Sirup schenkt dir neue Abwehrkräfte und schmeckt ganz wunderbar als natürliches Süßungsmittel in einer Tasse tiefschwarzem Tee. Gib 500 g gewaschene Schlehen in einen Topf und füge so viel heißes Wasser hinzu, bis die Beeren gerade so bedeckt sind. Diese Mischung lässt du für einen vollen Tag in Ruhe stehen.
Am nächsten Tag gießt du den Saft ab, kochst ihn sprudelnd auf und gießt ihn direkt wieder über die wartenden Schlehen. Anschließend wird alles mitsamt der Früchte durch ein Sieb gegossen. Den so aufgefangenen Saft verfeinerst du nun mit einer Prise Zimt, etwas Nelkenpulver und 180 g Zucker. Koche die Flüssigkeit so lange ein, bis sich der Zucker vollständig gelöst hat und der Sirup ein wenig eingedickt ist. Zuletzt wird er in kleine, dunkle Fläschchen umgefüllt.
Rezept für Eifeloliven
Schwarzdornfrüchte können als Ersatz für Oliven verwendet werden. Sie heißen auch Schlehenoliven und werden nach alter Tradition hergestellt.
Zutaten:
- 500 g Schlehen
- 500 ml Wasser
- 1/2 Bund Thymian
- 1 Lorbeerblatt
- 10 Nelken
- 100 g Meersalz
Wasser mit Kräutern, Nelken und Salz aufkochen, bis sich das Salz löst. Die Schlehen in einem Gefäß mit dem heißen Sud übergießen und 2–3 Monate ziehen lassen.

Das alte Schlehenwasser & ruhender Gin
Das pure Schlehenwasser wurde früher ganz besonders von der ärmeren Bevölkerung, als stärkendes Lebenselixier geschätzt und viel getrunken. Dafür übergießt du frische Schlehen einfach dreimal mit kochendem Wasser und lässt das Ganze für einen Tag sanft durchziehen. Diese ausziehende Mischung lässt sich in der Erkältungszeit übrigens auch hervorragend als linderndes Gurgelwasser verwenden.
Der Schlehen-Gin
Für einen edlen Tropfen stichst du 250 g Schlehenfrüchte mit einem Holzspieß oder einer kleinen Gabel behutsam an. Fülle sie in eine bauchige Flasche und gib 50 g Zucker sowie drei ungeschälte, ganze Mandeln hinzu. Gieße alles mit Gin auf und verschließe die Flasche sehr gut.
In der ersten Zeit muss die Flasche täglich leicht geschüttelt werden, damit der Zucker sich langsam im Alkohol auflösen kann. Danach darf der Gin für ganze drei Monate ruhen und ziehen. Zuletzt wird er abgefiltert und in kleine Flaschen umgefüllt. Die vom Gin vollgesogenen Schlehen musst du nicht wegwerfen. Sie lassen sich wunderbar noch für winterliche Desserts oder als feine Beigabe weiterverwenden.
🌿 Ein Wort zur Achtsamkeit: Das alte Wissen rund um die Natur schenkt uns wunderbare Wegbegleiter. Bitte denke jedoch daran, dass diese überlieferten Kräuter- und Hausrezepte keinen ärztlichen Rat ersetzen. Achte stets gut auf dich und deinen Körper.

📜Wissenskästchen
Getrocknete Schwarzdornblätter wurden früher als Tabak-Ersatz verwendet. Aus Schlehen wurde auch Tinte hergestellt werden. Ein Rezept aus dem 12. Jahrhundert beschreibt, wie aus der Rinde von Schwarzdornzweigen durch Kochen, Einreduzieren und Versetzen mit Wein eine feste Tinte gewonnen wird, die nach Bedarf in Wein oder Wasser gelöst werden kann.
Tinte aus Schwarzdornzweigen
Im Frühling werden die Zweige geschnitten, getrocknet, um dann anschließend die Rinde abzumachen. Dann wird die Rinde in Wasser quellen gelassen. Wenn das Wasser eine rotbraune Farbe angenommen hat (ca. 3-5 Tage), wird die Flüssigkeit abgegossen und aufgefangen und aufgekocht.
Dann wird die Rinde wieder dem heißen Wasser hinzugefügt. Ihr solltet diesen Vorgang so lange machen, bis die Rinde regelrecht ausgelaugt ist. Dann kann sie aus dem Wasser entfernt werden. Nun wird dieser Sud langsam eingekocht und mit Wein versetzt.
Dann wird diese Masse in Pergamentsäckchen gegossen und in die Sonne gehängt. Dadurch erhält man eine sehr harte Masse, von der man nach Bedarf etwas abbricht und in sehr wenig Wein oder Wasser auflöst.

🪔 Auf alten Pfaden weiterwandeln:
- Der Schwarzdorn: Magisches Brauchtum & Hexenbann
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