
Die Walnuss: Schützende Magie, Orakel & alte Überlieferung
Inhaltsverzeichnis
Die Walnuss, auch Welsche Nuss oder die Nuss aus dem Welschland genannt. Unter Karl dem Großen wurde der Baum schon unter den häufig angepflanzten Obstbäumen angeführt. Das Wort „welsch“ stammt aus dem alten Germanischen. Ursprünglich nannten unsere Vorfahren damit die keltischen Nachbarstämme. Später ging der Begriff auf alle Völker über, die eine romanisierte Sprache sprachen, also vor allem die Römer, Italiener und Franzosen. Wenn die Altvorderen vom „Welschland“ sprachen, meinten sie in der Regel das heutige Italien oder Frankreich. Für sie war es die Welt jenseits der Alpen oder westlich des Rheins. Es war das Land, aus dem die römischen Legionen kamen, wo das Klima milder war, der Wein wuchs und andere Bräuche herrschten.
Die römischen Gärten (ab dem 1. Jahrhundert n. Chr.): Die allerersten Walnussbäume auf dem Boden des heutigen Deutschlands wurden von den Römern gepflanzt. Als sie sich ab etwa dem 1. Jahrhundert nach Christus am Rhein, an der Mosel und in Süddeutschland niederließen, brachten sie die Nüsse als nahrhaften Reiseproviant und wertvolles Pflanzgut mit. In ihren Siedlungen und um die Kastelle herum schlugen die ersten „welschen“ Nüsse ihre tiefen Wurzeln in die Erde.
Kostbares Tauschgut der freien Stämme: Die germanischen Stämme, die östlich des Rheins in den tiefen, unberührten Wäldern lebten (das sogenannte „freie Germanien“), sahen den Baum selbst anfangs noch gar nicht. Für sie kam die Walnuss in den ersten Jahrhunderten nach Christus zunächst nur als begehrtes Handelsgut über die Grenzen. Sie war ein seltenes Gut aus dem Welschland, das an den Grenzen beispielsweise gegen Felle oder Bernstein eingetauscht wurde.
Das eigene Anpflanzen (vermehrt ab dem Frühmittelalter): Dass die Nachfahren der Germanen (wie die Franken oder Alemannen) begannen, den Walnussbaum selbst großflächig an ihren eigenen Höfen und Siedlungen zu kultivieren, passierte als langsamer Übergang. Ein wirklicher Wendepunkt, durch den die Pflanze flächendeckend heimisch wurde, war das späte 8. Jahrhundert. Karl der Große wies in seiner berühmten Landgüterverordnung (Capitulare de villis) ganz ausdrücklich an, Walnussbäume auf den kaiserlichen Gütern anzupflanzen.
Zwischen Göttern & Mythen
Die Germanen hatten den Walnussbaum Frô, dem Gott der Liebe und des Erntesegens, geweiht. Auch Donar, dem Spender des befruchtenden Regens, wurde dieser zugesprochen. Er tritt somit nach dem Glauben unserer Vorfahren der Eiche, die dem Licht- und Blitzgott geweiht war, gegenüber. Aus diesem Grund herrscht zwischen der Eiche und der Walnuss eine so bittere Feindschaft, dass sie nicht nebeneinander wachsen können, ohne zugrunde zu gehen.
Die Walnuss galt im Mittelalter, ebenso wie Apfel und Haselnuss, als ein Sinnbild der Fruchtbarkeit und des Lebens:
Wir finden daher bei den Römern sowohl als auch bei unseren Vorfahren den Gebrauch, Nüsse vor einen Hochzeitszug zu streuen. Der Genuss von Walnüssen soll stärken und die Neigung der Ehegatten zueinander befestigen. Ein alter Spruch lautet: „Viel Nüsse, viel Bengel.“
In einigen Gegenden warfen Brautleute am 24. Dezember Walnüsse ins Feuer. Brennen diese still, so gab es eine friedliche Ehe, krachten sie aber auf, so wird es im neuen Hausstand Zank und Streit geben.
In Oberösterreich warfen die Mädchen Holzscheite auf die Nussbäume, um zu sehen, wann sie Hochzeit feiern. Bleibt der Holzscheit hängen, so heiraten sie noch im selben Jahr.
Ein Walnussbaum spielte eine gewisse Rolle bei der Einführung des Christentums im ehemaligen Pommern bei den Slawen. Er stand in Stettin bei dem Tempel des Gottes Triglaw und galt als dessen Wohnung. Um den Heiden die Ohnmacht ihrer Götzen zu zeigen, ergriff der Bischof Otto eine Axt und wollte den Baum fällen. Gleichzeitig erfasste aber auch ein Pommer ein Beil und schlug damit gegen den Kopf des Bischofs. Der Hieb ging jedoch fehl, und das Beil fuhr so tief in den Stamm, dass man es nicht wieder herausziehen konnte. Nun ließen die Heiden ohne weiteren Widerstand zu leisten den Walnussbaum fällen, und viele von ihnen traten zum Christentum über.
Woanders liest man eine sanftere Geschichte: Als Otto von Bamberg die heidnischen Heiligtümer und die Statue des Triglaw zerstören ließ, wollte er ursprünglich auch den heiligen Baum fällen. Die Einwohner Stettins baten ihn jedoch inständig, den Baum zu verschonen. Der Bischof bewies diplomatisches Geschick und Großmut: Er ließ den Walnussbaum stehen. Er knüpfte dies jedoch an die Bedingung, dass die Menschen schwören mussten, den Baum nicht mehr religiös zu verehren oder für Orakel zu nutzen. Stattdessen sollten sie sich fortan einfach nur noch an seinem Schatten und seinen Früchten erfreuen.

Praktische Magie: Von der Speisekammer zum Kräutertabak
Man rechnete ihn zu den Eicheln tragenden Bäumen, deren Früchte in frühester Zeit einen Hauptbestandteil der menschlichen Nahrung ausmachten. Der Walnussbaum kommt nicht so oft in der freien Wildbahn vor. Daher muss man ihn suchen. Von Mai bis Juni werden die Blätter und die unreifen Nüsse gesammelt. Die beliebten Walnüsse erlangen ihre Vollreife ab Herbst. Eine Verwechslung könnte mit der Rosskastanie, vor allem die, die keine stacheligen Früchte haben, und der Weide vorkommen, wenn man nach den Blättern geht. Es kommt aber eher selten vor.
Tee aus harten Schalen: Leere Walnussschalen wurden früher zum Anzünden der Holzöfen gesammelt, aber auch andere Nussschalen, wie von Mandeln und Haselnüssen. In manchen Regionen hat man die harten Walnussschalen gesammelt und ausgekocht, um einen leckeren goldgelben Tee zu bekommen. Erst danach kamen sie zum Verfeuern. Dafür wurden sie reichlich in der Natur gesammelt.
Schutz vor Plagegeistern: Frische Walnussblätter halten Mücken und andere Insekten auf Abstand. Daher kann man den Walnussbaum dort pflanzen, wo man im Garten abends sitzt. Und wenn der Platz dazu nicht da ist, kann der Walnussbaum auch in einen großen Topf gesetzt werden.
Kräutertabak: Genauso kann man sich aus den getrockneten Blättern einen Kräutertabak zubereiten. Dafür werden sie vom Frühjahr bis zum Hochsommer gesammelt.
Alte Überlieferung & Schutzmagie
Auch im landwirtschaftlichen Orakel erscheinen die Walnüsse häufig:
Viele Walnüsse im Herbst deuten auf einen frühen und strengen Winter.
Stellt man vor Weihnachten vier mit Wasser gefüllte Walnussschalen unter den Tisch, dann kann man aus dem Grad der Verdunstung erkennen, wie sich die Jahreszeiten des kommenden Jahres bezüglich der Feuchtigkeit verhalten.
Im alten Glauben wurde besonders das Fieber oder die Gicht auf den Walnussbaum übertragen:
Nach einem sehr weit verbreiteten Brauch ging man vor Sonnenaufgang zu einem Walnussbaum, schnitt einen Splitter aus dem Stamm, steckte einen Zettel, auf dem der Name des Kranken stand, in den Spalt und sprach: „Nussbaum, ich komme zu dir, nimm meine 77erlei Fieber von mir, ich will dabei verbleiben.“ Dann fügte man den herausgeschnittenen Splitter ein, damit er wieder mit dem Stamm verwächst.
In Unterfranken verkeilte man die Schwindsucht (Lungentuberkulose) frühmorgens auf der Ostseite eines Walnussbaumes bei zunehmendem Mond.
Gegen Fieber schrieb man in Brandenburg auf Walnussblätter die Worte: „Gott sei mir gnädig, Gott helfe mir“ und gab die Blätter dem Kranken, der sie ungelesen essen musste.
Der Walnussbaum war in der Überlieferung schon immer tief verankert:
Schutz vor dunklen Energien: Auf den westlichen Inseln Schottlands sind Walnüsse ein Schutzmittel gegen den Bösen Blick. Dafür wurde eine reife Walnuss in der Tasche bei sich getragen. Genauso kann man auch die Zweige vor einem Fenster aufhängen.
Blitzschutz: In Westfalen legte man einen dicken Ast auf den Herd, um vor Blitzeinschlag geschützt zu sein. Man glaubte generell, dass kein Blitz in einen Walnussbaum einschlägt.
Altes Hexenwissen: Aus früherer Zeit kommt auch das Ahnenwissen, dass man eine Walnuss unter den Stuhl einer Hexe legen soll, damit sie sich nicht mehr bewegen kann. Der Walnussbaum galt in der alten Überlieferung oft als Hexenbaum, unter dem sie sich versammelten.
Rituale für das Unglaubliche: In Zürich glaubte man, wenn man drei Pferdezähne unter einem Walnussbaum vergräbt und dieser abstirbt, so stirbt derjenige, den man im Sinne hatte. Und im Aargau hieß es, wenn man den bloßen Kern einer Walnuss in ein Stück Birkenrinde wickelt und in die Erde gräbt, so wächst ein Walnussbaum, der Früchte ohne Schalen trägt.
Der Polterabend: Das Wort Polterabend soll daher kommen, dass man früher einen Korb voller Walnüsse in das Schlafgemach der frisch vermählten Brautleute polterte, weil die Walnuss ein großes Symbol der Fruchtbarkeit in der damaligen Zeit war.
Damit schließen sich die alten Überlieferungen um den majestätischen Walnussbaum. Ich hoffe, dieser kleine Ausflug in das alte Wissen hat euch gefallen. Vielleicht spürt ihr ja nun einen Hauch der Magie vergangener Tage, wenn ihr das nächste Mal eine geerntete Walnuss in den Händen haltet. Ich wünsche euch eine reiche und zauberhafte Walnuss-Ernte.
Auf alten Pfaden weiterwandeln
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