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Der Baum der Liebenden: Die Linde im Brauchtum
Nach einem alten Glauben verwandelt sich jede Frau nach ihrem Tod in eine Linde und der Mann in eine Eiche. Weil die Eiche als Sinnbild der Kraft und des Mutes gilt, so ist die Linde ein Symbol der Sehnsucht und Zärtlichkeit, der Liebe. In zahlreichen Liedern und Gesängen wird sie verherrlicht. Als Baum der Liebe fand die Linde einen würdigen Platz auf den Gräbern der Geliebten.
Bei den Germanen, Slawen und den Kelten war die Linde ein Familienbaum. Sie war in uralter Zeit der Göttin der Liebe, Frigga oder Holda geweiht. Unter den Zweigen der Linde wurden Gerichte und Feste abgehalten. Die Jüngeren versammelten sich dort zum Spiel, die Alten zu Gesprächen. Im Mittelalter fanden auch Trauungen unter Linden statt.
Die Gerichtslinde: Wahrheit und Schutz
Die Linde galt auch als Schutzbaum gegen Blitzeinschläge und Dämonen und wurde oft auf Höfen gepflanzt, um als Schicksalsbaum der Familie zu funktionieren. Man glaubte, wenn die Hoflinde einging, dass auch dann die ganze Familie ins Verderben gerät.
Linden sieht man heutzutage noch auf Dorfplätzen, weil unter ihnen das „Recht“ gesprochen wurde (Gerichtslinde). Es wurde geglaubt, dass nur unter ihr die Wahrheit ans Licht kommt. Das Lindenblatt war ein Symbol des freien Mannes.
Magie im Alltag:
- Schutz vor Unheil: Ältere Lindenblüten nicht wegschmeißen. Sie können in kleine Stoffbeutelchen genäht und im Haus versteckt werden. Sie sollen vor unüberdachten Taten schützen.
- Gegen Zauber: Lindenbast sichert vor Zauberwerken. Lindenasche auf den Äckern vor Ungeziefer.
- Stall-Schutz: Behexte Stalltiere „schlägt“ man mit Lindenruten, die auch die Hexe treffen.
Die Kelten und auch die Germanen fertigten ihre Schilde aus dem Holz der Linde an und bemalten sie mit bunten Farben. Daher kommt auch der Begriff „etwas schildern“.

Linde räuchern: Herzöffnung und Geborgenheit
Mit Lindenblüten zu räuchern war schon bei den Germanen und Slawen bekannt. Ein Räucherwerk von Lindenblättern wurde zu damaliger Zeit gegen Dämonen und Hexen verräuchert.
Wirkung auf die Seele: Eine Lindenblüten-Räucherung öffnet das Herz und lässt geistigen Wohlstand hineinbringen. Wir erreichen dadurch Gelassenheit und unsere Ängste schwinden vor neuen Aufgaben. Wenn diese neuen Aufgaben im Raum stehen und wir uns bei ihrem Gedanken ein bisschen unwohl fühlen, ist die Räucherung der Lindenblüten ein Nährboden unseres Geistes.
Wenn unsere Herzen verhärtet sind, ist diese Räucherung unsere Öffnung für eine andere Sichtweise. Wenn wir von unserem Umfeld nur mentale Kälte erfahren, ist eine Lindenblätter-Räucherung unser Seelentrost. Der Rauch gibt uns ein Gefühl von Geborgenheit und sich fallen lassen. Erschöpfte Seelen finden in diesem Räucherwerk ihre „Auferstehung“. Ihre Pflanzenseele ist sanft und gütig und zeigt uns den richtigen Weg.
Tipp für Paare: In Beziehungskrisen mit dem Partner sind Linden-Räucherungen sehr angebracht, zumal dieser schöne Baum auch im Zeichen der Ehe steht. Ein Räucherwerk der Lindenblüten lässt zudem Wohlstand und Reichtum ins Haus fließen.
Magische Ernte & Mischungen
Nicht nur mit Lindenblüten räuchern kann man, sondern auch mit den Blättern, Rinde und dem Holz. Alle Räucherzutaten müssen vorher getrocknet werden.
Magische Sammelzeit: Ihre magische Sammelzeit ist in der Sommersonnenwende. Man sammelt diese wunderbare Pflanzenseele nur an sonnigen Tagen und am besten zur Mittagszeit, damit sich die ätherischen Öle gut entfalten können und reichlich enthalten sind. Das Sammelgut wird im Schatten getrocknet. Die Blüten sind kurz nach dem Aufblühen am wirkungsvollsten für unser Räucherwerk.
Mischungen:
- Liebes-Räucherung: Die Linde mischt sich gut mit Brombeerblättern, Ysop und/oder Himbeerblättern.
- Schlaf-Räucherung: Eine Räuchermischung aus getrockneten Lindenblüten und Lavendel lässt uns tief schlafen.


