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Der Teufelsabbiss (Succisa pratensis), der im alten Mecklenburg auch Peterskraut genannt wurde, war unserem früheren Gott Donar geweiht; mancherorts auch Wodan. Man kann es an seinen christlichen Sagen und auch Trivialnamen, wie Donnerblume erkennen. Blaue, rote und violette Blüten (wie auch Eisenhut oder Wegwarte) wurden im alten Zauberglauben oft dem Gewitterhimmel und damit Donar (Thor) zugeordnet. Sie galten als „Blitzableiter“ und Schutzpflanzen. Wer sie bei sich trug, stand unter Donars Schutz.
⚔️Der Schutz im Stall
Besonders diente der Teufelsabbiss gegen die Verhexung der Tiere. Gegen Hexen im Stall musste der Teufelsabbiss, der von Schwarzkünstlern oft gebraucht wurde, im Boden des Stalls eingegraben werden. Der Bauer nahm aber dazu die (sehr selten vorkommende) weißblühende Art des Teufelsabbisses, um die weiße Kunst anzuwenden.
Gegen den „Augstall“ (Augenkrankheit des Stalltiere) wurden die Tiere mit verschiedenen „Augstallkräutern“ abgeräuchert, darunter der Teufelsabbiss, Kornblume oder auch das Zittergras. Am Vorabend der Walpurgisnacht wurde der Teufelsabbiss ins Tierfutter gemischt, damit die Hexen nicht ihr Unwesen trieben; mit den Tieren. In Tschechien grub man den blühenden Teufelsabbiss aus und hing ihn im Stall auf. Das sicherte die Tiere vor allem Unheil.
Pferde wurden mit Teufelsabbiss abgeräuchert. Zu einem Räuchermittel gegen Hexen nahm man im alten Mecklenburg:
- Teufelsabbisswurzel
- Sumpfschafgarbe
- Allermannsharnischwurzel
- Teufelsdreck
- Schwarzer Kümmel
Wenn man die Wurzel zusammen mit de Weinraute und dem Widerton, um den Hals hing, dann konnte der Schratel die Stallschwelle nicht
überschreiten. (Der Schratel (auch Schratl, Schrat, Schratzel oder Schrazel) ist ein Wesen aus dem deutschsprachigen Volksglauben, der vor allem in Bayern und Österreich (Steiermark, Kärnten) tief verwurzelt ist. Er wird oft als ein Naturgeist, Kobold oder eine Art Waldzwerg beschrieben.)

🧿Allerlei Spökenkram
Bis weit ins 19. Jahrhundert wurde der Teufelsabbiss, genauer seine Wurzeln noch in Apotheken geführt. Er hieß zu damaliger Zeit „Morsus Diaboli“, was Teufelsbiss heisst. Er war ein Kraut gegen Allerlei angezauberter Krankheiten. Im Malefixpuler, sowie auch Räucherungen war diese Wildpflanze sehr oft vertreten.
- Bei den damaligen keltischen Bewohnern der Insel Man und bei den Slowenen galt der Teufelsabbiss, als Zaubermittel gegen den Bösen Blick.
- In Süddeutschland war diese wunderschöne Pflanzenseele öfter ein Bestandteil des an Maria Himmelfahrt geweihten Kräuterbündels.
- Wer die Wurzel bei sich trug, den vermag der Teufel und böse Weiber (Hexen), nichts anhaben.
- Unter den Tisch geworfen, sollen sich die Gäste zanken und schlagen. So der alte Glaube.
- Vom Teufelsabbiss nahm vier bis fünf Wurzeln, zerschnitt sie und hing diese Wurzelstücke an einem Faden um den Hals. Sobald sie vertrocknet waren, wurden die Augen besser. Danach warf man die Wurzeln in fließende Gewässer.

🌿Magisches Gartenwissen
Die magische Sammelzeit der Wurzel ist in der Sommer-Sonnenwende, dem alten Donarfest, bis 12 Uhr nachts. Sowie auch am Vorabend des ersten Maitags, wurde die Wurzel ausgegraben, um alles Unheil in die Flucht zu jagen, wie eben den Teufel.
Sein Wesen liebt es feucht und moorig, aber er lässt sich auch in einem Topf kultivieren, wobei man öfters wässern muss. Sein Standort kann halbschattig sein. Er verträgt die Morgen- und Abendsonne besser, als die Vollsonne zur Mittagszeit. Ich habe mir den Teufelsabbiss, vor ein paar Jahren, in den Garten geholt um zu schauen, wie er sich in meinem Wildgarten macht. Leider ist er sehr anfällig für Mehltau, wenn er in Töpfen wächst oder auch zu schattig steht.
Seine wunderschönen Blüten kommen relativ spät. Ab August erscheinen sie sehr zahlreich an einer Pflanze, die zum Anfang aussehen, wie kleine Knöpfe mit einer atemberaubenden blauvioletten Farbe. Diese Blütenstängel können bis zu 50 cm hoch werden. Seine Blätter sind am Grund und haben eine längliche Form. Wir können sogar Glück haben, das manchmal eine weiße Blüte erscheint, die unseren Vorfahren für die Weiße Magie dienlich war.
Wild wachsend finden wir den Teufelsabbiss auf Moorwiesen, sowie an Auen oder Flussufern. Dort ist seine Heimat, wo wir ihn nicht sammeln dürfen, da er auf der Vorwarnstufe der Roten Liste steht. Um unserer Natur nicht zu schaden, sollten wir diese höchst magische Pflanzenseele selber in unseren Gärten anpflanzen, um sie zu verwenden oder als schönen Gartenbewohner anzusehen.
🪔Teufelsabbiss als Räucherwerk
Ein altes Räucherwerk unserer Urgroßeltern bestand aus Teufelsdreck (Asa foetida), Teufelsablass (Valerianella olitoria) und Teufelsabbiss (Succisa pratensis). Es wurde gegen Hexerei und dem Berufen verräuchert. Es wurde auch unter die Haustürschwelle vergraben oder durch ein Bohrloch in einem Balken eingefügt. Im Allgemeinen können wir dieses Räucherwerk als stark unheilabwehrend ansehen und da der Teufelsabbiss Gott Donar geweiht war, wurde es bestimmt bei herannahendem Gewitter ins Herdfeuer gestreut.

📜Die Sagen um den Teufelsabbiss
Weit verbreitet ist die Sage, das der Teufel dieser Pflanze, deren Heilkraft er den Menschen nicht gönnte, die Wurzel abgebissen habe, ähnlich wie er die Blätter des Johanniskraut mit einer Nadel durchstochen hat. Nach Petrus Hispanus (13. Jh., Verfasser des „,‚Thesaurus Pauperum‘‘) soll Gott dem Heiligen Bonifatius den Teufelsabbiss, als Mittel gegen Halsbräune (Diphterie) geoffenbart haben. In Est- und Lettland biss der Heilige Petrus, als er einst starke Leibschmerzen hatte, die Wurzel ab.
Eine christliche Sage aus Frankreich erzählt uns: Einst heilte der Heilige Michael mit dem Kraut die Wunden, die er im Kampf mit dem Teufel erhalten hatte. Da schnitt dieser aus Zorn der Pflanze die Wurzel ab.
Ein junger Arzt verschrieb sich dem Teufel, der ihn dafür die Heilkraft der Kräuter lehrte. Da aber der Teufel fürchtete, der Arzt könnte ihm jetzt durch sein Wissen abtrünnig werden, machte er ihn blind. Der nun blinde junge Arzt fand aber trotzdem das Kraut, band 7 Stück in ein Büschel zusammen, hing es auf den Rücken und erlangte das Augenlicht wieder. Zornig biss daher der Teufel dem Teufelsabbiss die
mittlere Wurzel ab. Aber das half ihm nichts, der Teufelsabbiss war noch immer gut gegen jede Augenschwäche.
In Russland wurde die Sage so erzählt, das Gott, als der Teufel dem Menschen den Finger abbeißen wollte, ein Kraut erschuf, das alle Wunden heilte. Daraufhin biss der Teufel diesem Kraut die Wurzel ab. Gott ließ dafür dem Teufelsabbiss viele kleine Wurzeln wachsen.
Aus dem damaligen Böhmen ist folgende Sage bekannt: Vor Zeiten hat der Teufel mit dieser Wurzel einen so großen Unfug getrieben, dass sich die Mutter Gottes, der leidenden Menschheit erbarmte und dem Teufel diese Kraft nahm. Darüber erbost, biss er die Wurzel unten ab und so wächst sie heute noch. Der Teufel soll aber noch alljährig am Johannistag diese Wurzel benagen, weil dadurch seine Kräfte, die er im Winter einbüssen muss, wieder zunehmen.

🪄Wissenskästchen
Der Erzengel Michael ist in der Christianisierung nicht einfach „zufällig“ so wichtig geworden. Er wurde ganz gezielt als Erbe und Nachfolger der alten, heidnischen Götter eingesetzt, um deren Kultplätze und Aufgaben zu übernehmen. Er ist quasi der „christliche Mantel“, unter dem die alten Götter weiterlebten. Besonders bei den germanischen Völkern verschmilzt Michael mit Wodan (Odin) und teilweise auch mit Donar (Thor).
Das Thing: Der Michaelstag (29. September) liegt in einer Zeit, die für unsere Ahnen extrem wichtig war. Denn es war das Ende der Ernte und der Beginn der dunklen Jahreshälfte. In dieser Zeit hielten die germanischen Stämme oft ihre großen Versammlungen (das Thing) ab, um Recht zu sprechen. Wodan war als Gott der Weisheit und des Krieges der Schirmherr dieser Versammlungen. Der Heilige Michael übernahm diese Rolle, als Patron des Volkes (später „Der deutsche Michel“) und Wächter der Gerechtigkeit (Waage).
- Der Seelengeleiter: Im alten Glauben holte Wodan die Gefallenen vom Schlachtfeld oder begleitete die Toten in die Anderswelt.
- Christliches Pendant: Michael ist derjenige, der die Seelen an der Himmelspforte empfängt und mit der Seelenwaage wiegt. Er geleitet sie ins Licht.
- Der Anführer der „Wilden Jagd“: Im Herbst und Winter, wenn die Stürme brausen, zog Wodan mit seinem Geisterheer (der Wilden Jagd) über den Himmel.
- Christliches Pendant: Michael wurde zum „Heerführer der himmlischen Heerscharen“ ernannt. In vielen Volkssagen wurde aus Wodans Jagd plötzlich „Michaels Heer“.
- Die heiligen Berge: Wodan wurde oft auf Bergen und Höhen verehrt (dem Himmel nah).
- Christliches Pendant: Fast alle Michaels-Kapellen stehen auf Bergen oder Hügeln (z.B. Mont-Saint-Michel, Michaelsberg). Archäologen finden unter diesen Kapellen oft alte, heidnische Opferstätten
Bei Petrus ist die Sache sogar noch spannender als bei Michael. Er ist derjenige, der an der Schwelle steht. Während Michael (als Wodan-Erbe) draußen in den Stürmen kämpft und die Seelen führt, ist Petrus (als Donar-Erbe) der sesshafte Wächter, der entscheidet, wann die Erde Wasser bekommt und wer eintreten darf. Er ist der gemütlichere, bäuerliche Gegenpart zum kriegerischen Michael.
Wenn wir heute sagen „Petrus hat schlechte Laune“ (bei Gewitter) oder „Petrus öffnet die Schleusen“ (bei Regen), dann sprechen wir eigentlich von Donar (Thor), dem Wettermacher.
- Der Donner: Im Volksglauben heißt es oft, wenn es donnert, „kegelt Petrus“ im Himmel. Das ist die direkte Übersetzung des alten Bildes von Donar, der mit seinem polternden Ziegenwagen über das Himmelsgewölbe fährt.
- Der Regen: Donar war der Herr über den Regen, der die Felder fruchtbar macht. Da Petrus die „Schlüssel zum Himmelreich“ hat, dichteten ihm die Bauern einfach an, er könne damit auch die „Wasserschleusen“ des Himmels auf- und zuschließen. Er wurde so zum neuen Wettergott.
Fazit:
So können wir den Teufelsabbiss besser in die alte Mythologie einordnen und welchen Göttern er mal geweiht war. Der Teufelsabbiss gehörte definitiv in den Wodan- und Donarkult, welches auch seine Sammelzeit bezeugt, wie die Sommer-Sonnenwende. Wenn wir heute eine Michaels-Statue ansehen, blicken wir eigentlich in das Gesicht eines christianisierten Wodan. Er trägt das Schwert des Kriegers, die Waage des Richters und hat die Flügel des Boten. Es sind alles Attribute, die früher dem Allvater und Wanderer zwischen den Welten gehörten.
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