
Germanen oder Kelten: Wer waren die Walser?
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Die Walser waren ein stolzes, freiheitsliebendes Bergvolk des Mittelalters, das sich auf das Überleben in den extremsten Höhenlagen der Alpen spezialisiert hatte. Einige von meinen Vorfahren kamen aus Sax (Schweiz), die walserische Wurzeln in sich trugen.
Ursprünglich waren die Walser Germanen. Genauer gesagt gehörten sie zum westgermanischen Stamm der Alemannen. Doch ihre Geschichte ist eine faszinierende Verschmelzung zweier alter Welten:
- Der alemannische Zug über die Pässe: Im 8. und 9. Jahrhundert wanderten alemannische Großfamilien aus dem Berner Oberland über die hohen Gebirgspässe, wie den Grimselpass nach Süden in das obere Rhonetal. Das heutige Oberwallis, die Region Goms.
- Das keltisch-rätische Erbe der Berge: Im Wallis trafen diese Menschen auf eine bereits ansässige, romanisierte Bevölkerung aus Kelten und Rätern. Über die Jahrhunderte vermischten sich die einwandernden Alemannen mit diesen alten Alpenbewohnern.
- Sprache & Blut: Sprachlich setzten sich die Alemannen durch, das Walserdeutsch (Höchstalemannisch) ist einer der altertümlichsten deutschen Dialekte überhaupt, der bis heute mittelhochdeutsche Klänge bewahrt hat. Genetisch und in ihrem Ahnenwissen über die Bergwelt trugen die Walser jedoch sowohl das germanisch-alemannische als auch das uralte keltisch-alpine Erbe in sich.
Woher sie kamen: Die große Walserwanderung
Der Name Walser ist eine Kurzform von Walliser, also die aus dem Wallis Kommenden. Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert geschah in den Alpen etwas ganz Ähnliches wie bei dem Familiennamen Dencker in Holstein: Das enge Oberwallis wurde für die kinderreichen Sippen zu klein.
- Der Ruf der Landesherren: Während die Täler der Ostschweiz, Graubündens und Vorarlbergs längst besiedelt waren, lagen die rauen, bewaldeten Hochtäler über 1.200 bis 2.000 Metern noch völlig wild und unberührt da. Die dortigen Burgherren, wie die Grafen von Werdenberg-Sargans und die Freiherren von Hohensax über Sennwald, riefen die wetterfesten Walser ins Land, um diese Wildnis urbar zu machen.
- Spuren rund um Sax und Maienfeld: Ab etwa 1300 zogen Walser-Familien über das Prättigau und das Rheintal direkt in die Heimat meiner Vorfahren: Sie siedelten am Triesenberg (Liechtenstein), auf Palfries, im Calfeisental, in Valzeina und Maienfeld, sowie an den steilen Berghängen der Herrschaft Sax-Forstegg.
Was sie mitbrachten: Das Walserrecht & Altes Handwerk
Die Walser kamen nicht als arme Bittsteller, sondern brachten unschätzbare Fähigkeiten und ein eigenes Rechtssystem mit, das sogenannte Walserrecht.
- Persönliche Freiheit: Ein Walser war niemals leibeigen. Sie ließen sich von den Landesherren brieflich garantieren, dass sie als freie Bauern auf ihrem gerodeten Land lebten.
- Freizügigkeit & Eigenes Gericht: Sie durften frei heiraten, weiterziehen und wählten aus ihren eigenen Reihen ihren Ammann und ihre eigenen Richter. Genau wie mein 9x- Urgroßvater Hans Führer (1580–1641), der in Sax als Richter und Gerichtsältester wirkte!
- Die Pflicht zum Kriegsdienst: Als Gegenleistung für ihre Freiheit und niedrige Steuern stellten sich die wehrhaften Walser den Burgherren als gefürchtete Gebirgskrieger, Grenzwächter und Hüter der Hochwachten (Signalfeuer) zur Verfügung.
- Meister des Holzes und des Feuers: Sie brachten die Kunst des Blockbaus (aus schweren, sonnenverbrannten Lärchen- und Fichtenstämmen) mit, legten waghalsige Wasserleitungen an steilen Felswänden an und waren begnadete Kohlenbrenner (Köhler) und Bergleute, die das Holz der steilen Bergwälder in wertvolle Schmiedekohle verwandelten.

Altes Brauchtum & Überlieferung der Walser
Weil die Walser oft auf einsamen, weit verstreuten Einzelhöfen hoch über den Dörfern der Talbewohner lebten, bewahrten sie sich ein tief verwurzeltes, mystisches Brauchtum und einen Alten Glauben, der eng mit den Naturgewalten der Berge verwoben war.
- Hauszeichen & Wappenstolz: Jede Walserfamilie führte ein eigenes Hauszeichen (eine Hausmarke), das mit dem Messer in jedes hölzerne Milchgefäß, in die Hausbalken und Grenzsteine geschnitzt wurde. Daraus erwuchsen später stolze freie Hauswappen, wie die drei roten Flammen auf dem grünen Dreiberg der Familie Führer aus Sax.
- Die Totenbahre und die gefrorene Erde: Wenn auf den hochgelegenen Walserhöfen im tiefen Winter jemand starb, waren die Wege ins Tal zur Kirche oft monatelang durch meterhohen Schnee und Lawinen versperrt. Nach altem Brauchtum wurde der Verstorbene dann in ein weißes Leinentuch gehüllt und unter dem Dachvorsprung des Hauses oder in einer Schneekammer in der eisigen Höhenluft aufbewahrt, bis im Frühjahr die Schneeschmelze einsetzte und man die Ahnen auf dem Rücken hinab zum Kirchhof tragen konnte.
- Das Alpsegen-Rufen (Betruf): Auf den Walser Alpen hielt sich die Überlieferung des abendlichen Alpsäges. Bei Einbruch der Dunkelheit trat der Senne vor die Hütte und rief durch einen hölzernen Milchtrichter (Folli) einen uralten, singenden Schutzspruch in alle vier Himmelsrichtungen über die Bergweiden, um einen unsichtbaren Bannkreis gegen Unwetter, Steinschlag, Wölfe und nächtliche Berggeister um Hof und Vieh zu legen.
- Geisterzüge & Gratzug: Im Ahnenwissen der Walser lebte die Vorstellung, dass die Seelen der Verstorbenen nicht sofort verschwinden, sondern in klaren Nächten über die Berggrate und Gletscher wandern. Man stellte ihnen in bestimmten Winternächten (besonders in den Rauhnächten) noch warme Speisen oder Rahm auf den Tisch und achtete streng darauf, abends kein Werkzeug mit der Schneide nach oben liegenzulassen, damit sich die wandernden Seelen der Ahnen nicht daran verletzen.
- Nachbarschaftshilfe (Gemeinwerk): In der rauen Bergwelt konnte niemand allein überleben. Beim Bau eines neuen Holzhauses, beim Heuen am steilen Abhang oder wenn eine Witwe mit ihren Kindern zurückblieb, griff das eiserne Gesetz der Walser Sippenhilfe.
🪔 Auf alten Pfaden weiterwandeln:


