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Ruta Graveolens: Die stark Riechende und das Totenkraut
Die Weinraute heißt mit botanischem Namen: Ruta graveolens. Ruta bedeutet „Raute“. Graveolens leitet sich ab von gravis, was „stark“, und olere, was „riechen“ heißt. Also eine Raute, die stark riecht – und das tut sie. Schon, wenn man an ihr vorbeigeht und sie nur leicht berührt, kommt ihr Eigengeruch in die Nase.
Medizin und Schutz im Mittelalter:
- Gegen Gift: Im ausgehenden Mittelalter nahm man die Weinraute als Zaubertrank oder als Gegenmittel gegen tierische und pflanzliche Gifte.
- Verhütung: Sie wurde in der damaligen Zeit für Schwangerschaftsabbrüche oder auch bei der Empfängnisverhütung verwendet.
- Kloster-Käfige: Im 17. Jahrhundert wurde die Weinraute in Klöstern mit Käfigen geschützt, weil die Mädchen die Pflanzen stahlen, um einen Schwangerschaftsabbruch oder Empfängnisverhütung zu vollziehen.
- Seuchenschutz: Diese Pflanze wurde auch in den Gerichtssälen aufgestellt, um eine Ansteckung des Fleckentyphus zu verhindern. Drei Blätter gemischt mit einer Knoblauchzehe nahmen die Menschen damals gegen Würmer.
Gegen Gift und Dämonen: Die Weinraute im Brauchtum
Ein Zweig Weinraute mit einem roten Bändchen umwickelt und über die Haustür gehängt, schützte die Bewohner vor allem Bösen. Am Körper bei sich getragen, schützte sie vor jeglicher Krankheit und Verhexung. Man hat die Weinraute auch gegessen, um vor dem Bösen Blick bewahrt zu sein. In den Kräuterbündeln war sie ein fester Bestandteil.
Das Pest-Rezept: Die Weinraute war auch immer Bestandteil bei Mitteln, die gegen Ansteckung helfen sollten, wie zum Beispiel bei den damaligen Pestepidemien. Zu dieser Zeit war der Pestessig bekannt, wo die Weinraute mit hineinkam. Gegen die Pest gab es damals dieses gebräuchliche Rezept – ob es geholfen hat?
„Nimm zwanzig frische Rautenblätter und
grüne Kerne von zwei Haselnüssen,
zwei Prisen Salz und zwei Feigen.
Alles in einem Mörser zerstoßen und
jeden Morgen nüchtern davon was einnehmen.“
Volkstümliche Namen: Raute, Gartenraute, Augenraute, Totenkraut, Weinkraut.

Rauch des Exorzismus: Flüche brechen und Klärung
Mit der Weinraute zu räuchern gegen den Bösen Blick, löst Verfluchungen auf und ist stark unheilabwehrend.
Wirkung auf die Seele: Vielleicht redet jemand schlecht über uns oder über uns werden Sachen erzählt, die so nicht stimmen. Es gibt auch Menschen, die uns vom Herzen her Schlechtes wünschen. Diese Menschen übergeben uns ihre negativen Energien, Verwünschungen, Verfluchungen und alles, was negativ auf uns haften bleiben kann. Diese Menschen haben meistens den Bösen Blick.
- Gegen falsche Freunde: Eine Weinrauten-Räucherung hilft uns, rechtzeitig sogenannte falsche Freunde aufzudecken.
- Klare Sicht: Aber auch wenn einem der Verstand „vernebelt“ wurde, befreit die Weinraute unsere Seele und wir erhalten dadurch einen klaren Blick und finden wieder zu uns selbst.
Exorzismus und Spuk: Weinrauten-Räucherungen spielten im Exorzismus eine große Rolle und wurden dafür extra in Klostergärten angepflanzt. Die damaligen Menschen verräucherten die Weinraute in ihren Häusern, wenn sie meinten, dass es dort spukte oder der Teufel sein Unwesen trieb. Darum gehört sie seit jeher zu den Schutzkräutern, die vor allerlei Unheil schützten.
Schutzmagie:
- Amulett: Man trug diese Zauberpflanze auch als Amulett bei sich, um gegen Verschreiungen geschützt zu sein. Die Weinraute gehörte zu den Beschrei- und Berufkräutern gegen allerlei Schadzauber.
- Stallschutz: Wenn sich Krankheiten in Tierställen ausgebreitet hatten, wurden in manchen Regionen mit der Weinraute diese ausgeräuchert.
- Glücksbringer: Bei den alten Persern wurde zu verschiedenen Anlässen mit den Samen der Weinraute geräuchert. Es sollte allen Glück bringen.

Sammeln und Mischen: Das Ritual der Reinigung
Um mit der Weinraute zu räuchern, benötigt ihr getrocknete Weinrautenblätter, Blüten und die Samen. Die Weinraute hat einen eigenwilligen Geruch, wenn sie verräuchert wird, woran man sich gewöhnen muss.
Anwendungstipp: Als Verstärkung wird vor einer Räucherung der Raum mit Salzwasser besprenkelt. Es dient dafür ein Rautenzweig. So wird das Umfeld von schlechten Energien gereinigt.
Mischungen: Die Weinraute mischt sich stimmig mit Fichtenharz, Salbei, Rosmarin und Rainfarn zu einem unheilabwehrenden Räucherwerk. Wer es kräftiger mag, fügt noch Wacholder hinzu.
Magische Zeitpunkte: Ihre Eigenschaften in der Räucherkunde sind beschützend, entfluchend, austreibend und heilend. Ihre naturmagische Sammelzeit ist die Herbst-Tagundnachtgleiche. Es wird nur das junge Kraut ab Frühling gesammelt und im Schatten, gebündelt, getrocknet.


