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Wettersegen und Hagelzauber: Die Macht über das Unwetter
Beim Wettersegen handelt es sich um einen Brauch, der in manchen Regionen noch ausgeführt wird. In diesem Artikel möchte ich euch das Ahnenwissen rund um den Wettersegen aufschreiben. Mal wieder ist es ein sehr interessantes Thema, über das man sehr viel schreiben kann.
Eigentlich wollte ich nur den Brauch um die Wetterkerzen aufschreiben, aber als ich mich tiefer eingelesen hatte, sah ich, dass es noch so viel mehr darüber zu schreiben gibt. Zu diesem alten Brauch kommt der Glaube um die Wetterkerzen, Wetterläuten, Wetterkreuze und die Wettermacher, sowie ihren Hagelzauber, der seinen Ursprung in der heidnischen Zeit hat.
Die Letzteren, die Wettermacher, waren hoch angesehene Menschen, denen man absolut vertraute, auf ihren Feldern den Hagel zu bannen. Ein Bischof im 9. Jahrhundert beschwerte sich öffentlich darüber, dass die Menschen den Zehnten nicht zahlen würden und lieber dieses Geld den Wettermachern zusteckten. Es gab unter diesen hoch angesehenen Menschen auch Zauberer und Zauberinnen, die fast in jedem Dorf wohnten. Wie man damals diese Berufung bekommen hat, schreibe ich euch in diesem Artikel: Zauberkunst und Hexenkunst: Weise Frauen, Männer und Hexen
Aber fangen wir nach und nach an, dieses alte Wissen zu durchleuchten. Ich habe sehr viel darüber gefunden. Vorab gesagt ist es ein Relikt aus der Zeit unserer Urahnen, also heidnisch, welches die Kirche später für sich beansprucht hat. Dazu möchte ich noch sagen, dass diese christlichen Bräuche eine Menge heidnischen Ursprungs sind. Alles das gab es schon zu vorchristlicher Zeit. Ich bin der Meinung, dass die Kirche gar nicht anders konnte, weil der heidnische Glaube einfach zu groß und stark in der Bevölkerung verankert war. Nun glaubten unsere Vorfahren ihren Glauben weiter und ihre Feste und Götter bekamen andere Namen unter dem wachsamen Auge der Kirche.

Was war der Wettersegen?
Wie ihr ja wisst, waren das Wetter und auch die Felder und deren Saat lebensnotwendig im Leben unserer Vorfahren. Es gab keinen Supermarkt, wo man eben mal einkaufen konnte, sondern ihre Nahrung holten sie sich aus der Natur, aus dem Garten und von den Feldern. Und da war das Wetter sehr wichtig: Wenn es zum Beispiel Hagel gab, waren die Felder oft verloren und die Gemeinschaft hatte kein Essen mehr. Dadurch gab es viele Hungersnöte und viele Menschen starben.
Hagel und Unwetter mit Gewitter waren stark gefürchtet und man hatte allerlei Hilfsmittel und eben die Wettermacher, um diese Naturgewalten zu bannen. Diese Rolle des Wettermachers hat später die christliche Kirche übernommen, und es waren ab dieser Aneignung die katholischen oder später evangelischen Priester und Pastoren, die über die Felder gingen und auch den Wettersegen betrieben und aussprachen. Sie boten viele verschiedene Gegenstände an, um diesen Wettersegen zu bekräftigen, wie die Wetterkerze oder Wettersegen-Amulette. Natürlich gegen Bezahlung, wie eigentlich alles im christlichen Glauben.
Wie vorab geschrieben, waren die Früchte der Erde das Wichtigste, was sie hatten. Da diese aber oft durch Hagel und Unwetter gefährdet waren und gerne der „böse Feind“ der Schuldige war, hat die Kirche eine Segnung des Wetters, einen Wettersegen angeordnet, durch welche die schädlichen Einwirkungen Satans auf die Gewitter abgehalten und die gnadenvolle Fürsorge Gottes angefleht werden sollte.
Man kann zweierlei Wettersegen unterscheiden, einen öffentlichen und einen privaten.
- Der öffentliche Segen: An manchen Orten wurde der Wettersegen nur an Sonn- oder Feiertagen und in den sogenannten Wettermessen (Schauermessen) abgehalten. Bei den Schauermessen wurden Segnungsformeln und Gebete gesprochen.
- Der private Segen: Beim Herannahen eines Gewitters hatte der Pfarrer eine private Segnung des Wetters entweder in der Kirche oder in seinem Haus vorzunehmen.
Die Wetterglocke: Während das Wetter nach der Messe gesegnet wurde, pflegte man an vielen Orten eine Glocke zu läuten. Dieser Brauch war weit und breit verbreitet und noch heute gibt es Orte, in denen Wetterglocken vom Kirchturm läuten. Ich habe euch weiter unten ein YouTube-Video verlinkt; in diesem hört man das Wetterläuten von einer Kirche in Schwyz in der Schweiz. Dem Ton dieser gesegneten Wetterglocke schrieb man auch eine segnende und antidämonische Kraft zu. Man legte auf diesen Brauch großen Wert und die Landleute entrichteten ihre Wettergarbe an den Messner für dieses Wetterläuten. Daher sah man es nicht gerne, als polizeiliche Verordnungen jenes Läuten während eines Gewitters vielerorts untersagten. Der Grund war angeblich, weil durch das Läuten der Blitz in den Kirchturm schlagen kann.
Der Wettersegen hatte seine Kraft einerseits vom Gebet der Kirche, anderseits vom Gebet und den guten Werken der Bürger. Wenn die Sünden und Laster des Volks überwiegend waren, dann drohte Gefahr und Strafe! Der Brauch des Wettersegens kann man bis ins Mittelalter sehr gut zurückverfolgen. Davor, bei unseren Urahnen, waren es die Wettermacher oder Beschwörer. In einem dieser Wettersegen wird ein Unhold Fasolt, in einem anderen Merment genannt.

Die heidnischen Wettermacher und der Hagelzauber
Hagel und Blitze erzeugten Angst und Ehrfurcht; bei unseren Urahnen. Sie waren davon alle betroffen durch ihren heidnischen Glauben. Es war Donar, der die Blitze aus dem Himmel schoss. Es machte ihnen Angst um Haus und Hof, dass dort der Blitz einschlug. Der Hagel war gefürchtet, weil er die Felder vernichtete.
Es gab den guten und den bösen Wettermacher. Das böse Wettermachen wurde im 9. Jahrhundert verboten. Es wurde bei dem Verbot betont, dass die Menschen an den bösen Wettermacher fast nicht mehr glaubten, sondern nur noch den aufs Feld holten, der das herannahende Unwetter bannen, aber nicht mehr heraufbeschwören könne. Er beklagte sich, dass die Landleute nicht regelmäßig den Zehnten ihrer Abgaben bezahlten, sondern lieber an die Wettermacher, welche versprachen, ihre Felder gegen Hagel zu schützen.
Das Land Magonia und die Wolkenschiffe: Bischof Agobard berichtete darüber so, dass dieser Glaube bei den Vornehmen als auch bei dem gemeinen Volk sei. Man glaube nämlich, es gäbe ein Land Magonia, aus welchem Schiffe in den Wolken ankämen, welche die verhagelten Früchte aufluden und in dieses Land zurückbrachten. Die bösen Wettermacher sollten mit den Luftschiffern in Verbindung stehen. Agobard soll selbst gesehen haben, wie das Volk drei Männer und eine Frau ergriff, welche von diesen Luftschiffen herabgefallen sein sollen, um sie zu steinigen. Nur durch seinen Eingriff wurden sie gerettet. Er erzählte weiter, dass viele dem Glauben von den Wettermachern entsagt hätten, aber noch an Leute glaubten, welche die Unwetter abhalten könnten. Sie gaben ihm dafür eine Abgabe, die Agobard canonicum nannte.
Hexen und Hagel: Natürlich spielten die Hexen in der Wettermacherei auch eine Rolle. Der Glaube an die Wettermacherei der Hexen war so tief und ernst, dass der Theologe Johann Brendt im Jahr 1539 in vielbesuchter Predigt den Hexen das Unheil, das ein dortiges Hagelwetter angerichtet habe, in die Schuhe schob und zur Vernichtung dieser Zauberinnen aufforderte. Der Clevische Hofprediger Heinrich Web sagte dagegen in seiner im Jahr 1565 gehaltenen und gedruckten Hagelpredigt: „Unvernünftige Leute haben aus alter Überlieferung die unsinnige Meinung festgehalten, dass das Gewitter und der Donner keinen anderen Ursprung haben, als in dem Rumoren des Teufels und dass Nachtfröste, Hagelschlag und Wolkenbruch, wodurch die Feldfrucht beschädigt wurde, einzig allein durch Hexen oder Unholdinnen hervorgerufen wurden.“
Hagelbeschwörer in Böhmen: In Böhmen gab es Hagelbeschwörer, welche den Hagel auf Berge ablenken konnten. Sie durften nie ein gestärktes Hemd anziehen und durften sich bei den Beschwörungen mit keinem Worte versprechen, sonst traf der Hagel sie selbst und tötete sie. Man schützte die Felder ferner vor „bösen Wettern“ durch den Wettersegen am Himmelfahrtstage (Schwaben) oder am Schauerfreitag (nach Himmelfahrt), wo ein feierlicher Bittgang um die Felder gemacht und eine Predigt auf freiem Felde gehalten wurde (Bayern und Franken), und durch das Anzünden von Wetterkerzen.

Die Wettermacher in Schleswig-Holstein
- Sieseby: In Sieseby (Schleswig-Holstein) an der Schlei wohnte eine Frau, die den Wind drehen konnte.
- Sylt: Eine Frau auf Sylt besaß Pantoffeln, mit welchen Stürme gemacht wurden. Auch ein katholischer Priester hatte einst dort durch seine Teufelkünste einen entsetzlichen Sturm gemacht.
- Dithmarschen: In Dithmarschen lebte ein Mann, der bei Brandfällen den Wind zu drehen verstand.
- Germanen: Die alten Germanen warfen Steine ins Wasser, um dadurch ein Gewitter hervorzuzaubern.
Die mystische Wetterkerze: Licht gegen den Sturm
Ein Brauch während eines Gewitters ist, eine geweihte Kerze anzuzünden. Man nannte sie Wetterkerze, aber auch Schauerkerze. Dieser Glaube wird von den Birkenkerzen kommen, über die ich in einem anderen Artikel geschrieben habe. Diese spätere Wetterkerze hat im christlichen Glauben unsere Heiden- oder Birkenkerzen ersetzt.
Ein kleiner Bericht von einem alten Historiker (20. Jahrhundert):
„Bei Gewitter wird noch gegenwärtig sofort das Herdfeuer gelöscht; auch das Schmiedefeuer wird gedämpft. Fenster und Türen werden geschlossen, damit der Blitz keinen Zug hat. In den Herd wird etwas Geweihtes vom Palmzweig gegeben oder ein kleines Kränzl von Fronleichnam, das aus Kuttelkraut (Thymian) und Frauenmantel gebunden ist, oder Laub von der Fronleichnamsbirke. In der Stube wird gemeinsam gebetet und es wurde die Wetterkerze angezündet. Rote und schwarze Wetterkerzen brachten früher die Wallfahrer aus Mariazell mit.
Manche legen gegen den Hagel ein sogenanntes Antlass-Ei hinaus ins Freie (es ist ein am Gründonnerstag gelegtes und am Ostersonntag geweihtes Ei). Da man sich besonders große Schloßen (Hagelkörner), so groß wie Taubeneier, mit diesem Abwehrzauber erklärte. Weihwasser wird auf den Tisch gestellt, in den Ofen und ins Freie gespritzt, und Haselnusslaub soll man unter das Fenster geben. Bei jedem Blitz ist zu sagen: ‚Helf uns Gott!‘ Nach dem Blitz darf man nicht mit dem Finger zeigen.
Bei der Sturmkatastrophe am 6. Juli 1929 hat eine Besitzersfrau, die sonst wenig Abergläubisches an sich hatte, mit dem Weihwasser ins Freie gewollt, um damit das Haus zu schützen und gegen den Sturm mit dem Weihwasser zu spritzen. Bei derselben Gelegenheit konnte ich den Glauben an den Schutzzauber der Haselnuss noch lebendig bemerken. Bis dahin hatte ich ältere Frauen öfters sagen gehört, die Haselstaude schütze, weil die Jungfrau Maria auf der Flucht unter ihr Schutz gesucht habe. Jetzt erklärte mir eine verwandte Bäuerin am Tag nach dem Sturm, sie habe sich unter eine Haselstaude geflüchtet, weil sie ihr Haus nicht mehr erreichen konnte. Ein Mann sagte auf die Frage, weshalb der Sturm nicht auch das Dach seines Hauses mitgenommen hätte, er schreibe dies dem unmittelbaren Eingreifen einer Josephsstatue zu, die unter dem Giebel angebracht ist. Er habe laut zu diesem Heiligenbild um Schutz hinaufgerufen.“

Ein Zeitzeugenbericht: Und noch ein kleiner Bericht über die Wetterkerzen aus der neueren Zeit, den mir Constanze von die-wilde-kraeuter-frau.de mitgeteilt und mir erlaubt hat, ihn zu veröffentlichen. Vielen lieben Dank dafür, Constanze!
„Als Kind war ich mit meinen Eltern immer in Österreich im Urlaub. Es ging immer auf den Bauernhof, ich habe es geliebt. Einmal gab es ein sehr starkes Gewitter mit Starkregen und abrutschenden Hängen. Da wurden von der Bäuerin die geweihten Gewitterkerzen ins Fenster gestellt. Das hat mich so beeindruckt, dass ich mich selbst heute, rund 50 Jahre später, noch immer sehr lebendig daran erinnere. Diese Gewitterkerzen damals waren weiß, mit einem Abbild der heiligen Maria mit dem blauen Sternenumhang. Sie wurden in der Kirche geweiht und bei Gewitter ins Fenster gestellt, um Haus und Hof zu schützen. Ich war damals 5 oder 6 Jahre alt und zutiefst beeindruckt. Und es hat mir tatsächlich die Angst vor dem Gewitter etwas genommen. Das lag sicherlich an der Selbstverständlichkeit und Zuversicht, die in den Handlungen der alten Bäuerin lag.“
Das Wettersegen-Amulett: Schutz zum Tragen
Für den Wettersegen gab es auch ein Amulett, das aus vielen kleinen Einzelteilen zusammengesetzt wurde. Wie ihr auf der Grafik sehen könnt, waren verschiedene Kreuze, wie zum Beispiel das Schreyerkreuz, angebracht. Des Weiteren Reliquien von Heiligen und verschiedene kleine Päckchen, die wohl am wichtigsten waren, weil in ihnen der Wettersegen steckte. Man durfte sie nicht öffnen.
Auf zwei von ihnen kann man den Schriftzug contra Ignem und contra Fulgur(s) lesen. Es ist Latein und heißt so gut wie: „Gegen Feuer“ und „Gegen Blitz“. Auch findet man die Wetterheiligen Medardus, Urbanus, Paulus und Johannes.
Da es sich um ein Amulett handelt, wird auch dieses im Heidentum zu finden sein. Diese Wettersegen-Amulette waren meistens Klosterarbeiten, die sich Menschen dann dort auf der Wallfahrt gekauft und mit nach Hause genommen haben. Ich weiß gar nicht, ob es heutzutage noch diese schönen Stücke zu kaufen gibt – und wenn, nur als Antiquität und sehr teuer.

Das Wetterläuten: Bann durch Klang
Unsere Vorfahren haben auch mit kleinen Wetterglöckchen geläutet, wenn ein Gewitter sich ankündigte. Dieses heidnische Glöckchengeläut wurde auch bei den Germanen ausgeübt gegen allerlei Übel, Zauber, Spuk und Abwehr, sodass es auch später im Christentum von den Priestern stattgefunden hat. Bei den heidnischen Priestern geschah es mit Beschwörungsformeln und Schellengeklapper.
Hierzu möchte ich noch schreiben, dass der Gebrauch der Glocken in der christlichen Kirche wohl erst im 4. Jahrhundert aufgetreten ist. Dieser christliche Brauch, geht auf den heidnischen zurück.
Erinnerungen an das Wetterläuten: Eine kleine Kindheitserinnerung eines alten Historikers habe ich dazu noch gefunden:
„Aus der eigenen Kindheit kenne ich noch das Gewitterglöckchen. Kleine Glocken, meistens aus Ebenzweier (Kloster bei Gmunden) stammend, von wo die Frauen sie mitgebracht hatten. Sie wurden während des Gewitters geläutet und wenn womöglich von einem kleinen Kind. Dagegen ist das Wetterläuten seit der Jugend meiner Mutter (etwa 1875) nicht mehr gebräuchlich. Dies besorgte der Schullehrer, der als Entlohnung bei den Bauern die sogenannte Wettergarbe sammelte. Es ist somit deutlich, dass durch das Wetterläuten das Unwetter von den Getreidefeldern ferngehalten werden sollte. Bis ungefähr in dieselbe Zeit sprach mancher Geistlicher den Wettersegen.“
In den meisten katholischen Gemeinden, besonders in Schwaben, aber auch in evangelischen Regionen wurde bei einem Gewitter geläutet, um Hagel und Wetterschaden zu vertreiben. Manche Kirchen hatten besondere Glocken dazu, zum Beispiel das Kloster Weingarten bei Altdorf die sogenannte Heilige Blutglocke, die während eines Gewitters geläutet wurde. In Wurmlingen läutete man mit der Glocke auf dem Remigiusberg, und wenn man das früh genug tat, so kam kein Wetterschaden.
Die Kirche zu Frickenhausen besaß eine Glocke, die jedes Gewitter vertreiben konnte und deshalb auch die Wetterglocke genannt wurde. Es standen daran die Worte:
Anna Susanna,
Musst ewig da hangen.
Musst ewig da bleiben.
Musst Wetter vertreiben.

Sankt Kolomann und der Große Hund: St. Kolomann, der einfache Pilger, der für viele Wallfahrtskapellen Patron geworden ist, stand bei unseren Vorfahren seit alter Zeit in großer Verehrung. Solche Kolomannskapellen sind erst spät oder gar nicht kirchlich geweiht worden. Sie stehen meist auf Höhen, sogenannte Betberge, haben meistens Wetterglocken und heilkräftige Brunnenquellen. Kolomann ist auch ein Pestpatron. Der Kolomannssegen wird über die Tiere gesprochen. Es gibt eigene Kolomannssonntage.
Es sind uralte Kultorte, wohin die damaligen Leute aus Tradition zur Wallfahrt gingen, die vermutlich in solche Kolomannskapellen umgewandelt wurden. Man glaubte auch, dass man bei den Kolomannskapellen die Gehenkten schreien hörte. Schwimmende heilige Holzbilder, die beseitigt wurden, kehrten immer wieder zurück zu solchen Kapellen. Mädchen, die einen Mann wünschten, beteten dort:
Heiliger Sankt Kolomann!
O schenk‘ mir auch ein‘ Mann.
Die Wetterglocke im Kloster Marbach wurde von den Leuten der Umgebung „der Große Hund“ genannt. Der Hund galt im Alten Glauben als Geisterverscheucher. Wenn sie bei Gewitter geläutet wurde, sagten die Leute:
Hört ihr, wie es in den Lüften schellt, Der große Hund von Marbach bellt. Die bösen Geister, sie schreien alle, Und der große Hund verjagt alle.
Das Wetterkreuz und der Wetterstier
Im Ochsenfurter Gau musste einst an gewissen Tagen zwischen Ostern und Pfingsten ein geweihtes Kreuz als Schutz vor Gewittern um den Ort getragen werden. Gewitter suchte man seit alter Zeit durch Errichtung hoher Schauer- oder Hagelkreuze aus Holz oder Stein an den Feldwegen als Hagelableiter unschädlich zu machen. Hagelkreuze an den Feldwegen werden schon seit dem 13. Jahrhundert erwähnt.
Dass die den Göttern dargebrachten Opfer zur Abwendung des Hagels in Abgaben an Geistliche oder an Klöster übergingen, sieht man über das Hagelrind oder den Wetterstier, die ein Abgabetier waren. Es war auch ein alter Brauch (Biberach), dass man am Ostermontag eine Steuer sammelte für ein Hagelrind. Man kaufte jährlich einen Stier und schickte ihn in das Kloster Ottenbeuren (Bayern) für das Wetter.

Allerlei, um das Unwetter zu bannen
Als einmal ein Zauberer dem Wettermacher zurief, er solle herkommen, da antwortete dieser aus der Luft: „Ich kann nicht, die große Kirchenglocke läutet, darum bin ich gefesselt.“
Räuchern und Rituale:
- Räuchern: In Henndorf wurde beim Herannahen eines Gewitters in manchen Häusern geräuchert; ähnlich im ehemaligen Böhmen bei starkem Wind, wo Wald-Weihrauch angezündet wurde.
- Tabus: Auf dem Acker sollte man sich die Hände nicht waschen, sonst entstand ein Brand. Im Kornfeld sollten die Frauen nicht nähen und nicht zwirnen, und am Sonntag sollte man die Felder nicht besichtigen, sonst entstand Gewitter und Hagelschlag.
- Hagel abwehren: Während des Hagelwetters fing man drei Hagelkörner auf und steckte sie in den Busen, oder man steckte ein Messer in die Erde. In Klein-Schenk steckte man das Messer vor die Tür oder vor den Acker, dass das Wetter sich breche und Halt mache. Andernorts trat die Axt an die Stelle des Messers.
- Skurrile Bräuche: Urinierte man an einem Sonntag in fließendes Wasser, so entstand Hagel und der Blitz konnte einen erschlagen. Entblößung einer in der Menstruation befindlichen Frau. Anbringen eines mit dem Blut einer erstmalig menstruierenden Jungfrau befleckten Tuchs und auch das Aufhängen von Schlüsseln. Anbringen von Stieren aus Holz auf den Häusern. Ebenso warf man Brot ins Feuer.
- Arbeitsverbote: Um den Hagel (Schauer) von den Äckern fernzuhalten, wurde noch vor Jahren am Schauerfreitag (Freitag nach Christi Himmelfahrt) auf den Äckern nicht gearbeitet. Ebenso soll am Leonhardstag nicht geackert werden, weil es der Stalltierfeiertag war. Gegen die Reifezeit des Korns wurde unter den Bauern nicht mehr getanzt, man fürchtete schwere Gewitter.
- Der Opferschmaus: Um gutes Wetter zu bekommen, war es in Hessen allgemeiner Gebrauch, alles aufzuessen, was des Vorabends an Speisen auf den Tisch kam. Dann bekam man gutes Wetter. Dieser Brauch kam daher, weil unsere Vorfahren, wenn sie gutes Wetter haben wollten, den wettermachenden Gottheiten ein Bittopfer darbrachten und bei dem damit verbundenen Opferschmaus alles verzehrten.
Wenn man bedenkt, dass im 9. Jahrhundert der Alte Glaube des Wettermachens schon im Rückzug aus den Köpfen der Landbevölkerung war, kann man verstehen, dass viel Wissen in diesen Jahrhunderten verloren gegangen ist. Nun sind wir am Ende angekommen, und man hat wieder sehr viel gelernt, wie unsere Vorfahren das alles gesehen haben und was für ein Zauber getrieben wurde.

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