Die Königskerze: Sonnenbraut, Rauchzauber & Magie

 

Altes Brauchtum und Orakel

Zwischen den ersten eingebrachten Roggen legte man geschnittene Königskerzen, um Mäuse und Ratten abzuhalten. Wenn im Ötztal in Tirol einer Bäuerin das Butterfass behext war, dass sie trotz aller Anstrengungen aus der Milch keine Butter gewinnen konnte, legte sie einen Königskerzenstängel unter das Gefäß und der Zauber war gelöst.

Sonnenwendfeuer und der Lebensfaden

Wegen ihrer großen gelben Blüten und der Blütezeit im Hochsommer spielte diese Wildpflanze im Sonnwendkult eine große Rolle. In Frankreich zog man einen großen Strauß von Königskerzen durch das Sonnwendfeuer und hängte ihn dann, gegen Tierkrankheiten, über der Stalltür auf. In den Kräuterbündeln am 15. August hat sie ihren festen Bestandteil, direkt in der Mitte dieses Bündels.

Mädchen im ehemaligen Ostpreußen hängten einen grünen Stängel von dieser Pflanze über das Bett. Je länger die Pflanze andauerte, ohne zu welken, desto länger währt das Leben des betreffenden Mädchens.

Wurzelzauber und Traumschutz: Amulette der Ahnen

  • Wer sein Kopfkissen mit den Blüten und Blätter der Königskerze füllte und darauf schlief, dem werden keine Albträume kommen. Sie wurde auch an Türen und Fenster gehangen, um vor bösen Geistern und schlechtgesinnten Menschen geschützt zu sein.
  • Im früheren Konstanz trugen die Männer die Wurzel der Kleinblütigen Königskerze bei sich und die Frauen die Wurzel der Mehligen Königskerze „gegen den Schlag“. Die Wurzel wurde einst gegen den Schwarzen Tod, die Pest, als Amulett gebraucht.
  • Wenn ein Angehöriger oder die Hoftiere erkrankten, knickte man nach Sonnenuntergang, die Königskerze gegen Sonnenaufgang hin und bittet dabei, dass sie die verlorene Gesundheit wiederbringen möge. Ein Brauch, der sich dadurch erklärt, dass diese Sonnenanbeterin in der heidnischen Zeit sehr hoch gehalten worden zu sein scheint.

Kleinblütige Königskerze

Licht im Schattenreich: Totenglaube und Fegefeuer

Wenn nach einem Todesfall oder auf dem Grab des Verstorbenen eine Königskerze aufblüht, so zeigt dies an, dass die Seele des Verstorbenen im Fegefeuer ist. Hier sollen wohl die blühenden gelben Blüten das Fegefeuer symbolisieren. Auch bedeutete dieses Blühen, dass bald wieder jemand aus der Verwandtschaft stirbt. Diese Wildpflanze verliert ihren lieblichen Geruch, wenn ein Verstorbener an ihr vorbeigetragen wurde., so ein alter Glaube.

Rauch der Läuterung: Befreiung von Karma und Streit

Mit Königskerzen zu räuchern, um das schlechte Karma bei Menschen zu reinigen und uns schlechte Menschen fernzuhalten, das ist ihre größte Eigenschaft in der modernen Räucherkunde.

Um schlechtes Karma zu reinigen, muss der Mensch oder die Sache abgeräuchert werden:

  • Vorher sollte er ein reinigendes Bad mit der Königskerze nehmen.
  • Wenn man mag, einen Tee aus ihren Blüten ungesüßt trinken.
  • So hat man seinen Körper vorbereitet.
  • Nach dieser Reinigungs-Zeremonie muss das Zimmer ausgelüftet werden.

Diese Räucherung hilft uns auch, in unerträglichen Zeiten überkochende Emotionen abzubauen. Wir werden durch ihre Pflanzenseele ruhiger und gelassener und dadurch wird Streit abgewendet.

Schwarze Königskerze

Alte Feuerzauber: Bann gegen Dämonen und Blitzschlag

In damaliger Zeit wurden Königskerzen verräuchert, um Schadzauber und Dämonen abzuwenden. Sie galt stark dämonenabwehrend. Im 19. Jahrhundert räucherte man mit der Königskerze, um herannahendes Unwetter zu besänftigen und Blitzeinschlag zu verhindern.

Ihre Blütenstängel gehörten auch in den alten Glauben ums Wetter. Mit ihm wird das Wetter abgelesen.

In der alten Räucherkunde gilt sie als:

  • beschützend
  • reinigend
  • liebend
  • aufheiternd
  • genesend
  • weissagend

Ich denke, wer mal vor einer Königskerze stand, der kann es bestätigen.

  • Hatte ein Pferd Drüsenbeschwerden, so räucherte man mit getrockneter Königskerze, unter seinem Hals, vor Sonnenaufgang, drei Morgen hintereinander.

Goldene Ernte im Spätsommer: Sammeln und Bewahren

Ihre naturmagische Sammelzeit ist im Spätsommer, in der Zeit des Schnitterfest herum. Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, die Königskerze zu ernten und zu einem wundervollen Räucherwerk zu trocknen und zu verarbeiten. Dafür warte ich den richtigen Moment ab, wenn sie in voller Blüte steht, denn ihre Blüten gehen unterschiedlich auf und vergehen sehr schnell. Wenn man den ganzen Blütenstängel erntet, kann er zu einem Räucherbündel verarbeitet werden.

Tipps für die Ernte:

  • Ihre Blüten erblühen nicht alle gleichzeitig und sollten gleich nach dem Aufgehen gepflückt werden. Von Tag zu Tag öffnen sich ihre gelben Blüten, wo schon andere verwelkt sind und herunterfallen.
  • Gesammelt werden auch die Blätter.
  • Es sollte bei trockenem Wetter gesammelt werden, nachdem der Morgentau getrocknet ist, weil sie sonst recht matschig werden.

Vom Trocknen, Zunder und Sommerduft

Die Blüten werden einzeln getrocknet. Sie dürfen nicht übereinander liegen, weil dadurch braune Flecken entstehen können. Die Blätter werden zu einem Bündel gebunden und kopfüber aufgehängt. Alles sollte schattig geschehen.

Die getrockneten Blätter bewahrt man am besten in luftdurchlässigen Jutesäckchen auf. Die Blüten in Holzschachteln, verschließbaren Gläsern oder Papiertütchen. Sie müssen vor Licht und Feuchtigkeit geschützt werden, weil sie sonst braun werden. Sie vertragen überhaupt keine Feuchtigkeit.

Ihre Blätter können auch gesammelt und getrocknet werden. Sie sind wunderbarer Zunder für ein Räucherwerk. Durch ihre behaarte Oberfläche eignen sie sich super dafür. Früher wurden sie als Dochte verwendet.

Der Duft einer Königskerzen-Räucherung umhüllt uns mit einem sommerlichen und honigartigen Duft. Die Königskerze mischt sich gut mit Rotklee und Dost zu einem Räucherwerk.

Mancherorts nannte man diese Pflanzenseele auch Wetterkerze, gerade in den alpenländischen Regionen, weil man an ihren Blütenstängeln das Wetter voraussagte. Ein älterer Herr ist dafür bekannt, dass er jedes Jahr an seinen Königskerzen das Wetter abliest. (Leider kann man den Zeitungs-Artikel mittlerweile nicht mehr kostenlos lesen, daher habe ich den Link entfernt.)

Königskerzenblätter
Aus Königskerzenblättern hat man früher Kerzendochte hergestellt | ©CG