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Friedhofspflanzen – Im Brauchtum

    Über den Friedhof zu schreiben oder zu erzählen ist immer mit zweierlei Gefühlen bedacht. Wobei es schöne Orte, der Stille und Andacht, sind. Eines meiner grössten Hobbys ist die fotografische Dokumentation von Friedhöfen für die Ahnenforschung. Bei meinen vielen Fototouren ist mir bei den richtig alten Grabmälern die Frage aufgekommen, was denn unsere Vorfahren auf ihre Gräber pflanzten? Darum habe ich mal nachgeschaut, ob ich was finde. Es ist nicht viel, aber einige Pflanzen habe ich gefunden und ihre Bedeutung in der alten Friedhofskultur.

    Ein Kindergrab in Mecklenburg-Vorpommern
    „Wiedersehn ist unserer Hoffnung“ Ein Kindergrab in Mecklenburg-Vorpommern | ©CG

    Mit der heutigen Bepflanzung der Gräber kann es gar nicht mehr verglichen werden. Zumal auch die Urnenbestattung Mode geworden ist. Leider verschwinden dadurch immer mehr Gräber und die Friedhofskultur schwindet so langsam dahin, was ich sehr schade finde. Was mir aber aufgefallen ist, dass sich ein neuer Trend auf alten Friedhöfen verbreitet, der des Insektenschutzes. In vielen Friedhofsverordnungen steht, das man keine Pestizide verwenden darf. Die meisten Verordnungen bestehen auf eine Bepflanzung, die die Nachbargräber nicht überragt, daher sollte darauf Acht genommen werden, das man keine Pflanzen pflanzt, die zum Wuchern neigen oder gar Bäume, die sehr gross werden. Aber man kann Wildkräuter nehmen, die sich nicht so stark ausbreiten. Der Tod für jegliches Leben auf Friedhöfen sind Kiesel und dicke Marmorplatten, die das Grab bedecken. Und ja, ein Grab macht Arbeit, denn das ist auch der Sinn der Sache. Man pflegt sozusagen den Garten der Ewigkeit für seine Vorfahren.

     

    Alte Dorfkirche in Sülstorf/Mecklenburg-Vorpommern
    Dorfkirche in Sülstorf mit einem Lapidarium | ©CG

    Früher wurden Pflanzen ausgesucht, die eine Bedeutung hatten oder sich im Verhältnis mit dem Toten befanden. Dieser Volksglaube ist leider durch die Zeit verloren gegangen und heutzutage kommen Pflanzen auf die Gräber, die sozusagen durch die Gärtnereien vorgegeben werden und dadurch alle Gräber gleich aussehen. Es sind meistens Pflanzen die unserer heimischen Insekten- und auch Tierwelt keinerlei Nutzen bietet. Viele unter uns machen sich darüber auch keine Gedanken, das gerade die Bepflanzung der Grabstelle, aber auch der ganze Friedhof eine Oase für die vorm Aussterben bedrohte Insektenwelt sein kann. Auf der anderen Seite ist das Schlimme daran, das die herkömmlichen Grabblumen nach ihrem Verblühen einfach herausgerissen werden und im Kompost auf dem Friedhof landen. Diese Pflanzen haben meistens einen langen Seeweg zu uns. Wenn wir uns auf heimische und nicht wuchernde Wildkräuter konzentrieren, werden wir sehen wie schön ein Grab werden kann und wir der Insektenwelt Gutes tun. In manchen Gegenden pflanzte man rund um den Kirchhof Dornenhecken oder den Hecken-Kälberkropf, um Böse Geister abzuwehren. Friedhöfe lösten dann irgendwann die Kirchhöfe als Grabstätte ab, weil sie zu voll wurden. Nur noch höhergestellte Menschen oder die die zu Lebzeiten viel der Kirche gespendet haben oder bestimmte Bereiche in der Kirche renovieren liessen wurden direkt in der Kirche beerdigt.

    Friedhofspflanzen und ihre Bedeutung

    An erster Stelle steht natürlich der Buchs. Meistens werden mit ihm die Gräber umrandet, als Hecke, sozusagen als Abgrenzung. Früher waren in Bayern Buchsbaumzweige die Weihwasserwedel, die neben der Totenbahre gewedelt wurden. Der Buchs, als Totenbuchs ist der römisch-christliche Gegensatz zum Rosmarin. Der Rosmarin gehört zu den Kräutern die Abschied und Trauer symbolisieren, daher kann sein Platz auf einem Friedhof sein. Die gelbe Ringelblume hat bis heute ihren volkstümlichen Namen „Totenblume“ behalten, weil sie in frühren Zeiten auf die Gräber gepflanzt wurde. Sie stand wohl für die Erlösung. Erst als ihre Heilwirkung unter der Bevölkerung bekannt wurde, wurde sie in den heimischen Gärten kultiviert. Dieser Brauch kommt aus Mexiko, wo die gelbe Tagetes auf Gräbern gepflanzt wurde.

    Die Eibe wird auch Totenbaum genannt. Sie wächst sehr langsam, aber dafür gross. Genauso der Lebensbaum. Er gehört neben dem Buchs und der Eibe zu den ältesten Friedhofspflanzen. Es rührt wohl daher, weil diese Pflanzen immergrün sind und so das ewige Leben verkörpern. Aber auch an ihrem eigentümlichen Geruch machte man es fest, dass sie auf den Friedhof kamen. Der Holunder war früher sehr oft auf alten Kirchhöfen vertreten. Vereinzeln sieht man ihn heute noch am Rande stehen. Der Holunderbaum diente als Abwehr böser Mächte. Zu den immergrünen Pflanzen gehört natürlich auch der Efeu. Efeubedeckte Gräber sind wunderschön und viele kleine Krabbeltiere können sich unterm ihm verstecken und ihr „Zuhause“ einrichten. Natürlich muss man hier darauf achten, dass der Efeu nicht alles überwuchert.

    Früher wurden weisse Rosen am Kopfende und Farne am Fussende des Grabes gepflanzt. Leider habe ich es nicht herausbekommen, warum es so war. Ich kann mir vorstellen, da die Rose stachelig ist, dass es mit dem Abwehrzauber zutun hatte und der Farn birgt Geheimnisse in sich. Auch Lavendel nahm man für die Grabbepflanzung und auch die Weinraute. Beide Pflanzen stehen auch für die Abwendung von allem Bösen im Volksglauben.

    Das Immergrün war sehr beliebt, gerade auf Kindergräbern. Es ist auch wunderschon anzusehen mit seinen lilafarbenden Blüten und dazu ist es völlig problemlos zu pflegen. Diese Pflanze symbolisiert das ewige Leben und hält negative Energien von dem Verstorbenen ab. Kleinen Kindern wurde ein Kranz aus Immergrün geflochten und mit in den Sarg gelegt.

    Immergrün
    Immergrün | ©CG

    Der Wacholder ist natürlich der Friedhofsbaum überhaupt, aber da er gross wird, sollte man es vorher mit der Friedhofsverwaltung absprechen, ob man ihn anpflanzen kann. Er ist das Tor zwischen Leben und Tod. Durch ihn kommen die Verstorbenen manchmal ins Leben zurück, um unter uns zu weilen. Aus der Espe wurden Kränze geflochten und aufs Grab gelegt oder um das Kreuz gehangen. Dieser Brauch sollte den Übergang ins Totenreich, für den Verstorbenen, erleichtern.

    Das Veilchen und das Gänseblümchen haben auch eine lange Tradition auf Gräbern. Das Veilchen steht für die Liebe und der Hoffnung, das Gänseblümchen für die Liebe der Mutter für ihr Kind. Den Hauswurz pflanzte man damals reichlich nicht nur auf Dächern, sondern auch auf Gräbern. Denn auch er steht für die Abwehr jeglicher Schadenergien. Auch Chrysanthemen stehen dafür und kamen ungefähr Ende des 17. Jahrhunderts in Deutschland auf.

    Früher wurde auch Grünkohl noch bis ins 19. Jahrhundert, als Grabeinfassung gepflanzt. Der Mohn steht für das ewige Leben und ist sehr schön anzusehen auf Gräbern. Die Weisse Lichtnelke und auch die Pechnelke stand symbolisch für die Freundschaft, der Treue und der Liebe. Und zu guterletzt natürlich das Stiefmütterchen. Diese niedliche Pflanze ist der Klassiker auf Gräbern. Wenn man es pflanzen möchte, sollten es nicht diese grossen Stiefmütterchen sein, sondern die kleinen heimischen Wildpflanzen, wie das Acker-Stiefmütterchen und das Wilde Stiefmütterchen. Sie sind sehr klein gegenüber des „Baumarkt-Stiefmütterchen“, das weite Reisen zu uns nehmen muss, um im Endeffekt auf dem Müll zu landen. Von den Wilden Stiefmütterchen sollten man ein paar Pflänzlein zusammenpflanzen, damit sie besser zu Geltung kommen, da ihre Blüten doch recht klein sind.

    Solche Grabbepflanzungen sind super geeignet für unsere schwindene Insektenwelt. Auf Friedhöfen haben sie Ruhe und können sich reichlich vermehren. Was ich selber sehr schön finde, wenn man geschützte heimische Wildpflanzen auf das Grab pflanzt, wie die Schlüsselblume, die Herbstzeitlose, Haselwurz oder auch den Andorn. Und wisst ihr warum man Gräber um Anfang des Winters mit Tannengrün abdeckt? Damit die Verstorbenen es warm im Winter haben. Ich finde diese Vorstellung sehr schön und zeigt die Nähe zum Verstorbenen. Dieses Tannengrün solltet ihr im Wald sammeln. Natürlich dürft ihr es nicht von den Nadelbäumen schneiden, aber es liegt reichlich unten auf dem Waldboden. Wenn ihr euch vorher die Erlaubnis vom Förster holt, so könnt ihr auch Tannengrün von den Bäumen schneiden. Meistens sind die Förster sehr kulant, zumal man für ein Grab auch nicht soviel Tannengrün benötigt.

    Lasst eurer Phantasie freien Lauf und achtet nur darauf, dass ihr keine Pflanzen auf Gräber setzt, die zu gross werden oder neigen zu Wuchern. Nicht das die anderen Gräber rundherum beeinträchtigt werden. Und denkt daran, es ist der Garten für die Ewigkeit eurer Vorfahren.


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