Haustee selber mischen: Alte Rezepte mit Brombeer & Linde

 

Das Teewissen der Uromas: Wilde Haustee-Mischungen & Sammelkunst

Diese Empfehlungen für Hausteemischungen sind über 100 Jahre alt, also gar nicht mal so lange her. Unsere Urgroßeltern mischten sich ihren jährlichen Tee noch selber. Das Sammeln von Blättern und Blüten für ihren täglichen Teebedarf war für sie eine Selbstverständlichkeit.

Dieser Artikel soll zeigen, wie jedermann ohne Schwierigkeiten Pflanzen, Blätter und sonstige Bestandteile sammeln und trocknen kann, um daraus Teemischungen herzustellen. Beim Ernten dieser Pflanzenteile müssen wir uns natürlich nach einem Kräutersammelkalender orientieren.

Von Waldmeistern und Lindenblüten: Was gesammelt wurde

Für das Sammeln wurden folgende Pflanzenteile empfohlen:

  • Für den Genuss: Erdbeerblätter, Brombeerblätter, Himbeerblätter, Nussblätter, Birkenblätter, Waldmeisterkraut.
  • Für die Heilkraft: Taubnesselblüten, Schlehdornblüten, Holunderblüten und Lindenblüten.

Tee aus Holunderblüten und Lindenblüten ist als schweißtreibendes Mittel schon von früher her immer bekannt gewesen. Auch andere eignen sich noch zu Teemischungen, so zum Beispiel die Kamille und das Wilde Stiefmütterchen.

Die große Liste der Zutaten: Ansonsten können junge, getrocknete und zerkleinerte Blätter von folgenden Pflanzen für eine Haustee-Mischung verwendet werden:

  • Beeren & Früchte: Erdbeere, Brombeere, Heidelbeere, Moosbeere, Preiselbeere, Schwarze Johannisbeere, Himbeere, Sauerkirsche, Hagebutte.
  • Bäume & Sträucher: Birke, Ulme, Weide, Eberesche, Schwarzdorn, Walnussbaum, Pappel, Weißdorn, Holunder, Ahorn.
  • Kräuter: Waldmeister, Weidenröschen, Brennnessel, Spitzwegerich, Minzearten.
  • Besonderheiten: Die Blüten der Besenheide samt zerkleinerten Zweigen, die getrockneten Stiele der Sauerkirsche und sogar Rosenkerne.

Bekannt ist auch der Teeaufguss aus den getrockneten Schalen der Äpfel und Birnen.

Exkurs: Der Apfelschalentee – Ein 300 Jahre altes Rezept

Die Zubereitung von Apfelschalentee hat sich bis heute nicht geändert. Er wird heutzutage noch genauso zubereitet wie vor 300 Jahren. Wie man Äpfel am besten trocknet und sich daraus einen leckeren Tee kocht, möchte ich euch hier erklären.

Wichtig: Bitte beachtet, dass ihr nur ungespritzte oder eure eingelagerten Gartenäpfel für diesen leckeren Tee verwendet.

Vom Trocknen und Dörren: So gelingt der Vorrat

Die Äpfel ruhig ein paar Tage oder sogar Wochen liegen lassen. So, dass sie ein bisschen fruchtiger, weicher, sozusagen schrumpeliger werden.

Vorbereitung: Die Äpfel werden in der Mitte durchgeschnitten, geschält und entkernt. Nun schneidet ihr sie in Scheiben. Das Kerngehäuse könnt ihr der Natur wiedergeben. Kleine Insekten werden es euch danken.

Methode 1: An der Luft (Traditionell)

Fädelt die Apfelscheiben an einer Schnur auf und hängt diese Schnur samt den Apfelscheiben an einen luftigen Ort. Man kann auch seine eingelagerten Äpfel nehmen, die doch nun schon ein wenig schrumpelig werden. Die Apfelschalen trocknet ihr auf die gleiche Weise.

Methode 2: Im Backofen (Schnell): Ihr könnt sie auch im Backofen vortrocknen oder ganz im Ofen trocknen.

  • Temperatur: Ca. 50°C (Am besten die kleinste Stufe nehmen, die euer Kochherd hat).
  • Dauer: Für Apfelscheiben ca. 8–12 Stunden. Apfelschalen dauern ca. 4 Stunden, um vollständig zu trocknen.
  • Wichtig: Die Backofentür immer ein bisschen offen halten, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Ich nehme dafür immer einen Holzlöffel, den ich zwischen die Backofentür klemme, damit sie nicht schließt.

Wer einen Dörrautomaten sein Eigen nennen darf, kann natürlich auch in ihm die Apfelschalen trocknen.

Wärme in der Tasse: Zubereitung und Genuss

Zutaten:

  • 6 Teelöffel getrocknete Apfelschalen
  • 1 Tasse (250 ml) Wasser

Nach Belieben: Hagebutten, Ingwerstückchen, Zimt, Apfelstücke und einige Spritzer Zitrone.

Zubereitung: Das kochende Wasser gießt ihr über die Apfelschalen und lasst alles für ca. 10 Minuten zugedeckt ziehen.

Ihr könnt euren Tee mit Honig süßen. Sehr lecker ist es auch, wenn ihr einen Spritzer Zitrone oder Ingwer mit hineintut. Ich nehme für diesen Tee gerne die Schalen und Stücke von dem Holzapfel (Wildapfel), weil er sehr schön sauer ist.

Die Kunst des Mischens: Mild oder Würzig?

Nun kommen wir aber wieder von diesem wunderbaren Apfeltee zu unseren Blättern und Teekräuter. Je nach dem persönlichen Geschmack wird man nur bestimmte Blätterarten zur Teebereitung verwenden oder Mischungen der angegebenen Pflanzenteile, je nachdem ob ein milder oder ein würziger, ein duftender oder ein herber Haustee gewünscht wird.

Die Faustregel: Zweckmäßig wird die Hauptmenge des Teegemischs aus solchen Blättern bestehen, die einen milden Geschmack besitzen, wie Erdbeer-, Himbeer- und/oder Brombeerblätter.

Erfahrungsgemäß hängt es nicht so sehr von einem bestimmten Mengenverhältnis der verwendeten Pflanzenbestandteile ab, ob man eine brauchbare Teemischung erhält; es genügt darauf zu achten, dass nicht zu große Mengen an streng und aufdringlich schmeckenden Pflanzen zu der Mischung verwendet werden.

Historischer Tipp: Daher wurde früher eine Mischung aus 1/3 Erdbeerblättern, 1/3 Brombeerblättern und 1/3 Huflattichblättern als ein geeigneter Teeersatz empfohlen. (Hinweis: Wobei der Huflattich heutzutage als kritisch anzusehen ist!)

Alte Rezepturen aus dem Vorratsschrank

Hier sind vier historische Mischungen, wie sie früher zubereitet wurden.

Mischung 1: „Des Wanderers Rast“ (Kraftvoll & Herb)

  • Hauptbestandteil: Brombeerblätter, Himbeerblätter, Nussbaumblätter, Katzenpfötchenblüten.
  • In reichlicher Beimischung: Rosenkerne, Schafgarbenblüten, Hohlzahnblüten und Blätter.
  • In spärlicher Beimischung: Eibischwurzeln, Besenheide (Zweige mit Blüten und Blättern), Sauerkirschstiele, Breitwegerichblätter, Steinkleeblüten.

Mischung 2: „Wiesen-Trost“ (Blumig & Beere)

  • Hauptbestandteil: Brombeerblätter, Himbeerblätter, Nussbaumblätter, Preiselbeerblätter, Malvenblätter, Rosenkerne.
  • In reichlicher Beimischung: Ruchgras, Stiefmütterchen, Wundkleeblüten, Schafgarbenblüten.
  • In spärlicher Beimischung: Besenheide, Kornblumen, Schlüsselblumenblüten, Eibischwurzel, Fenchel.

Mischung 3: „Walnuss-Gold“ (Würzig & Aromatisch)

  • Hauptbestandteil: Nussbaumblätter.
  • In reichlicher Beimischung: Rosenkern, Hagebutten, Stiefmütterchen, Schafgarbenblüten, Waldmeister, Rosenblätter, Brombeerblätter, Erdbeerblätter, Ruchgras.
  • In spärlicher Beimischung: Steinkleeblüten, Heidekraut.

Mischung 4: „Der Lieblingstee“ (Sehr wohlschmeckend)

  • Hauptbestandteil: Erdbeerblätter, Himbeerblätter, Brombeerblätter.
  • In reichlicher Beimischung: Lindenblüten, Sanikelwurzel.

Zubereitung: Das Ritual des Aufgusses

Aus den vorerwähnten Teemischungen wird das Teegetränk in der gleichen Weise wie bei dem Schwarzen Tee durch Aufbrühen mit kochendem Wasser zubereitet.

Je nach Geschmack des Einzelnen lässt sich durch mehr oder weniger langes Ausziehen des Teegemischs mit dem heißen Wasser ein Getränk von mildem oder herbem Geschmack erzielen. Nur durch Probieren kann gefunden werden, wie lange das Ausziehen zu dauern hat, damit die fertige Teemischung demjenigen zusagt, der es genießen will.

Zum Schluss gießt man das Ganze durch ein Sieb; der gewonnene Haustee ist dann trinkfertig und kann nach Belieben gesüßt oder ungesüßt genossen werden. Zum Süßen von eurem Haustee eignen sich Süßholzstangen.

Wie schon eingangs erwähnt, müssen wir uns natürlich beim Sammeln der Pflanzenteile nach einem Sammelkalender orientieren.

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