NEU! Wie sie einst lebten

Schotten in Ostpreußen: Einwanderung & Berufe

Die Einwanderung von Schottland nach Ostpreußen (damals Herzogliches Preußen, mit Königsberg als Zentrum) und in die umliegenden Regionen wie Westpreußen begann hauptsächlich im 16. und 17. Jahrhundert und war Teil einer breiteren schottischen Einwanderung in den Ostseeraum.

Schätzungen gehen von bis zu 30.000 Schotten aus, die sich in der gesamten Region niederließen, wobei Ostpreußen, einschließlich Königsberg, ein wichtiger Anlaufpunkt war. Die Gründe waren vielfältig und oft mit den schwierigen Bedingungen in Schottland verbunden. Der Ostseehandel, insbesondere über Häfen wie Danzig, bot attraktive Möglichkeiten, da Schottland bereits seit dem 15. Jahrhundert Handelsbeziehungen dorthin unterhielt.

  • Wirtschaftliche Not und Überbevölkerung: Schottland war zu dieser Zeit ein armes Land am Rande Europas, geplagt von Hungersnöten, Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Stagnation. Viele Schotten suchten bessere Chancen im florierenden Ostseeraum, wo Handel und Städte boomten.
  • Politische und religiöse Konflikte: Religiöse Verfolgungen spielten eine Rolle, insbesondere für Calvinisten und andere Protestanten, die vor Konflikten in Schottland flohen. Der Englische Bürgerkrieg (1642–1648), die Besetzung Schottlands durch Cromwell-Truppen und frühere englische Angriffe (1544–1549) trieben viele zur Auswanderung. Zudem gab es politische Flüchtlinge, die Asyl suchten.
  • Militärische Chancen: Viele Schotten kamen als Söldner (Mercenaries), die in Kriegen wie dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) oder schwedischen Feldzügen dienten. Sie stammten oft aus Regionen im Nordosten Schottlands und fanden in preußischen oder polnischen Armeen Beschäftigung.
  • Fehlende Alternativen: Handel mit England war eingeschränkt (da Feindschaft bestand), die Niederlande waren bereits überlaufen, und Frankreich bot weniger für Händler. Preußen und Polen hingegen hatten keine starke Mittelschicht; Handel wurde von Ausländern und Juden dominiert, was Lücken für schottische Unternehmer schuf.

Die Einwanderung war nicht massiv organisiert, sondern oft individuell oder in kleinen Gruppen. Schotten organisierten sich in Scottish Brotherhoods (Bruderschaften) mit Zweigen in Städten wie Königsberg, um sich gegenseitig zu unterstützen und Rechte zu wahren.

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Berufe und Tätigkeiten der Schotten in Ostpreußen

Die Schotten gliederten sich schnell in die lokale Gesellschaft ein, heirateten Einheimische und trugen zur wirtschaftlichen Entwicklung bei. Historiker betonen, dass sie Stärke, industrielle Kapazität und eine Mischung aus Sturheit und Scharfsinn in die Region brachten.

Ihre Hauptberufe waren:

Händler und Wanderhändler (Pedlars): Der Großteil arbeitete im Handel, oft als reisende Verkäufer von Waren wie Tuch, Pelzen, Salz oder Luxusgütern. Sie nutzten Privilegien, die ihnen von lokalen Autoritäten aber nur manchmal gewährt wurden, und siedelten sich in Städten wie Königsberg, Angerburg, Danzig oder Elbing an. Viele begannen als Pedlars und wurden später sesshafte Kaufleute.

Söldner und Soldaten: Als Söldner dienten sie in Armeen, z. B. unter schwedischen oder preußischen Kommandos. Bekannte Figuren wie Henry Fleming, ein Schotte in der schwedischen Armee, lebten in Königsberg.

Handwerker und Unternehmer: Einige wurden Handwerker, Banker oder Hoflieferanten. Reiche Schotten erwarben Land, wurden geadelt und integrierten sich in die Oberschicht.

Andere Rollen: Weniger häufig als Gelehrte oder Geistliche, aber einige schottische Mönche kamen bereits im 11. Jahrhundert, z. B. Marianus Scotus.

Speziell zu den Wanderhändler, den sogenannten Paudelkrämer

So willkommen die wandernden Händler auf den abgelegenen Höfen und Gütern waren, so bitter war der Gegenwind, der ihnen in den Städten entgegenschlug. Die ansässigen Krämer, Tuchmacher und Kaufleute wachten eifersüchtig über ihre alten Privilegien und sahen die schottischen Neuankömmlinge gar nicht gern.

Nach dem strengen Zunftrecht jener Zeit war der Handel mit feinen Stoffen, Gewürzen und Eisenwaren eigentlich den einheimischen Gilden in den Städten vorbehalten. Doch die Schotten zogen mit ihrer schweren Paudel auf dem Rücken über die schlammigen Landwege direkt bis an die Schwellen der Bauernhäuser und unterliefen damit das städtische Handelsmonopol.

  • Verjagt von den Toren: Oftmals wurden die schottischen Krämer von den Stadtwachen und erzürnten Händlern regelrecht verscheucht, ihre Warenkisten wurden beschlagnahmt oder sie wurden mit harten Sondersteuern und strengen Hausierverboten belegt.
  • Heimlicher Handel auf dem Land: Weil die Landbevölkerung jedoch froh war, für ein Stück Leinen, ein gutes Messer oder Nadeln nicht den weiten Weg in die nächste Stadt antreten zu müssen, hielten die Bauern oft schützend ihre Hand über die wandernden Händler.
  • Der Schotte wird zum festen Begriff: Da fast jeder wandernde Hausierer im 16. und 17. Jahrhundert aus dem schottischen Hochland stammte, verschmolz ihre Herkunft in der ostpreußischen Überlieferung bald völlig mit ihrem Beruf. Das Wort Schotte bedeutete im alten Sprachgebrauch Ost- und Westpreußens schlichtweg Wanderhändler oder Paudelkrämer.
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Pass auf, wenn der Schotte kommt

Aus dieser Zeit des Misstrauens und der ruhelosen Wanderschaft haben sich in den Redensarten des Ostens noch lange besondere Sprüche gehalten, in denen der Respekt, aber auch die Warnung vor den fremden Händlern mitschwang.

Wart, ich geb dir auf den Schotten! oder: Der Schotte kommt!: Um unruhige Kinder am Abend ins Haus zu rufen oder zur Ruhe zu ermahnen, drohte man ihnen in den alten Stuben oft scherzhaft mit dem wandernden Krämer, der mit seinem riesigen, dunklen Tragkorb auf dem Rücken für Kinderaugen wie eine furchteinflößende Gestalt wirkte und unartige Kinder angeblich einfach in seine tiefe Paudel steckte.

Pass auf, wenn der Schotte kommt, der schwatzt dir das Hemd vom Leibe!: Unter den Erwachsenen und besonders unter den einheimischen Kaufleuten kursierte die Warnung vor dem legendären Handelsgeschick der Schotten. Man sagte ihnen nach, sie seien so zäh, wortgewandt und geschäftstüchtig, dass man seine Münzen gut festhalten müsse, sobald ein Paudelkrämer den Hof betrat.

Er zieht umher wie ein Schotte: Wer niemals lange an einem Ort verweilte und ständig auf Achse war, über den sagte man in Ostpreußen noch Jahrhunderte später dieses alte Sprichwort.

Vielleicht kennt man aus den Erzählungen auch noch das alte ostpreußische Wort Schottenpfennig oder Schottensteuer? Weil die einheimischen Krämer sich unaufhörlich beim Herzog und später beim preußischen König beschwerten, mussten die Schotten zeitweise ein spezielles Schutzgeld zahlen, um überhaupt im Land bleiben zu dürfen. Gerade diese alten Steuerlisten, die Schottenregister sind heute für uns Ahnenforscher ein riesiges Glück, weil darin oft zum allerersten Mal die Namen unserer schottischen Vorfahren schriftlich festgehalten wurden!


🪔 Auf alten Pfaden weiterwandeln:

Wächterfigur aus Stroh vor lodernden Flammen unter violettem Abendhimmel – Ein Sinnbild für Pflanzengeister und Naturmagie.

Hier schreibt Katja – eine Suchende zwischen den Welten. In stillen Nächten berge ich fast vergessenes Ahnenwissen aus alten Schriften und verbinde es mit der lebendigen Naturmagie meines Gartens. Hier im Celticgarden teile ich die Essenz dieser alten Pfade und das Raunen der Pflanzenseelen mit dir.