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Schottische Familiennamen: Wie sie in Ostpreußen wurzelten

Manchmal weht durch unsere alten ostpreußischen Stammbäume ein Hauch von Heidekraut, Torffeuer und fernem Meeresnebel. Wer tief in das Ahnenwissen seiner Familie eintaucht, stößt im alten Preußenland nicht selten auf eine überraschende Spur, die über das stürmische Wasser bis in die schottischen Highlands führt.

Ab dem 16. und 17. Jahrhundert verließen tausende Schotten ihre karge, von Glaubenskämpfen und Hungersnöten gezeichnete Heimat. Als wandernde Krämer, in der alten Schriften oft Paudelkrämer genannt, geschickte Handwerker, Tuchhändler und Soldaten suchten sie an den Küsten der Ostsee nach einem neuen Schicksal.

Wie die Namen sich wandelten

Die Veränderungen der Familiennamen geschah eigentlich gleich nach ihrer Ankunft in Ostpreußen. Die Schotten gliederten sich gleich in die vorhandene Gesellschaft ein, indem sie Töchter der Erde heirateten, schnell ihre Sprache lernten und ihren Kindern teilweise deutsche und baltische Vornamen gaben. Sie legten ihre alte Tracht ab, tauschten das Gälische und das alte Scots gegen das Niederdeutsche oder Prußische und verwuchsen binnen einer Generation fest mit dem neuen Boden.

Wir müssen dabei auch immer beachten, dass die Schreiberlinge früher nur nach Hören und Sagen die Namen notierten. Wenn ein schottischer Einwanderer vor dem deutschen Pfarrer oder dem preußischen Amtsschreiber stand und seinen Namen mit schwerem, kehligem Zungenschlag aussprach, griff die Gänsefeder zu jenen Buchstaben, die dem Ohr am vertrautesten klangen. Daher wurde auch viel verfälscht, was die Familiennamen betrifft. Im ehemaligen Ostpreußen ist dieses Phänomen sehr häufig und groß.

Manchmal wurde der Name einfach dem Klang nach eingedeutscht, manchmal aber auch direkt in die Bedeutung des hiesigen Handwerks übersetzt und in den südlichen und östlichen Landstrichen verschmolz das schottische Erbe sogar mit slawischen Klängen:

  • Slawische & masurische Verschmelzungen: Manche schottischen Namen bekamen auch eine polnische Endung, wie -ek und -ski, wie zum Beispiel der schottische Familienname Ross zu Rossek oder Rosek wurde, Cochrane zu Cochranek und Taylor zu Tailarowitz oder Tel(l)er.
  • Der Wandel der Rufnamen: Aber auch die Vornamen haben diesen Wandel durchgemacht, wie James zu Jacob, John zu Hans, Andrew zu Andreas oder Matthew zu Mattheus geworden sind. Aus einem stolzen William wurde in den Kirchenbüchern rasch ein Wilhelm, und ein Archibald fand sich nicht selten als Erhard oder Albrecht auf dem vergilbten Pergament wieder.
Bild KI-generiert

Das alte Namenbuch: Schottische Wurzeln im ostpreußischen Gewand

Hinter so manchem Namen, der uns heute durch und durch deutsch oder ostpreußisch erscheint, verbirgt sich in Wahrheit ein alter schottischer Clan. In den historischen Bürgerrollen, Zinsregistern und Kirchenbüchern lässt sich dieser Wandel wunderbar ablesen:

  • Allardyce – Ardus
  • Brown – Braun
  • Bruce – Bruss
  • Cochrane – Cockeren (oder Cochranek)
  • Cook – Koch
  • Crawford – Craffert
  • Finlayson – Feinlosen
  • Gardiner – Gertner
  • Hamilton – Hammelthon
  • Mackenzie – Mekkentsien
  • Macmillan – Machmüller
  • Miller – Möller
  • Moir – Muhr
  • Morris (Moryce) – Moritz
  • Murray – Morre oder Morra
  • Newman – Neumann
  • Ross – Rossek oder Rosek
  • Rutherford – Riderfarth
  • Smith – Schmidt
  • Somerfeld (Somerville) – Sommerfeld
  • Taylor – Tel(l)er (oder Tailarowitz)
  • Wallace – Wallis
  • Wood – Wud
  • Young – Jung

Wenn ich weitere schottische Familiennamen finde, werde ich sie nach und nach eintragen. Es lohnt sich, mit wachen Augen zwischen den Zeilen der alten Urkunden zu lesen, besonders dann, wenn in einem Kirchenbucheintrag plötzlich der kleine lateinische Vermerk Scotus (der Schotte) hinter einem wohlvertrauten Namen auftaucht oder ein moderner DNA-Test plötzlich eine rätselhafte Brücke nach Schottland schlägt.

Also, wenn ihr das nächste Mal in Ost- oder Westpreußen über eure Vorfahren recherchiert, schaut auch in diese Richtung. Etwa an die 30.000 Schotten haben sich damals entlang der Ostseeküste angesiedelt.


🪔 Auf alten Pfaden weiterwandeln:

Wächterfigur aus Stroh vor lodernden Flammen unter violettem Abendhimmel – Ein Sinnbild für Pflanzengeister und Naturmagie.

Hier schreibt Katja – eine Suchende zwischen den Welten. In stillen Nächten berge ich fast vergessenes Ahnenwissen aus alten Schriften und verbinde es mit der lebendigen Naturmagie meines Gartens. Hier im Celticgarden teile ich die Essenz dieser alten Pfade und das Raunen der Pflanzenseelen mit dir.