Teil III der Pflanzenmagie: Die Alraune

Heute möchte ich euch die Alraune in der Artikelserie vorstellen. Es gibt weltweit keine andere Pflanze über die soviel geschrieben und erzählt wird. Sie ist die bekannteste Zauberpflanze. Es wird vermutet das ihr Name von altgermanischen alaruna für weibliche Kobolde herleitet oder runa für Geheimnis und raunen für heimlich oder leise reden. Sicher ist man sich damit nicht.

Die Alraune besitzt fleischige, menschenähnliche Wurzeln, die zu zauberischen Zwecken verwendet wurden. Sie kommt im Mittelmeerraum vor, besonders auf Kreta, Zypern und Sizilien. Sie wächst dort an sonnigen und sehr trockenen Stellen, wobei sie felsigen Untergrund bevorzugt. Ihre Wurzel kann eine Länge von einem Meter betragen. Hier in Deutschland wachsen keine Alraunen wild. Die häufigste Alraune ist die Mandragora officinarum oder auch die männliche Alraune. Es gibt noch eine weibliche Alraune und zwar die Alraune Mandragora autumnalis. Alle Alraunen sind giftig und erzeugen Unruhe, Schwindel, Tobsucht, Delirien. Als Ersatz der Alraunenwurzel war die Zaunrübe, gelbe Rübe, Allermannsharnischwurzeln und Sellerie. Im Mittelalter wurde mit den gefälschten Alraunenwurzeln viele Betrügereien vollzogen. 1570 wurden 3 Alraunen-Händler erhängt, weil sie die Gelbe Rübe antatt der Alraunenwurzeln den Menschen verkauft hatten. Noch 1955 wurden in München Zigeunerinnen verhaftet, weil sie gefälschte Alraunenwurzeln verkauften.

(Alraune)
(Alraune)

Die Alraune war schon im alten Ägypten bekannt, was Darstellungen an einer Grabwand beweisen. Auch in der Bibel wurde sie schon genannt mit dem Namen Dudaim. Es ranken viele Mythen darum, wie man die Alraune zu ernten hat. Beim Ausgraben der Alraune soll man sie dreimal mit dem Schwert umkreisen und sie dann mit dem Gesicht nach Westen gerichtet ausgraben. Ein anderer Brauch besagt, das man sie wild umtanzen soll und dabei viel von Liebe und Zuneigung sprechen soll. Viele Menschen berichteten in damaliger Zeit, das sie versucht, sich zu verstecken, wenn man sie gefunden hatte und nur durch die Besprengung mit Blut und Urin sichtbar werde. Aber auch dann ist man des Todes gewiss. Aber es gab auch einen Trick, wie man die Alraune unbeschadet ernten konnte, indem man einen Graben um sie grub. Es durfte nur noch ein kleiner Teil der Wurzel unsichtbar sein, aber die Hände durften mit der Wurzel nicht in Berührung kommen. Dann nimmt man eine Schnur und bindet sie an die Alraune und an den Schwanz eines schwarzen Hundes und wenn man nun den Hund ruft und er zu einem kommen will, so reisst er die Alraune aus der Erde. Durch den lauten Schrei der Alraune stirbt der Hund auf der Stelle, als stellvertretendes Opfer dessen, der die Pflanze nehmen will. Hat man die ausgerissene Alraune erstmal in der Hand, so besteht keine Gefahr mehr.

(Ernte der Alraune)
(Ernte der Alraune)

Diese ganze Mühe bei der Ernte der Alraune war wegen ihrer Eigenschaften, das sie das Geld vermehren soll, böse Geister und Dämonen vertreiben soll, sie brachte Fruchtbarkeit und dem Besitzer Schutz und Glück. Man sagte auch, das der Teufel in ihr wohnen soll, wegen ihrer menschenähnlichen Wurzel. Nach der Ernte wurde die Alraunenwurzel in Wasser gelegt um alles Böse aus ihr herauszuziehen. Wenn man sie zu Zauberzwecken verwenden wollte, durfte sie nicht so gewaschen werden. Wenn ein Mann einem Liebeszauber unterlegen war, sollte er eine weibliche Alraune zwischen Brust und Nabel am Körper tragen. Wenn ein Mensch von Natur aus träge und träumerisch war, soll er sich die gewaschene Alraune ins Bett legen bis sie von seinem Schweiss warm wird und dabei folgendes sprechen: Gott, der du den Menschen aus Erde ohne Schmerzen geschaffen, jetzt lege ich dies in diese Erde, die niemals gesündigt, neben mich, damit auch mein irdischer Leib den Frieden fühle, wie du ihn geschaffen. Hatte man keine Alraune zur Hand gingen auch Buchentriebe.

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Auch wenn viele Alraunenwurzeln aus dem Orient kamen und zu sehr hohen Preisen hier im mittelalterlichen Deutschland gehandelt wurden, waren doch die meisten Wurzeln Fälschungen aus einheimischen Pflanzen. Es fanden zum Beispiel die Wurzeln von der Zaunrübe, Enzian, Blutwurz und auch des Wegerichs Verwendung. Gewöhnlich waren die Alraunenwurzeln handbreit. In Museen und auch im Privatbesitz sind noch viele Alraunenwurzeln zu finden. Der Handel mit dieser Wurzel war ein lohnendes Geschäft im Mittelalter. Es wurden sogar noch zum Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Berliner Warenhaus Fälschungen von der Alraunenwurzeln für 2,25 Mark verkauft. Es waren Wurzeln des Allermannsharnisch und sie waren in einem Medaillon eingegossen mit einem kleinen Zettelchen dabei, das diese Wurzel Reichtum und Gesundheit bringt, das man Schätze finden kann und vor dem Nachtgeistern geschützt sei. Auch die Wurzeln der gelben Schwertlilie wurden verkauft. Sie fanden reissenden Absatz. Sie brachten angeblich Reichtum und Kindersegen.

alraune

Ein anderer Brauch besagt, das man die Alraune am Johannistag Punkt Mitternacht ernten soll, dann stösst sie zwar auch diesen Schrei aus, aber ihre Wirkung ist dann nicht mehr so schädlich für den Menschen. Die Alraunenwurzeln wurde auch Galgenmännchen genannt, weil sie angeblich aus den Samen der unschuldig gehängten Männer wachsen. Auch in Hexenprozessen spielte die Alraune eine grosse Rolle. Es war sehr gefährlich zu dieser Zeit eine Alraunenwurzel bei sich zu Hause aufzubewahren. Viele Frauen die auf dem Scheiterhaufen starben, tranken vorher einen Alraunenwein. Wenn man neben einer Alraunenwurzel sein Geld hinlegte wird es sich aufs Doppelte vermehren. Also vermehrte sich der Wohlstand. Bei der Geburt erleichtert die Alraunenwurzeln, wenn sie um den Hals getragen wird oder ihr Saft auf den Bauch gerieben wird. In einer adligen Familien aus Althessen wurde das Alraunenmännchen in einen gläsernen Kasten gelegt und jeden Tag genau beobachtet, denn was in der Familie geschah, passierte auch kurz vorher mit dem Alraunenmännchen. Wenn der Besitzer eines Alraunenmännchen starb musste das Männchen mit ihm vergraben werden, ansonsten fand der Tote keine Ruhe und wurde dem Teufel übergeben oder man musste sie kurz vor seinem Tod verschenken, aber nie in dritte Hände, denn dann kam das Alraunenmännchen immer zu seinem ersten Besitzer zurück. Noch heute spielen gerade im Orient die Alraunenwurzeln eine sehr grosse Rolle und sie sind die einzige Ware die dort nicht gehandelt wird, sondern zu dem Preis, die der Händler sagt auch gekauft wird.

alraunenfrau

In Russland wird geglaubt, das die Alraune aus ungetauften und ermordeten Kindern entsteht. Wer die Pflanze schneidet und herausreisst, den lähmt sie und nimmt ihm den Verstand. Durch Opferung von Brot, Butter und eines Kreuzes kann man die Pflanze versöhnen. Auch in Hauseingängen und Vorratskammern wurde das Alraunenmännchen aufgehangen, als guter Hausgeist der das Haus und ihre Bewohner Schutz und Glück bescheren sollte. Als Glücksmännchen beantwortete das Männchen in einem Orakel alle Fragen und prophezeite die Zukunft. Bei schwarzer Magie erweckte man die Toten mit einer Alraunenwurzel. Um das sie Glück, Gesundheit und Reichtum im Haus bescherte, wurde das Alraunenmännchen einmal die Woche in Wein gebadet, trocken gerieben und in edler Seide bekleidet in einem Kästchen im Haus aufbewahrt.

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Im Mittelalter war sie ein hochgeschätztes Medikament. So wurde Alraunenwein bei Schlaflosigkeit verabreicht und auch bei vielen anderen Beschwerden den Patienten gegeben, zum Beispiel bei Augenentzündungen, Beklemmungen, Gelenkschmerzen, Geschwüren, Entzündungen, Hautentzündungen, Leberschmerzen, Schlangenbissen, Unfruchtbarkeit, Vergiftungen, Verlust der Sprache, Würmer und als Narkosemittel bei Operationen. Sie wurde auch zu Pulver zerrieben und bei Zahnschmerzen eingenommen. Die Blätter dienten auch als Tabakersatz. Der Saft als Umschlag sollte sogar abgestorbene Föten aus dem Mutterleib treiben. Auf Rezepte werde ich hier verzichten, weil es einfach zu gefährlich ist es öffentlich zu schreiben. Am Ende schreibe ich noch was zu einer Räucherung, die in der Antike und im Mittelalter sehr oft verwendet wurde. Sie wirkt nur schwach gegenüber der äusserlichen oder sogar innerlichen Verwendung der Alraune.

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In der Magie steht sie für Fruchtbarkeit, Reichtum, Glück, Gesundheit und Liebe. Als Amulett trägt man die getrocknete Wurzel als Anhänger um den Hals oder mit in einer Fraisenkette (Eine Kette mit mehreren Glücksbringern). Übers Bett gehängt, schützt sie vor Albträumen und am Körper getragen vor ansteckenden Krankheiten. Wenn man die Alraunenwurzel im Haus aufhängt können keine Dämonen das Haus betreten.

Mandragora autumnalis

Die Alraune sollte, wenn überhaupt nur in einem Räucherwerk verräuchert werden, weil sie dann nicht zu Vergiftungen führen kann, wenn auch bei einem Räucherwerk eine sehr grosse Vorsicht und grosser Respekt gegenüber dem Pflanzengeist gegeben sein sollte. Denn der Pflanzengeist der Alraune ist sehr gross und mächtig. Alraunenblätter oder die Wurzeln mischen sich gut mit Beifuss, Weihrauch, Minzen, Nelken, Liebstöckel, Weissdorn oder Königskerzenblüten zu einem Räucherwerk. Missbrauch oder Überdosierung der Alraune führt unweigerlich zum Tod!!!

(Meine Alraune im Garten)
(Meine Alraune im Garten, bevor sie verschwunden war)

Nun zum Schluss möchte ich euch eine Geschichte aufschreiben was mir und meinem Lebensgefährten mit einer Alraune passiert ist. Seit diesem Erlebnis bin ich sehr vorsichtig, was die Alraune betrifft. Letztes Jahr kaufte ich eine junge Alraune und voller Stolz und Glück brachte ich sie in den Garten und wollte sie zusammen mit meinem Lebensgefährten unter einer jungen Eiche einpflanzen. Gesagt getan. Nach der Verpflanzung setzten wir uns unter dem Pavillon und hörten nach einer Zeit immer wieder von weit her Kindergeschrei oder das Rufen von Schafen. Wohlbemerkt Schafe gibt es in unserem Umkreis nicht und Kinder auch nicht. Wir wohnen ziemlich in der Natur. Es war auch so leise und zart, das ich daraufhin zu meinem Lebensgefährte sagte, das kann nur die Alraune sein. Ich sagte es im Spass und mit einem Augenzwinkern, denn vielleicht passt ihr das neue Zuhause nicht. Dieses leise Geschrei hörten wir noch weit bis in den Abend hinein. Nächsten Tag wollte ich nach der Alraune schauen und ich erschrak, weil sie weg war. Sie war wirklich weg. Ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich holte gleich einen Spaten aus dem Schuppen, um zu schauen, ob die Wurzel noch im Erdreich sass, aber auch sie war weg. Alles war weg von der Alraune, so wie als ob man sie nie gepflanzt hätte. Kein Loch, keine Blätter, keine Wurzel. Weit und breit keine Alraune zu sehen. Seitdem weiss ich das die Alraune einen sehr mächtigen und grossen Pflanzengeist besitzt.

Seit bitte vorsichtig was die Alraune anbelangt,

eure Katuschka )O(


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