Der Gewöhnliche Odermennig | Im Anbau, Wirkung und Verwendung

Kleine Odermennig
Der Gewöhnliche Odermennig | ©katuschka

Der Odermennig war mal ein sehr wichtiges Wundkraut. Im Mittelalter gehörte er zu den grossen Heilpflanzen. Heute ist er in Vergessenheit geraten. Odermennig ist immer noch Bestandteil von einem französischen Kräuterwasser, das man bei verschiedenen Beschwerden verwendet. Der Odermennig ist mit dem Wiesenknopf und dem Mädesüss verwandt. Diese Pflanze ist auch als Sängerkraut bekannt und lindert Stimmbandreizungen und soll die Stimme weicher und geschmeidiger machen.

Odermennig Steckbrief
Steckbrief Odermennig

Botanischer Name

Agrimonia eupatoria

Volkstümliche Namen

Heil aller Welt, Petermännchen, Schlangenkraut, Magenkraut, Lebenskraut

Volksheilkunde

Ruhr, Nahrungsmittelallergie, Durchfall, Gallensteinen, Blinddarmreizungen, Inkontinenz, Rheuma, Halsschmerzen, Bindehautentzündungen, Hämorrhoiden, Verletzungen, chronischen Hautbeschwerden, Nieren- und Blasenentzündungen, Entzündungen im Mund- und Rachenraum, Diabetes, Milzleiden, Gallenblasenentzündung, Magenübersäuerung, Leberbeschwerden, Angina, Wunden, Verstauchungen, Gliederschmerzen, Müdigkeit, Stimmbandbeschwerden, Appetitlosigkeit

Hauptanwendung

Stimmbandreizungen und Durchfall

Eigenschaften

Zusammenziehend, stärkend, blutstillend, entzündungshemmend, wundheilend, antiviral, antibakteriell, antioxidativ, leberstärkend, abschwellend

Inhaltsstoffe

Bitterstoffe, Gerbstoffe, Kieselsäure, ätherische Öle

Verwendete Pflanzenteile

Es wird das blühende Kraut und vereinzeln die Blätter verwendet.

Darreichungsform

Tee, Gurgelwasser, Badezusatz, Umschläge, Salbe, Tinktur, Heilwein

Vorkommen

Wegränder, Knicks, Hecken, Wiesen, Waldränder

Blütezeit

Juni bis August

Verwechslung mit anderen Pflanzen

Verwechslungen kommen oft mit der schwarzen Königskerze vor. In Deutschland gibt es noch den Grossen Odermennig, der aber volksheilkundlich keine so grosse Bedeutung hat. Bei ungeübten Kräutersammler könnte auch der Gelbe Steinklee mit ihm verwechselt werden.

Rote Liste & Insektenwelt

Der Odermennig steht auf keiner Roten Liste. Schwebfliegen und Bienen fliegen ihn reichlich an.

Anbau im Naturgarten und Balkon

Der Odermennig ist eine winterharte Kulturpflanze. Die Vermehrung erfolgt durch Samen im Frühjahr. Diese Pflanze kann eine Höhe von gut 1 Meter erreichen, wobei er aber meistens nur an die 60 cm hoch wird. Er liebt trockene und lehmige Böden und kann auch ein wenig schattig stehen. Viel kann ich selber über ihn noch nicht schreiben, weil er erst seit letztem Jahr bei mir im Garten sein Zuhause gefunden hat. Ich weiss bis jetzt das er vor Schneckenfrass geschützt ist. Sie machen einen grossen Bogen um ihn.

Zeigerpflanze

Der Odermennig soll kalkhaltige Böden anzeigen.

Sammelzeit

Juni bis August (blühende Kraut)

Mai bis Juli (Blätter)

Ernte & Trocknung

Für die Ernte wird der Odermennig in der Blüte geschnitten. Ähren die schon eine Samenschale entwickelt haben, sollte man meiden. Man legt das gesammelte Kraut in Lagen aus oder hängt es gebündelt kopfüber an einen schattigen Ort.

Geschmack & Geruch

Bitter & aromatisch

Verwendung in der Küche/Haushalt/Kosmetik/Tierhaltung

Die Blätter schmecken gut in Quark, Salaten und als Pesto.

In Kräutertabak wurde er in früheren Zeiten sehr oft genommen. Die Wurzeln des Odermennig werden als Färbemittel verwendet. Sie ergeben ein schönes Gelb.

Odermennig Rezepte

Tee-Zubereitung

  • 1 TL getrocknetes Odermennigkraut
  • 1 Tasse Wasser (ca. 250 ml)

Das kochende Wasser über das Kraut giessen und ca. 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abfiltern und nach Bedarf mit etwas Honig süssen. Täglich können bis zu drei Tassen, bei leichtem Durchfall, Husten oder Appetitlosigkeit, davon getrunken werden. Auch bringt dieser Tee Linderung bei Stimmbandreizungen, als Gurgelwasser. Dazu muss er abkühlen. Dieser Tee kann auch als Umschlag bei entzündeten Hautpartien oder Juckreiz verwendet werden.

Odermennig-Tinktur

Zerkleinerte Blütentriebe werden mit soviel Alkohol (40%) übergossen bis alles bedeckt ist. Alles gut verschliessen, durchschütteln und für 10 bis 14 Tage an einen nicht zu hellen Ort durchziehen lassen. Dabei täglich schütteln und auf mögliche Schimmelbildung achten. Abfiltern und in kleine Fläschchen umfüllen. Von dieser Tinktur können bis zu drei Teelöffel täglich in Wasser oder Kräutertee vermischt, eingenommen werden.

Heilwein

100 g getrocknete Blätter kocht man mit 500 ml Rotwein auf und lässt es erkalten. Dieser Heilwein wird für Waschungen, bei offenen Krampfadern, kleinen Verletzungen und Geschwüren verwendet.

Nebenwirkungen

Die enthaltenen Gerbstoffe können die Magenschleimhaut massiv reizen. Deshalb sollten nie mehr als drei Tassen täglich getrunken werden. Wer Medikamente einnimmt, sollte auf den Odermennig verzichten oder zumindest nicht gleich vor oder nach der Medikamenteneinnahme einnehmen, weil diese Heilpflanze manche Wirkstoffaufnahme verhindert. Bitte beachtet, dass diese Vorstellung den Gang zu einem Arzt oder Heilpraktiker nicht ersetzt. Bitte auch meinen Hinweis vor einer möglichen Anwendung lesen!

Räuchern mit dem Odermennig

Eine Odermennig-Räucherung wird entfacht, um sich vor schwarzer Magie zu schützen. Durch seine Wirkung löst sich der Schadzauber, der über uns schwebt, in Luft auf und wird an die Person, die den Schadzauber über uns gebracht hat, rückwirkend wieder zurückgeschickt.

Magische Eigenschaften

Schützend, beruhigend

Magische Sammelzeit

Laut Volksglauben sollte der Odermennig an einem Donnerstag, bei abnehmenden Mond, gesammelt werden.

Element

Sein Element ist die Luft.

Volksglauben

Im Volksglauben zieht der Odermennig das Glück herbei. Auch gegen negativen Energien wurde er viel am Körper getragen. Dazu nahm man seine getrockneten Blüten, Blätter und/oder Wurzeln in kleinen Schutzbeuteln. In einem Hexenprozess in Mecklenburg Anno 1582 sagte eine angeklagte Frau aus, sie habe den Odermennig in ihrem Neunkräuterzauber verwendet. Das Kraut einem Schlafenden auf die Stirn gelegt, ohne das er es merkt,
bewirkt, dass er nicht eher aufwacht, als bis man das Kraut wegnimmt.

Ähnlich wie bei der Königskerze (die Wetterkerze) wurde an ihm der Zeitpunkt der Saat abgelesen. Wenn die Blüten oben oder unten dicht stehen, muss die Saat früher oder später aufs Feld gebracht werden. Wenn der Odermennig früher blüht, so wird die Ernte früh ausfallen, wenn er zu spät blüht, wird auch die Ernte später sein. Zusammen mit dem Eisenkraut wurde er im 16. Jahrhundert als Liebesmittel verwendet.


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