Der Volksglaube vom Wald und seinen Farnen

farn volksglaube

Vorab gesagt Farne blühen nicht und haben auch keine Samen, weil sie Sporenpflanzen sind. Ihre Lieblingsplätze sind schattige, feuchte und dunkle Wälder. Daher ranken um dieses Kraut soviel Volksglauben und Legenden. Ich denke die auffallende grüne Farbe und auch das diese Pflanze nie blüht, reget die Phantasie der damaligen Menschen an. Der Volksglaube des Zauberkrautes kam von seinen braunen Sporen; das soll der magische und unsichtbarmachende Farnsamen sein. Das Farnkraut hatte im Volksglauben gleich hinter der Alraune seinen Platz.

Ausserordentüch zahlreich waren aber auch die geheimen Wundereigenschaften dieser Zauberpflanze; am blossen Körper getragen, galt sie als ein unfehlbarer Schutz gegen alle Verfluchungen, gegen jegliche Hexerei, und böse Geister, das Haus bewahrte sie vor dem Blitz, die Felder vor dem Hagelschlag, überhaupt war sie dem Teufel gründlichst verhasst, ermied ihre Nähe und verrichtete seine finsteren Werke niemals dort, wo sie wuchs. Doch war das Farnkraut nicht nur ein Schutzgewächs, es war auch ein Glückskraut. Sein Besitzer befähigte es auch Kristalle und Gold zu finden, es machte unsichtbar und verlieh unfehlbares Glück in Unternehmungen, Spiel und Liebe. Wer auf einem Farn tritt, der irrt im Wald umher und wird vom Teufel gejagt. Ein Volksglaube besagt, das der Farn nur um Mitternacht blüht. Wenn jemand dazu kommt, verschwindet die Blüte ganz schnell. Wenn es doch jemand schafft, diese Blüte zu finden und abzureissen, dem öffnet sich die Erde, Höllenflammen umkreisen einem, Gelächter ertönt. Die Blüte eines Farns öffnet jedes Schloss und jede verschlossene Tür.

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Magischer Farn /@celticgarden

In der Sonnenwendnacht sammelt man seine Samen. Wer diesen Farnsamen besitzt, bekommt Reichtum und Glück. Ganz einfach war es, wenn man dem Teufel seine Seele verkaufte. Dann bekam derjenige ein Tütchen voller Samen von ihm. In Hexenprozessen spielte der Farnaberglaube auch eine grosse Rolle. Eine Akte aus dem 16. Jahrhundert schildert einen solchen Fall. Ein Mann war angeklagt Zauberei begannen zu haben. Unter schlimmster Folter gestand er, das er den Farnsamen nie aus dem Wald holte, aber er genau weiss wie es geht. Man nehme einen Haselstock und ziehe mit diesem an einem gekreuzten Weg einen Kreis. In diesen Kreis legte man einen weissen Wegwartenstock. Es sollte nachts zwischen 11 und 12 Uhr passieren  und es darf dabei nicht geredet werden. Nun würden sich allerlei Erscheinungen zeigen. Um 12 Uhr muss der Wegwartenstock weggenommen werden, wo man auch noch vorher ein Tierfell druntergelegt hatte. Unter diesem Tierfell wuchs nun ein Stengel heraus und zugleich falle der Farnsamen zur Erde. Leider hatte dem Mann auch sein offenes Geständnis nichts genützt, weil er ein paar Monate später enthauptet wurde. Andere Frauen, die als Hexe angeklagt wurden, erzählten das der Farnsamen wirkungsvoller sei, wenn er unter einem Wacholderbusch gesammelt wird und man dadurch in Kontakt mit den Verstorbenen treten kann. Der Farnsamen mache auch unsichtbar und auch die Sprache der Tiere sollte derjenige, der den Farnsamen besitzt, verstehen. Dieser Volksglaube um den Farnsamen wurde so stark, das im 17. Jahrhundert ein Gesetz kam und das Sammeln des Samens verboten wurde und wer behauptete, das man mit dem Samen den Teufel bezwingen könnte, 2 Pfund Strafe zahlen musste.

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„Farnsamen“ /@celticgarden

Die Farnsamen waren das Gegenstück von der Wünschelrute. Man durfte einen Farn nie mit ins Haus nehmen, weil er dann Streit und Gezanke heranzieht. Anderswo wurden die grossen Farnwedel in Ställen ausgelegt, um das Vieh vor Verhexung zu schützten. Es wurde dem Vieh auch unters Futter gemischt, um vor dem „Beneiden“ zu bewahren. Auch bei den Menschen sollte ein immer mit getragenes Stück Farn vor Verzauberung und Verhexung schützen. Es wurde den Kindern sogar in die Wiege gelegt, damit der Teufel ihnen nichts anhaben kann. Ihre Kopfkissen wurden mit Farnwedel gefüllt, um ihnen das Zahnen zu erleichtern. Zur Sonnenwendnacht bastelte sich das Volk einen Gürtel aus Farnwedel. So sei man das ganze Jahr vor inneren Krankheiten geschützt. Ein Säckchen voller Farn verkehrtherum aufgehängt bringt keine Krankheiten ins Haus. Über die Türe gehängt schützt er vor Blitz. Im Abwehrzauber gegen Teufel, böse Geister, Krankheiten, Blitz und Hagel war es ein sehr grosses magisches Kraut.

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Farnwedel /@celticgarden

Der Tüpfelfarn bereitete einem wunderbare Träume. Der Frauenhaarfarn wurde für den Liebeszauber verwendet. Denn er soll verjüngen und ein langes Leben geben. Heiratslustige Mädchen liefen in der Sonnenwendnacht durch die Farne, damit der Samen in ihre Schuhe fiel. Zuhause leerten sie dann ihre Schuhe in Töpfe. Denn nur so erschien der Angebetete. Die Mädchen schützten sich auch vor Verzauberung, mit einem Pflanzenamulett, indem sie ihre Monatsblutung zusammen mit dem Farn in ein Tüchlein einnähten und um den Hals trugen. Als Schuheinlage nahm man den Farn mit auf die Reise, damit keine Müdigkeit einem überkam.

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Junge Farntriebe /@celticgarden

Es wurden aber auch Räucherungen, in Stall und Haus, mit dem Farnkraut vorgenommen. Diese Räucherung schützte vor Milchzauber und Verhexung. Gegen Fieber schrieb man einen lateinischen Text auf drei Farnwedel:

Auf das erste Farnblatt schreibt man:

Dextera domini fecit virtutem

Auf das zweite Farnblatt schreibt man:

Dextera domini exaltavit me

Auf das dritte Farnblatt schreibt man:

Dextera domini exaltavit virtutem

Farne sind sehr interessante Wesen. Wer sich über sie mehr informieren möchte, dem kann ich folgende Bücher empfehlen:

 

 

 


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