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Der Ruf der Wurzeln: Was ist Ahnenkult?
Wenn wir uns mit dem Räuchern wilder Pflanzen beschäftigen, kommt immer mal wieder der Manismus (Ahnenkult), auch Ahnenverehrung genannt, zur Sprache. Was ist das eigentlich, und wie sehen die Riten dazu aus? In diesem Artikel werde ich versuchen, euch diesen Alten Glauben ein wenig näherzubringen.
Der Unterschied zum Totenkult: Der Totenkult ist oft das Gegenteil. In ihm will man die verstorbenen Ahnen an ihrer Wiederkehr hindern (sie bannen). Der Manismus dagegen erfreut sich an der Anteilnahme unserer Ahnen in unserem Leben; wir laden sie ein.
Über diesen speziellen Glauben könnte man ganze Bücher füllen, daher versuche ich es in einer Kurzfassung, euch zu erklären, wie ich den Ahnenglauben praktiziere.
Das Kollektiv der Seelen: Wer bin ich?
Vorab gesagt, bin ich der Meinung, dass man erst mal wissen muss, wo die eigenen Wurzeln ihren Ursprung haben. Denn der Ahnenglaube besteht aus einem Kollektivgedanken heraus.
Was ist ein Kollektivgedanke? Dieser Gedanke entsteht, wenn ihr euch mit euren Vorfahren identifizieren könnt und das Gefühl von Zusammengehörigkeit mit euren Ahnen habt.
Der allererste Punkt ist also, erst mal herauszubekommen, wer eure Ahnen waren, woher sie kamen und was sie machten. Wenn ihr das alles zusammenhabt und ein Wir-Gefühl mit euren Vorfahren besitzt, sie sozusagen in euren Kreis aufgenommen habt – erst dann seid ihr bereit für euren eigenen Ahnenglauben.
Dieser Glaube war bei unseren Vorfahren weit verbreitet. Unsere alten Vorfahren wussten noch Bescheid, woher sie kamen und wer ihre Vorfahren waren. Meine Großmutter, Jahrgang 1910 in Ostpreußen, wusste noch, dass unser Ursprung evangelisch-reformierten Glaubens (Schweiz) und 1723 eine Hugenottin eine unserer X- Urgroßmutter war. Heute wissen nicht mal viele, wer eigentlich ihre Urgroßeltern waren und was sie gemacht haben.
„Wer nicht weiß,
woher er kommt,
der weiß nicht,
wohin er geht.“

Das mentale Bild: Verbindung durch Rauch und Erinnerung
Ich wollte euch damit zeigen, warum es wichtig ist: Denn nur wenn ihr wisst, woher ihr kommt, könnt ihr euch ein mentales Bild eurer Vorfahren in eurem Kopf entstehen lassen, was sehr wichtig im Ahnenglauben ist.
Das Wichtigste in diesem Kult ist das Räuchern mit gewissen Substanzen, wie zum Beispiel:
- Fliegenpilz
- Rosmarin
- Hasel
- Baumharze
Das Ritual: Um euch mit euren Ahnen zu verbinden, reicht ein Räucherwerk aus den eben genannten Pflanzen. Mit diesem Räucherwerk werdet ihr ruhig und könnt euch ganz dem Kollektivempfinden hingeben. Der Ahnenkult öffnet, symbolisch gesehen, verschlossene Türen, um Hilfe zu erbitten oder Gedenken an eure Vorfahren zu übermitteln.
Meine persönliche Praxis: Wenn ich zum Beispiel zu mentaler Ruhe kommen möchte, setze ich mich an den Gedenkstein meiner Vorfahren, lasse frische Blumen dort nieder und räuchere ein wenig mit Wildpflanzen und Harzen. Ich trinke einen Tee dazu und begebe mich in die Ruhe und Stille der Gedanken und verbinde mich dadurch mit meinen Vorfahren. Man kommt einfach nur zur Ruhe und schöpft mit diesem Wir-Gefühl neue Energie, die sich dann auf unsere Stimmung und auch den Alltag auswirkt.

Schädel im Haus und Hochzeiten am Grab: Alte Praktiken
Wie praktizierten unsere Vorfahren den Ahnenglauben? Unsere Vorfahren „trieben“ es dann doch ein wenig heftiger, wenn es um den Ahnenkult ging. In Bayern und Österreich bewahrte man die Schädel der Vorfahren zu Hause auf. Sie sollten vor Unheil jeglicher Art schützen.
Einladung der Toten: Unsere heidnischen Vorfahren gingen sogar zum Grab ihrer Vorfahren, um sie zu ihrer bevorstehenden Hochzeit einzuladen. Auch wurden dann die Gräber schön geschmückt.
Man vermutet, dass dieser Ahnenglaube fest mit dem Glauben der Schutzgeister zu tun hat. Was natürlich von großer Bedeutung ist. Der Schutzgeisterglaube spielte eine große Rolle im Alten Wissen, wie man ja immer wieder liest, wenn es um Pflanzen im Zauberglauben geht.
Die Altgermanen hatten einen regen Ahnenkult, der so weit ging, dass sie Menschen opferten. Ich denke, von so was sind wir heute weit entfernt und widmen uns doch lieber nur den Brandopfern, wie dem Räuchern.

Die Pflanzen der Ahnen: Schutz und Botschaft
Welche Wildpflanzen werden für den Ahnenkult verwendet? Das alte Pflanzenwissen hält unheimlich viele Pflanzen zu diesem Thema bereit. Auf viele von ihnen wurde die Kraft des Ahnenglaubens übertragen.
Die Aufgabe der Pflanzen: Ihre größte Eigenschaft bestand darin, den Räucherkundigen zu schützen, vor negativen Energien und auch um die Botschaft an unsere Ahnen zu übermitteln. Die Pflanzenseele der Räucherpflanze spielte natürlich eine große Rolle darin.
Aus diesen Pflanzen kann man sich ein Räucherwerk für den persönlichen Ahnenkult zusammenmischen. Nach dem alten Glauben sind die Zahlen 3, 7 und 9 sehr wichtig, und danach sollten die Pflanzen (in ihrer Anzahl) ausgesucht werden.
Liste der Pflanzen im Ahnenkult
Hier ist eine Auswahl der wichtigsten Pflanzen, um die Verbindung zu stärken:
- Alant, Alraune, Andorn
- Beifuß, Birke, Brennnessel
- Dill, Dost
- Eibe, Engelwurz, Efeu, Eiche, Esche, Erdrauch
- Farn
- Heidelbeere, Holunder
- Immergrün
- Johanniskraut
- Königskerze
- Pfingstrose
- Rosmarin
- Salbei
- Tabak
- Wacholder, Wermut, Wasserdost
- Zaunrübe
(Und viele andere mehr. Ihr könnt nach den einzelnen Wildpflanzen bei mir auf dem Blog suchen oder den Verlinkungen folgen.)
Ein Ort der Stille: Mein persönlicher Gedenkstein
Wie ihr seht, ist der Ahnenglaube kein Hokuspokus und hat auch nichts mit beschwörenden und blutigen Ritualen zu tun, was uns der Fernseher gerne suggeriert.
Der heutige Ahnenglaube ist einfach eine mentale Verbundenheit mit unseren Vorfahren. Eine innere Einkehr und zur Ruhe kommen, indem wir ein Brandopfer, ein Räucherwerk, dazu einsetzen.
Ich habe mir für meinen sehr starken Ahnenglauben eine Grabplatte, sozusagen einen Gedenkstein, in meinen Wildgarten geholt. An dem ich verweilen kann, wenn ich es mal benötige, um zur inneren Ruhe zu kommen. Er ist aus weißem Marmor und über eine halbe Tonne schwer. In seinem Gesamtbild ist meine Gedenkstätte noch nicht fertig; es fehlt hier und da noch an sehr wichtigen Elementen, die nach und nach kommen werden.

Der Rauch des Loslassens: Eine Mischung für den Übergang
Zum Schluss möchte ich euch noch eine Räuchermischung für den Übergang aus meinem privaten Räucherbuch vorstellen.
Abschied von einem geliebten Menschen oder auch von seinem geliebten Tier durch den Tod zu nehmen, ist nie leicht für uns Menschen. Wir brauchen sehr lange, um darüber hinwegzukommen. Es ist diese Leere, diese Frage: Wie geht es mit dem Verstorbenen weiter? Wo kommt seine Seele hin? Diese Ungewissheit, dieser Verlust, das alles bringt uns die Trauer und diesen Seelenschmerz, den wir in dieser Zeit in uns fühlen.
Warum das Loslassen wichtig ist: Wir dürfen nicht endlos traurig sein und auch nicht endlos weinen, weil wir dadurch die Seele des Verstorbenen nicht loslassen und sie dadurch ihren Körper nicht freilassen kann. Nach einem Alten Glauben wird sie sonst immer unter den Lebenden wandeln. Wir müssen mit dem Loslassen der Seele den Weg ins Licht zeigen. So, dass sie sich dort entfalten kann und für immer im Ahnenreich aufgenommen werden kann.
Das Neunerlei des Abschieds
Ich habe etliche Kräuter und Lärchenharz für eine Abschieds-Räucherung zusammengestellt. Dieses Räucherwerk wird zu gleichen Teilen vermischt, wobei der Rosmarin in dieser Mischung den meisten Anteil haben muss, weil diese Pflanze verstorbene Seelen ins Licht führt.
Ich habe bewusst eine Neuneranzahl der Räucherzutaten ausgewählt, weil die Zahl 9 schon immer magisch war. Denken wir nur mal an den Neunerlei-Glauben.
Die Zutaten und ihre Bedeutung:
- Beifuß: Gehört zu den ältesten Ritualpflanzen der Menschheit. Er verkörperte schon immer Schutz und Loslassen. Diese Wildpflanze steht für das Loslassen nach einem Trauerprozess.
- Buchsbaum: Ist uns bekannt durch unsere Friedhofsbesuche. Dort steht er als mächtiger Busch oder als kleine Umrandung der Gräber. Buchsbaumzweige dienten der Kirche früher als Weihrauchwedel. Weil er nie seine Blätter abwirft und immer grün erscheint, verkörperte er das ewige Leben.
- Hagebutte (Wildrose): Ist der Friggadorn unserer Urahnen. Im Friggadorn wohnte die verborgene Kraft, im Glauben unserer Vorfahren. Im Volksmund hieß er auch Trauerdorn, weil er zu Begräbnissen gebraucht wurde. Die alten Begräbnisplätze und heiligen Haine waren mit Hagebuttensträuchern umgeben. Dieser Brauch war noch weit nach dem daraufkommenden Christentum verbreitet.
- Immergrün: Verkörperte das ewige Leben und hielt negative Energien von dem Verstorbenen ab. Kleinen Kindern wurde ein Kranz aus Immergrün geflochten und mit in den Sarg gelegt.
- Lärchenharz: War schon immer was Besonderes in der Räucherkunde. Es ist im Geruch etwas dezenter und nicht so aufdringlich wie andere Harze. In der Räucherkunde baut dieses Harz sinnbildlich ein Schutzschild um uns auf und entfernt negative Energien, die sich in einem Trauerprozess in uns festsetzen können.
- Ringelblume: Wobei die Ringelblume ursprünglich gar nicht von hier kommt, stand sie lange als beliebte Pflanze auf den Gräbern. Durch ihre intensive orange-gelbe Blütenfarbe signalisierte sie die Erlösung. Daher auch ihr volkstümlicher Name Totenblume.
- Rosmarin: Gehörte in früheren Zeiten zu jeder Beerdigung. Diese schöne Pflanze ist das „heidnische“ Gegenteil von dem Buchsbaum der Kirche. Sie symbolisierte schon immer Abschied und Trauer.
- Erdrauch: Mit dem Erdrauch nahmen schon unsere Urahnen Kontakt mit ihren Vorfahren auf. Ein kleines, mächtiges Räucherkraut, das daher auch Elfenrauch genannt wurde.
- Wermut: Diente schon in damaliger Zeit zum Schutz vor dem Bösen Blick, der auch Verstorbene treffen kann, sodass sie den Übergang ihrer Seele nicht schaffen.
Ein Räucherwerk kann uns begleiten in diesem Prozess der Trauer. Dieser Prozess bewältigt unsere Trauer und lässt auch gleichzeitig die schönen Erinnerungen und Gefühle auf eine wohltuende Art in uns aufleben. Wir spüren den Verstorbenen in uns und wir werden eins mit ihm. Danach können wir loslassen und wir verfestigen die schönen Erinnerungen in unserer Seele.

Wenn dir mein Artikel gefallen hat und du meinen Blog Celticgarden unterstützen möchtest, würde ich mich um einen “Energieausgleich” sehr freuen. Ich bedanke mich im voraus!
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