Einen Fledermausgarten anlegen – Naturnah gärtnern

Fledermäuse im Garten

Ich fand es schon als Kind faszinierend Fledermäuse im Garten zu beobachten. Gerade in der Dämmerung zeigen sie ihre akrobatischen Flugkünste. Habt ihr euch auch schon mal überlegt Fledermäuse in den Garten zu locken? Denn Fledermäuse helfen uns im Garten, Schädlinge gering zuhalten. Sie gehören zu den wichtigsten Schädlingsfresser. Um Fledermäuse anzulocken, müssen wir uns einen Fledermausgarten anlegen, mit gewissen Pflanzen und geeignete Plätze im Garten.

Als erstes sollten wir bedenken, dass der Fledermausgarten absolut giftfrei ist. Das ist eigentlich das oberste Gebot. Diese kleinen Helfer im Garten sind nicht so leicht anzulocken, deshalb sollte man genau auf die Auswahl der Pflanzen achten, um ihre Flugkünste in der Dämmerung und bei Nacht zu beobachten. Eine Auswahl derer Pflanzen seht ihr am Ende des Artikels. In dieser Pflanzenauswahl tummeln sich Insekten, die für die Nahrung der Fledermäuse von hoher Bedeutung sind, denn diese Insekten sind meist nachtaktiv.

Was brauchen Fledermäuse?

Fledermausgärten sind von sehr grosser Bedeutung, gerade wenn man mit einem Naturgarten lebt, sollte es eine Überlegung wert sein, sich so einen fledermausnahen Garten anzubauen. Fledermäuse stehen seit 1936 unter Naturschutz und es steht um diese nützlichen Tiere nicht gut. Die Verdrängung ihrer Lebensräume und Nahrungsquellen, durch die massive Ausrottung der Wildkräuter, Pestizide und Insektzide, die Beseitigung von Totholz und Knicks (Hecken an Feldern) und das Trockenlegen der feuchten Wiesen sind eine grosse Gefahr für die Fledermäuse, denn meist nur dort tummeln sich die Insekten, die sie für ihre Nahrung brauchen.

Wenn ihr den Platz im Garten besitzt, können auch Trockenmauern und Tümpel errichtet werden, wo sich viele Insekten einnisten, die der Fledermaus als Nahrungsquelle dienen. Es fehlen auch geeignete Fledermauskästen, sowie Fenster oder Lucken am Dachgiebel, die für die Fledermäuse offen bleiben. Fledermauskästen sollten in bis zu 5 Meter Höhe an einem Baum hängen und aus unbehandeltem Holz sein. Das Holz muss dafür rauh sein, damit sie einen Halt beim anfliegen haben.

Die Einflugschneise sollte zwischen 20-25 mm sein, damit keine Vögel in die Kästen kommen. Diese Wohnkästen können auch an einem Stallgebäude hängen, was eventuell besser ist, wenn viele Katzen im Garten sind, weil sie dort teils nicht herankommen, wie auf einem Baum. Am Stallgebäude sollte in der Nähe der Fledermauskästen keine Aussenlampe sein, denn das würde die Tiere nur stören und sie nehmen den Kasten nicht an.

Fledermäuse im Garten
Fledermaus Bild von Heide Strauch auf Pixabay

Regentonnen, grosse Wasserbehälter und auch Pools sind eine Gefahr für diese kleinen Flugkünstler. Darum sollte man sie abdecken oder wenigstens ein Gitter drüberlegen. Trotzdem sollte immer beachtet werden, dass es manchmal Jahre dauert, bis sich die Fledermaus ansiedelt. Sie sind sehr eigenwillige Tierchen. Wenn ihr euch unsicher seid, ob sich Fledermäuse bei euch tummeln, könnt ihr einen Trick, den mir mein Vater gezeigt hat, verwenden. Und zwar bei Dämmerung oder wenn es dunkel ist, könnt ihr euer Schlüsselbund in die Luft schmeissen, wenn Fledermäuse in der Nähe sind, orten sie das und versuchen es anzufliegen. Ihr müsst es öfters wiederholen, um sie mit diesem Trick anzulocken.

Wer sich einen Fledermauskasten selber bauen möchte, kann sich viele Anregungen im Internet holen, wer handwerklich nicht so begabt ist, der kann sich auch online so einen Kasten kaufen, zum Beispiel bei Amazon*. Dort habt ihr eine Riesenauswahl an Fledermauskästen.

Fledermauskasten
Ein schicker Fledermauskasten Bild von analogicus auf Pixabay

Was für Fledermäuse gibt es bei uns?

Laut NABU sollen sich ca. 6 Arten der Fledermaus bei uns im Garten tummeln. Das ist die:

  • Breitflügelfledermaus (6-8 cm gross/Flügelspannweite bis zu 35 cm)
  • Zwergfledermaus (3-5 cm gross/Flügelspannweite bis zu 25 cm)
  • Abendsegler (5-10 cm gross/Flügelspannweite bis zu 45 cm)
  • Grosses Mausohr (6-8 cm gross/Flügelspannweite bis zu 40 cm)
  • Rauhhautfledermaus (5-6 cm gross/Flügelspannweite bis zu 25 cm)
  • Braunes Langohr (4-5 cm gross/Flügelspannweite bis zu 30 cm)

Welche Pflanzen für einen insektenfreundlichen Fledermausgarten?

Für einen insektenfreundlichen Garten könnt ihr aus folgenden Pflanzen wählen. Natürlich wäre das Beste, wenn ihr all diese Pflanzen anpflanzt oder schon in eurem Garten habt, aber es genügt auch eine kleine Auswahl. Ihr solltet bei der Auswahl darauf achten, dass die ausgesuchten Pflanzen in verschiedenen Monaten blühen (März – November). Erst dadurch ist es gewährleistet das die Fledermaus genügend Nahrung findet.

Auch Balkone können mit Wildkräutern bepflanzt werden und eventuell hat man Glück, dass auch dort am Abend oder in der Nacht Fledermäuse kommen. Zäune sollten nur mit heimischen Kletterpflanzen bepflanzt werden, wie zum Beispiel mit Efeu oder dem Geissblatt. Diese Kletterpflanzen dürfen aber nicht in der Nähe oder direkt bei dem Fledermauskasten wachsen. Denn das würde dazu kommen, dass keine Fledermaus in euren Garten kommt, weil sie eine offene und freie Fläche in der Nähe ihrer Wohnkästen mögen.

Abendlevkoje (Matthiola incana)

Stieleiche (Quercus robur)

Acker-Leimkraut (Silene noctiflora)

Brennessel (Urtica spec.)

Nickendes Leimkraut (Silene nutans)

Roter Holunder (Sambucus racemosa)

Goldlack (Cheiranthus cheirii)

Schlehe (Prunus spinosa)

Silberblatt (Lunaria redivia)

Wilde Platterbse (Lathyrus sylvestris)

Nachtkerze (Oenothera biennis)

Fetthenne (Sedum spec.)

Königslilie (Lilium regale)

Heckenwicke (Vicia dumetorum)

Stechapfel (Datura stramonium)

Gartenreseda (Redesa odorata)

Hundsrose (Rosa canina)

Wegwarte (Cichorium intybus)

Vogelwicke (Vicia cracca)

Taglilie (Hemerocallis citrina)

Himbeere (Rubus idaeus)

Garten-Geissblatt (Lonicera caprifolium)

Schnittlauch (Allium schoenoprasum)

Mädesüss (Filipendula ulmaria)

Seifenkraut (Saponaria officinalis)

Kirschbaum (Prunus avium)

Sommerflieder (Buddleja davidii)

Minze (Mentha spec.)

Haselstrauch (Corylus avellana)

Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)

Faulbaum (Frangula alnus)

Ziertabak (Nicotiana allata)

Weissdorn (Crataegus spec.)

Salbei (Salvia officinalis)

Rote Lichtnelke (Silene dioica)

Wildapfel (Malus sylvestris)

Wildbirne (Pyrus pyraster)

Duft-Nachtkerze (Oenothera odorata)

Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris)

Schwarzerle (Alnus glutinosa)

Immergrün (Vinca minor)

Weidenröschen (Epilobium angustifolium)

Nachtviole (Hesperis matronalis)

Birke (Betula pendula)

Oregano (Origanum vulgaris)

Kartoffelrose (Rosa rugosa)

Taglilie (Hemerocallis citrina)

Winterlinde (Tilia cordata)

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Ampfer (Rumex spec.)

Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus)

Feldahorn (Acer campestre)

Ackerwitwenblume (Knautia arvensis)

Borretsch (Borago officinalis)

Feldrose (Rosa pimpinellifolia)

Wiesensalbei (Salvia pratensis)

Liguster (Ligustrum vulgare)

Efeu (Hedera helix)

Phlox (Phlox paniculata / nur die pink oder weiss-roten)

Brombeere (Rubus fructicosus/nur die wilden Sorten)

Türkenbundlilie (Lilium martagon)

Salweide (Salix caprea)

Holunder (Sambucus nigra)

Kreuzdorn (Rhamnus catharticus)

Wald-Geissblatt (Lonicera periclymenum)


Nun habt ihr eine ungefähre Vorstellung wie ein fledermausfreundlicher Garten sein sollte. Vielleicht habt ihr Glück und es nisten sich Fledermäuse ein oder ihr habt schon welche in eurem Garten und wollt ihn noch ein wenig ausbauen. Ich wünsche euch gutes Gelingen und viel Spass und Inspiration bei der Beobachtung dieser Flugkünstler.


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